Zweite Schwimmhalle bleibt Zankapfel

  • schließen

Die Stadtverordnetenversammlung treibt das Projekt einer zweiten Schwimmhalle voran. Die Kosten steigen, und das Projekt bleibt ein politischer Zankapfel.

Die Debatte, ob es ein Bürgerbad oder ein Vereinsbad werden soll, sei überhaupt nicht nachvollziehbar, schimpfte die FWE-Fraktionsvorsitzende Regine Seidel. Die Unterscheidung habe die SPD einst in die Diskussion eingeführt, kommentierte CDU-Mann Christian Herkströter. Es gelte, die Interessen aller Gruppen zu berücksichtigen, so dazu der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernhard Veeck.

In der Frage der Schwimmbaderweiterung hat sich an der alten Schlachtordnung nichts geändert: CDU und Grüne hätten einer Erweiterung des Freibades den Vorzug gegeben. Dies mit der Begründung, dass es vor allem darum gehe, den Schwimmbadbesuchern im sommerlichen Gedränge mehr Platz zu verschaffen. SPD, FWE, FDP und Linke halten aber auch nach dem Ende ihres Bündnisses daran fest, dass zuerst eine neue Schwimmhalle her muss. Dies kommt zweifellos den Interessen der Schwimmvereine und den Schulen mehr entgegen, die mit mehr Freibadflächen nicht so viel anfangen können. Die Vereinsvertreter, die die Beratungen der Stadtverordnetenversammlung verfolgt hatten, dürften zufrieden das Rathaus verlassen haben – die bisherige Linie wurde bestätigt. Allerdings handelt es sich lediglich um eine Zustimmung zur vorgelegten Vorentwurfsplanung – keiner weiß, wann tatsächlich gebaut wird.

Der Magistrat ließ sich mit diesem Beschluss einige Veränderungen genehmigen. Nach Rücksprache vor allem mit den Vereinen wurden Umkleiden und Toilettenräume vergrößert, aber auch das Becken wurde um einen Meter verlängert. Außerdem soll es eine gemeinsame Eingangshalle für die neue und alte Schwimmhalle geben. Insgesamt erhöhen sich dadurch die geschätzten Kosten von 14 auf rund 15,8 Millionen Euro. Wie der Magistrat berichtete, wurde ein Antrag auf Landesförderung gestellt; dabei steht fest, dass es mehr als eine Million aus Wiesbaden nicht geben kann. Ein Bescheid liegt noch nicht vor.

Die Vergrößerung des Beckens um einen Meter ist notwendig, damit das Becken auch für Wettkampfzwecke genutzt werden kann – dazu gibt es Vorgaben der Sportverbände. Aus Sicht vor allem der CDU ist dies ein Zeichen dafür, dass die Halle vor allem als Vereins- und Wettkampfbad geplant ist. Dabei gab es keine Informationen dazu, wie oft solche Wettkämpfe stattfinden könnten.

Trotzdem ist dies für die CDU ein Anlass zur Kritik. Von einem Wettkampfbad sei nie die Rede gewesen, so Christian Herkströter. Nicht bedacht seien die Auswirkungen auf den Verkehr. Bei anderen Projekten werde der Rotstift angesetzt, hier aber bewillige man ohne mit der Wimper zu zucken eine Kostensteigerung von zwei Millionen Euro.

Susanne Fritsch (CDU) kritisierte außerdem, dass das Nutzungskonzept eine Bevorzugung der Vereine beinhalte. Allerdings gibt es keinerlei Beschlüsse dazu. Auch die Grünen haben den Eindruck, dass die neue Halle der Öffentlichkeit weitgehend vorenthalten werden soll. Mit einem intelligenten Nutzungskonzept müsse dafür gesorgt werden, dass alle Nutzergruppen zu ihrem Recht kämen, so dagegen SPD-Mann Veeck. Seine Fraktionskollegin Eva Sauter ließ auch durchblicken, dass dabei nicht unbedingt alle Wünsche der Vereine berücksichtigt werden können.

Für die Grünen kritisierte Willi Schnorpfeil, dass es vieles nicht gebe, was die Eschborner sich wünschten – eine neue Wasserrutsche, ein größeres Freibad, neue Umkleiden für den Außenbereich, einen größeren Sauna-Bereich. Über all dies soll aber bald gesprochen werden, zumindest wenn es nach den Freien Wählern geht. Wenn man ohnehin gerade ein Fachbüro an der Hand habe, solle dieses auch gleich damit beauftragt werden, ein Konzept für das Freibad zu erarbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare