Sophie Griese (links) und Brigitte Schneider-Hänel im neuen Theaterstück "Zwischenzeitlich" von "Andydrama".
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Sophie Griese (links) und Brigitte Schneider-Hänel im neuen Theaterstück "Zwischenzeitlich" von "Andydrama".

Theater

Zwischen Einsamkeit, Spaß und Angst

  • vonNayoung Lee-Quell
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"Andydrama" präsentiert neues Theaterstück "Zwischenzeitlich" in Niederhöchstadt. Es geht darin um Corona und wie die Krise gerade ältere Leute trifft.

Niederhöchstadt -"Timo, ich habe die Säge. Hast Du die Backsteine?" oder "Timo, wo sind die Töpfe?" Timo Becker ist ein gefragter Mann: Der 36-Jährige gibt Anweisungen, hat Tipps parat, verfolgt das Geschehen, macht sich dazu Notizen und sorgt für die passende Musik zum neuen Theaterstück der Gruppe "Andydrama". Das Stück trägt den Titel "Zwischenzeitlich - Hinter der Fassade brennt ein Licht". Zum Stück heißt es: "Zwischenzeitlich hat sich die Welt verändert. Auch wenn es in der Zwischenzeit gut war, war früher alles besser. Inzwischen liegt etwas Zeit dazwischen. Zeit, die Masken fallen zu lassen. Denn zwischen Leben und Tod liegt viel Zeit. Zwischenzeit."

Das Stück sei angelehnt an die Erzählung "Zwei alte Frauen" von Velma Wallis, berichtet Regisseur Timo Becker. Es ist eine Legende von Verrat und Tapferkeit, denn eine Nomadengruppe beschließt angesichts akuten Hungers und wegen des bevorstehenden kalten Winters, zwei alte Frauen zurückzulassen und weiterzuziehen. Die Frauen sind erst verzweifelt, verzagen aber nicht und beschließen, zu handeln. Sie gehen trotz schmerzender Gelenke auf die Jagd, fischen, legen sich Vorräte an - und überleben. Und dank dieser beiden Frauen überlebt auch die Nomadengruppe, als sie wieder zurückkehrt. Eine Lektion, wie sie nur das Leben schreiben kann, denn ohne die Alten geht es eben nicht immer.

Auch in Zeiten von Corona wurden Senioren quasi im Stich gelassen und durften wochenlang keinen Besuch empfangen. Eine Zeit der Stille und Einsamkeit, der Verzweiflung. Dort setzt die Handlung des Stücks "Zwischenzeit" an. "Wir werden die Alten zurücklassen, sprach der Häuptling. Das Volk scheint nicht entsetzt zu sein", erzählt Darstellerin Brigitte Schneider-Hänel von der Gruppe der "Altstarken" von Andydrama. Gezeigt werden Alltagsszenen von Menschen hinter den Fenstern. "Wie sie Corona erlebt haben. Wir halten den Menschen einen Spiegel vor", so Becker.

1,50 Meter Abstand, nein, zwei Meter, nein, lieber 2,50 Meter Abstand. Früher habe keiner gewusst, was ein Virologe sei, heute wüsste es jeder aber besser. "Lockdown" und "Shutdown": Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung könne einen Aufruhr verursachen und alles schlimmer machen. Gezeigt werden Szenen, die jeder kennt: zwischen Arbeit und Homeschooling, der Angst vor Jobverlust, einsame Geburtstage, Missverständnisse, die entstehen können, wenn man sich nur übers Telefon unterhalten kann. Menschen, die eine ellenlange To-Do-Liste erstellt haben. Andere, die die Ruhe und Langeweile genießen oder die reine Partyfreude. Herrlich auch Christa Kurth, die eine Oma, ihre Tochter und das Enkelkind spielt. Dazwischen heitere Momente, nachdenkliche Töne oder die Gleichgültigkeit der Gesellschaft Älteren gegenüber. Auch Toilettenpapier darf natürlich nicht fehlen. Das Wort Corona kommt allerdings nicht vor.

Es ist ein Stück, das einem tatsächlich den Spiegel vorhält, ein Stück, in dem sich jeder irgendwo wiederfindet zwischen Einsamkeit, Spaß und Angst, und absolut sehenswert. Und wie es in dem Stück heißt: "Der Körper braucht Nahrung, die Seele braucht Menschen." Die 17 Darsteller von den Altstarken und AndydramaClassics agieren mit Spielfreude und trotz kurzer Probenzeit souverän. Denn wegen der Pandemie konnten die Hobbyschauspieler der evangelischen Andreasgemeinde Niederhöchstadt erst Ende Juni die Proben wieder aufnehmen.

Die Premiere am Freitag, 28. August, ist bereits ausverkauft. Drei weitere Vorstellungen sind am Samstag, 29. August, um 19 Uhr sowie am Sonntag, 30. August, 15.30 und 19 Uhr, jeweils im Garten der Gemeinde, Langer Weg 2. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird jedoch gebeten. Die Platzzahl ist begrenzt. Reservierungen sind per E-Mail an andydrama@andreasgemeinde.de möglich.

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