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Bernhard Kinkel zeigt Claudia Schellhaas eine Ladestation für ein E Mobil.

Mobileeee

Eschborner haben Interesse an Elektroautos aber auch Bedenken

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Die Stadt kämpft darum, der Elektromobilität zu mehr Zulauf zu verhelfen. Eine Probefahrt, so Experten, kann dabei wundersam wirken.

Da können Experten noch so schöne Szenarien entwerfen. Die Verbraucher reagieren skeptisch. Claudia Schellhaas sagt zum Beispiel: „Ich hätte die Sorge, dass ich im Stau stehe, und die Batterie ist plötzlich leer.“ Die Besucherin aus Niederhöchstadt äußert am Stand vom E-Mobil-Ausleiher „Mobileeee“ Bedenken, die wohl viele Menschen hegen, weil batteriebetriebene Autos eine geringere Reichweite haben als „normale“ Pkw. Irgendwo ohne Strom stehenzubleiben – diesen Gedanken äußert Claudia Schellhaas.

Mit ihrem Mann ist sie zur zweiten Eschborner E-Mobil-Schau auf dem Rathausplatz gekommen. „Wir sind einem E-Auto grundsätzlich nicht abgeneigt“, sagt sie. Sie befürchte aber , im Familien-Trubel einfach mal das Laden zu vergessen und dann nicht wegzukommen zu einem wichtigen Termin.

Die Sorge hält „Mobileeee“-Repräsentant Bernhard Kinkel für unberechtigt, denn auch beim Benziner achte ja jeder darauf, genug Treibstoff im Tank zu haben: „Oder haben Sie Ihren Reservekanister in letzter Zeit gebraucht?“ Zudem habe sich die Reichweite bei dem von ihnen verliehenen Modell in den letzten Jahren verdoppelt. „Sie können jetzt mindestens 250 Kilometer damit fahren“, versichert Kinkel und erklärt, wie der Wagen an die Ladestation angekoppelt wird. Europaweit gebe es 75 000 solcher Stationen.

Das Unternehmen, das sich in Frankfurts neuem Stadtquartier „Gateway Gardens“ am Flughafen befindet, habe sich auf Carsharing spezialisiert, speziell an kleine und mittelgroße Städte. Es vermietet an Kommunen, Firmen, Verbände. Manchmal entscheide sich auch eine Eigentümergemeinschaft, sich ein Auto zu teilen. In Eschborn können Besucher testen, ob ihnen das Fahrgefühl im E-Auto zusagt. „Wer sich darauf einlässt, steigt nach der Probefahrt meistens mit einem Lächeln aus“, sagt Kinkel. Kaufinteressenten sind beim Nissan-Stand nebenan an der richtigen Stelle. „Viele kommen aber auch hier vorbei, um ihre Bedenken loszuwerden“, verrät Verkäufer Sven Sierpinski. Wer allerdings einen Wagen austeste, ändere häufig seine Meinung. „Ein kollektives Interesse an den Autos ist auf alle Fälle vorhanden“, so ist seine Erfahrung.

Eine Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge und weiterführende Informationen erhalten Besucher am Stand des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das in Eschborn seinen Sitz hat und den Kauf von E-Autos fördert. Familie Scheja nutzt den Kontakt zu den Vertretern des Bundes aber auch, um Kritik zu äußern. Bald dürfe sie wohl mit ihrem seht gut gepflegten Benziner-Golf Baujahr 97 nicht mehr in die Frankfurter Innenstadt fahren, befürchtet die Ehefrau. Elektroautos wiederum seien viel zu teuer, Fahrradstrecken gebe es zu wenige, oder sie seien streckenweise viel zu gefährlich zu befahren, vor allem unter Brücken. Ungünstig sei auch das Tarifsystem des Nahverkehrs. „Wenn man von Eschborn nach Höchst fährt, kommt man schon in eine andere Tarifzone und muss 4,90 Euro für eine Strecke zahlen.“ Das sei doch vor allem für Geringverdiener zu teuer“, moniert ihr Mann. Der RMV bessert hier zum Fahrplanwechsel leicht nach (wir berichteten). Die Familie ist nach eigenen Angaben regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs.

Eschborn wolle das Thema Klimaschutz und Elektromobilität nach vorne bringen, verspricht Bürgermeister Mathias Geiger. So seien zusätzliche Zapfsäulen geplant, der Ausbau des Radwegs in Richtung Steinbach beschlossen. Zudem wolle die Stadt Eschborn mehr Boxen für Fahrräder an den Bahnhöfen installieren.

(juwi)

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