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Eva-Maria Rücker: Ihr Engagement ist Familiensache

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Von: Barbara Schmidt

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Hat sich beruflich verändert und deshalb bleibt für die Arbeit im Vorstand nicht mehr genügend Zeit: Eva Rücker sagt heute ?Adieu?.
Hat sich beruflich verändert und deshalb bleibt für die Arbeit im Vorstand nicht mehr genügend Zeit: Eva Rücker sagt heute ?Adieu?. © Knapp

Die Mitgliederversammlung der TSG Marxheim wählt heute einen neuen Vorstand. Die Chefin tritt nicht wieder an – für Kontinuität ist aber gesorgt.

Sportvereine wandelten sich immer mehr zu Dienstleistern, hieß es bei der jüngsten Sitzung des Turngaus Main-Taunus. Schwieriger geworden ist es in den meisten Vereinen vor allem, die Vorstandsposten zu besetzen. Bei der TSG Marxheim gehen nicht nur diesbezüglich die Uhren offenbar ein wenig anders. Das hat viel damit zu tun, wie Eva-Maria Rücker in den vergangenen 28 Jahren als Erste Vorsitzende den mitgliederstärksten Verein im Stadtteil geprägt hat.

Dabei ist es ein wenig zu kurz gegriffen, nur die Chefin zu nennen, denn im Grunde ist bei der TSG das Ehepaar Rücker der Motor des Geschehens. Ehemann Karl-Heinz, den alle Kalli rufen, ist sogar noch länger im Vorstand als seine Frau – die heute Abend aus diesem Gremium verabschiedet wird. Aus beruflichen Gründen gibt sie das Leitungsamt auf und – so die Mitgliederversammlung will – weiter an ihren Ehemann. Nicht der einzige Kandidat für einen Vorstandsposten an diesem Abend, wie die Rückers nicht ohne Stolz berichten. „Wir haben für jede Position jemanden“, sagt die Noch-Vorsitzende.

Wie eine Firma

Welche Leistung hinter der ehrenamtlichen Führung eines Vereins mit gut 1000 Mitgliedern steht, können Außenstehende nur erahnen. „Es ist eigentlich wie eine Firma – wo man aber kein Geld verdient,“ zieht Evi Rücker einen plastischen Vergleich. Vielfältige Fähigkeiten brauche es da. „Man muss kommunikativ sein“, weiß die Vorsitzende, „und auch die Akzeptanz für andere Meinungen haben.“ Rund 40 Übungsleiter sorgen für ein Angebot in 20 verschiedenen Sportarten. Über ihr Tun muss ebenso Buch geführt werden wie über die Mitglieder, die häufig kommen und gehen. „Wir sind halt eine Zuzugs- und Wegzugsgegend“, sagt die Vorsitzende.

Sie mag es familiär

Verwaltet und gepflegt werden will auch die vereinseigene Halle, an der es – nach alter Turnertradition – bis heute auch eine Wiese für den Sport im Freien und eine Gaststätte gibt. Einmal komplett saniert und umgebaut worden sei die Halle in den vergangenen 30 Jahren,, sagen die Rückers. Und man habe nie mehr Geld ausgegeben, als der Verein gehabt habe. Wie topp sie gepflegt ist, darauf wird im Ort gern verwiesen. Evi Rücker betont aber auch, dass sie immer der Ansicht war, es lieber klein und familiär zu halten, auch wenn das bedeutet, dass Ballsport bei der TSG eben nicht geht. „Immer größer, immer mehr“, das müsse doch nicht sein, findet die in Marxheim aufgewachsene gelernte Krankenschwester, die vor Jahren gern half, als nach der Schließung des Bierbrunnens für die Fastnachtssitzungen und die Seniorennachmittage die TSG als Gastgeber gefragt war.

Das Engagement für die TSG war schon vor Beginn ihrer Ära Familiensache: Ihr Vater Josef Heislitz war als Vorsitzender ihr unmittelbarer Vorgänger, 14 Jahre lang. Davon, dass das Vorbild der Eltern eine Schlüsselrolle dabei hat, ob sich Menschen später einmal ehrenamtlich engagieren, ist Evi Rücker überzeugt. Auch auf ihre zwei mittlerweile erwachsenen Söhne habe es wohl abgefärbt, kann sie sagen. Die 57-Jährige hebt indes hervor, dass ehrenamtlicher Einsatz auch dem, der ihn erbringt, gut tue und sinnhaft sei. „Man ist nicht nur auf sich fokussiert“, sagt Rücker, lerne, mit anderen zurechtzukommen und könne etwas für die Gemeinschaft bewirken. „Da passiert auch Charakterbildung, wir verändern uns durch unser ehrenamtliches Engagement“, so der Eindruck der Marxheimerin, die sich auch noch im Eine-Welt-Laden für Fairen Handel engagiert.

Ihre Arbeit als Krankenschwester hat Rücker, die lange in den Main-Taunus-Kliniken tätig war, vor einigen Jahren aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit aufgegeben. Mittlerweile ist sie in Frankfurt im Sozialbereich tätig und hier stark gefordert. Die neue Aufgabe entspreche ihr sehr, sagt die dreifache Großmutter, lasse ihr aber nicht mehr so viel Zeit für ihr Vorstandsamt. Dem Verein wird Eva-Maria Rücker, die sich selbst mit Nordic-Walking und Gymnastik fit hält, aber deshalb die Treue nicht aufkündigen. Sie werde auf jeden Fall weiter mit anpacken, wo immer es nötig sei, verspricht sie. Dafür, dass sie in 28 Jahren Vorstandsarbeit immer ein gutes Team gehabt habe, ist sie dankbar. Und wünscht ihrem Nachfolger, dass er dieselbe Erfahrung machen kann.

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