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Die Experten bei der Hollerbach-Beschauung an einem der künstlich angelegten Teiche, die Bestandsschutz haben.

Natur- und Bestandsschutz

Experten begutachten den Hollerbach und stellen Probleme fest

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Laubhaufen, Steinkrebse, Zäune - am Hollerbach bringt die Gewässerschau größere und kleinere Probleme ans Tageslicht. Nicht alles ist lösbar.

Wildsachsen - Der Rundgang hat noch nicht begonnen, da gibt es schon das erste Problem. Laub und Kompost direkt am Bachlauf, das ist nicht erlaubt – schon weil bei Hochwasser alles weggeschwemmt werden kann. Manches bleibt dann irgendwo hängen und staut das Wasser weiter auf. Claudia Kötzer von der Unteren Wasserbehörde des Main-Taunus-Kreises spricht den Eigentümer kurz an, der da auf seinem Grundstück herumwerkelt. Der Wind habe das Laub herangeweht, er werde alles wegräumen, sagt der Mann.

Ein einfacher Fall. Viele, die ein Grundstück am Bach haben, die tun dort aber offenbar Dinge, die nicht erlaubt sind. Vor allem weil sie dem Ziel widersprechen, möglichst naturnahe Bäche mit sauberem Wasser zu haben. Deshalb unternimmt die Untere Wasserbehörde im Abstand einiger Jahre sogenannte Bachschauen, um solchen Dingen auf die Spur zu kommen. Förster, Landwirte, Naturschützer – die unterschiedlichsten Interessengruppen sind vertreten. Jetzt am Hollerbach in Wildsachsen. Künstlich angelegte Teiche

Nicht alle Wünsche sind miteinander vereinbar. Der Wiesbadener Ernst Kluge hat sich besonders dem Gewässerschutz verschrieben. Künstlich angelegte Teiche sind ihm ein Dorn im Auge, wenn der Bach direkt hindurchfließt. Einen solchen Teich gibt es auch am Hollerbach, etwa einen knappen Kilometer von der Bebauungsgrenze entfernt. Erlaubt sind solche Teiche nicht mehr, sagt Kluge. Sie haben aber Bestandsschutz, sagt Claudia Kötzer.

Horst Mauer von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ergänzt, dass sich aus solchen Teichen oft wertvolle Biotope entwickelt haben. Aus Sicht des Naturschutzes insgesamt sei es dann sinnvoller, sie zu erhalten – Verbot hin, Bestandsschutz her.

Am Beispiel der Teiche weist Kötzer darauf hin, dass im Protokoll nicht nur Probleme, sondern auch Entwicklungspotenziale festgehalten werden. Eine Woche zuvor beispielsweise habe man vereinbart, dass zwei kleinere Weiher am Thierbach nicht mehr von den Anglern bewirtschaftet werden. Das bedeutet bessere Überlebenschancen für die Amphibien dort – auch wenn es strittig ist, ob die Fische in den Thierbachweihern ein Problem für sie sind.

Andere Tiere, andere Probleme: „Der Hollerbach ist der einzige Bach im Kreis, in dem Steinkrebse leben“, sagt Kreisfischereiberater Achim Reisinger. In allen anderen Gewässern habe den Tieren die Krebspest, die von anderen Krustentieren eingeschleppt worden sei, den Garaus gemacht. Der Hollerbach wurde davon bislang verschont. Kein Mittel gegen Krebspest

Die Teilnehmer der Gewässerschau wurden daher aufgefordert, nicht mit Gummistiefeln ins Wasser zu treten, sollten sie damit zuvor an andern Bächen unterwegs gewesen sein. Die Krebspest, eine Pilzart, ist extrem leicht übertragbar. Ein Mittel dagegen gibt es bisher nicht – und so kann das Problem bei einer Gewässerschau nicht lange im Mittelpunkt stehen.

Verbesserungen sind in manchen Punkten nur mittel- und langfristig zu erreichen. Neuerdings sollen zwar fünf Meter breite Uferstreifen von jeder Bebauung freigehalten werden, um dem Bach mehr Platz für eine natürliche Entwicklung zu geben. Aber immer wieder gibt es Zäune direkt am Ufer. Auch sie haben Bestandsschutz, und das wissen die Eigentümer. „Die Zäune werden immer wieder geflickt“, deutet Claudia Kötzer auf kuriose Basteleien am Ufer.

Mit einer anderen gesetzlichen Neuerung sind jetzt die Landwirte konfrontiert – in einem vier Meter breiten Streifen dürfen die Wiesen nicht gedüngt werden. „Kein Problem für uns“, sagt Ortslandwirt Ingo Küther. Der Streifen entlang des Baches ist für ihn ohnehin kaum von großem Interesse. Und weil die Maschine zum Ausbringen des Düngers nicht sehr genau arbeitet, hält er ohnehin einen größeren Abstand zum Bach ein – denn in das Wasser gelangen darf der Dünger erst recht nicht. Jagd hilft nicht

Ein viel größeres Problem sind für ihn die zahlreichen Wildschweine, die jenseits des Baches im Wald wohnen, aber nachts gerne auf die Wiesen kommen und durchaus großflächig den Boden umgraben. Das beeinträchtigt das Gedeihen des Grases erheblich; seit 20 Jahren geht das schon so. Bejagt werden die Wildschweine schon länger, auch dort. Genützt hat es bisher nichts.

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