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Viele Menschen steigen in einen Bus der Main Taunus Verkehrsgesellschaft am Hofheimer Bahnhof

Busverkehr

Im Bus vorn einsteigen: Hofheimer Fahrgäste von neuer Regelung genervt 

Das war jahrelang geübte Praxis zwischen Main und Taunus: Wer mit dem Bus fahren wollte und eine gültige Fahrkarte hatte, stieg tagsüber an der hinteren Tür ein. Eine Kontrolle fand nicht statt. Jetzt heißt es: Vorne rein und Ticket vorzeigen. Und das führt nicht nur zu peinlichen Situationen.

In jüngster Zeit kommt es in hiesigen Bussen verstärkt zu Irritationen, Streitereien und Diskussionen zwischen Busfahrern und Fahrgästen. Der Grund: Manche Fahrer wünschen nur abends und nachts den Einstieg durch die vordere Tür – und kontrollieren auch nur ab dann jeden einzelnen Fahrschein. Andere Fahrer verlangen dies jetzt schon tagsüber und zeigen sich ungehalten, wenn ein Passagier am helllichten Tag ganz unbedarft und arglos die hintere Tür zum Einsteigen benutzt – weil er eben keine andere Regelung kennt und um einen gültigen Fahrschein in seiner Tasche weiß.

Davon berichtet auch eine Kelkheimerin, die regelmäßig mit der Buslinie 804 unterwegs ist und sich verunglimpft fühlt: „Ich bin in den letzten Jahren noch nie darauf angesprochen worden, dass ich tagsüber hinten einsteige und dadurch angeblich einer Fahrscheinkontrolle beim Busfahrer entgehen will.“ Der Einstieg durch die hintere Bustür gelte aber für manche Fahrzeuglenker offensichtlich plötzlich als Verstoß, der dann – peinlicherweise – auch mal vor allen Anwesenden laut kommentiert und kritisiert werde. „Ich bin natürlich nicht die einzige, die nach vorne zitiert wird und sich vorgeführt fühlt. Einen Hinweis auf diese Pflicht habe ich auch noch nie und nirgends gesehen. Woher sollen die Fahrgäste das also wissen? Und gibt es diese Vorschrift wirklich? Wenn ja: Warum wird das nicht kommuniziert oder irgendwie transparent gemacht? Das würde allen Seiten Missverständnisse und Frust ersparen.“

Was sagen die Busfahrer dazu? Die einen sprechen von einer „strikten Regelung und klaren Vorschrift“, die Tickets rund um die Uhr kontrollieren zu müssen und richten sich dementsprechend kompromisslos danach. Die anderen Befragten äußern sich in diesem Punkt überhaupt nicht oder zeigen keinerlei Interesse an „zusätzlichem Stress“. Ein Bus-Pilot erklärt seinen Unwillen so: „Man will doch nur Geld für Kontrolleure sparen und uns das ausbaden lassen.“ Außerdem gibt er zu bedenken, dass bei der ohnehin engen Zeit-Taktung der Fahrpläne zusätzliche Verspätungen programmiert sind: „Wenn wir neben dem Fahrscheinverkauf – Fahrscheinautomaten gibt’s hier ja fast keine – tagsüber zusätzlich jedes Ticket anschauen sollen, dann wird die Warteschlange vorn beim Fahrer noch länger. Und damit verlängert sich natürlich auch die Standzeit der Busse an den Haltestellen. Das führt letztlich nur zu Meckerei wegen Verspätungen und verpassten Anschlüssen. Das will doch keiner!“ Auf die Nachfrage, ob die Fahrscheinkontrolle denn für ihn als Arbeitnehmer nicht verpflichtend vorgeschrieben sei, zuckt der Herr mit den Schultern. „Fragen Sie bei meinem Arbeitgeber nach.“

Das hat das Kreisblatt gemacht – und sich sowohl bei der Alpina Transdev GmbH in Frankfurt als auch bei deren Auftraggeber, der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) in Hofheim erkundigt.

Die Alpina Transdev lässt wissen: „Ja, die Busfahrer im MTK sind verpflichtet, die Fahrgäste – mit Ausnahme von Schülern und Schülerinnen – auch tagsüber zu kontrollieren und sich die Fahrscheine vorlegen zu lassen.“ Bei der MTV teilt Prokuristin Hartmann mit: „Es stimmt: Der Einstieg ist auch tagsüber vorne, und der Fahrschein muss dem Fahrer gezeigt werden. Aufgrund vorrangiger Probleme im Gesamtablauf seit 2016 ist dieser Punkt zugegebenermaßen zunächst ins Hintertreffen geraten. Aber wir sind uns der Thematik und Problematik bewusst und werden zeitnah für Aufklärung und Transparenz sorgen – im Sinne einer konflitktfreieren Zukunft und zum Wohle aller Seiten und Betroffenen.“ (ler)

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