+
Ob Fußball oder Gymnastikreifen ? sie sind eine aktive und engagierte Familie (von links): Florian Wießler, Denise Wießler, Andreas Wießler und Nicole Dietrich-Wießler.

Engagierte Kelkheimer Club-Familien

Familie Wießler ist in vielen Vereinen vertreten

  • schließen

Die Mama ist Gymnastik-Übungsleiterin, die Tochter hilft beim Kindersport, Papa und Sohn sind Fußball-Trainer: So wie die Wießlers beim SV Fischbach engagieren sich viele Familien in Vereinen – sei es im Sport, beim Singen, bei der Feuerwehr und beim Roten Kreuz oder in der Politik. In einer losen Serie stellen wir besonders engagierte Club-Familien aus Kelkheim vor. Wer uns solche Aktivposten nennen kann, darf sich gerne beim Kreisblatt melden.

Donnerstagabend, der ganz normale Wahnsinn bei den Wießlers: Mama Nicole ist schon einige Stunden in der Staufen-Halle beim Kinderturnen und bei der Gymnastik beschäftigt. Papa Andy begrüßt am Sportplatz einige 100 Meter entfernt die ersten Spieler der Fußball-B-Jugend, während sein Sohn Florian schon mal die Hütchen holt und aufbaut. Extra für den Zeitungstermin hetzt Nicole Dietrich-Wießler kurz hoch zum Sportfeld, wo ihre Tochter Denise schon wartet – sie hat erst freitags ihre Übungsstunde bei „Sport, Spiel und Spaß“ mit Kindern zwischen drei und acht Jahren. Die Wießlers sind das Musterbeispiel einer engagierten und sportverrückten Familie. Mehrere Stunden pro Woche verbringen sie auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle – sie stehen für die unzähligen Ehrenamtler auch beim SV Fischbach.

Sie sei von der Vorsitzenden Annemarie Reng gefragt worden, ob sie nicht eine neue Kindergruppe im Verein leiten wolle, erinnert sich Denise. Das war vor fünf Jahren – und die Arzthelferin aus Fischbach sagte gerne zu. Schließlich ist sie mit Sport aufgewachsen. Unter ihrem Vater spielte sie Fußball beim SV. Als sie noch in den Kindergarten gegangen sei, habe er die Mannschaft gegründet. Dann wechselte die heute 29-Jährige zum Handball, spielte bis zur A-Jugend-Regionalliga im Tor. Später kehrte sie zur alten Liebe Fußball zurück – und heute geht Denise in die Fitness-Kurse ihrer Mama. Warum engagiert sie sich? „Weil’s Spaß macht. Ich bin ja in der Turnhalle und auf dem Sportplatz groß geworden.“ Sie freue sich, „wenn so kleine Kinder Sport machen“.

Mutter Nicole wiederum trainiert alle Generationen. Seit 1979 engagiert sie sich beim SV, fing mit zwei Stunden Turnen an. Inzwischen ist die Krankengymnastin an drei Tagen in der Woche für insgesamt acht Stunden in der Halle – donnerstags sind es allein fünf – vom Mutter-Kind- übers Krabbel- bis zum Gerätturnen und der Frauengymnastik. Zudem mischt die 57-Jährige noch bei der Trommelgruppe der Fastnachts-Frauen mit und leitet die Turn-AG der Schule. Sie sei ja „direkt am Bolzplatz groß geworden“, betont die Fischbacherin, dann aber früh zum Turnen gekommen und mal Hessenmeisterin im Gerätturnen der Jugend geworden. Als eine Trainerin gesucht wurde, sprang sie spontan ein – und ist gerne dabei geblieben: „Es macht einfach Spaß mit den Kindern, man bekommt immer was zurück. Und es kommt immer irgendein Klopper“, freut sie sich über Abwechslung in der Übungsstunde. Lobend hebt sie hervor, dass inzwischen auch einige Flüchtlingskinder beim Turnen und gerade beim Fußball mitmachen. Hier habe Mitglied Barbara Völkel für den Verein gute Integrationsarbeit geleistet, freuen sich die Wießlers-

Dieses Engagement setzen sie selbst aktiv in den Übungsstunden fort – so wie Vater Andy und Sohn Florian in der B-Jugend, in der drei Flüchtlinge mitkicken. Der Junior hat selbst gespielt, auch unter dem Papa. Mit 15 nahm er sich eine Pause, ging kurz zum Handball – und ist vor zwei Jahren zum SV zurückgekehrt: als Trainer. Das Vater-Sohn-Verhältnis sei hier kein Problem. Im Gegenteil: „Das funktioniert gut, wir ergänzen uns“, sagt der 31-Jährige, der als Fachkraft für Lagerlogistik arbeitet und in seiner Freizeit gerne in einer Band das Schlagzeug spielt. Das Training arbeiten sie in Absprache aus, die Mannschaft wird vor dem Spiel gemeinsam aufgestellt und motiviert. „Ich mag es, Inhalte zu vermitteln. Fußball ist ein Stück Leidenschaft. Super, was die Jungs für einen vollen Einsatz bringen. Und hier auf dem Platz können sie den Alltag sausen lassen, einfach mal abschalten“, schwärmt Florian.

Gemeinsam haben Vater und Sohn eine Vision: Da der SV Fischbach seit einiger Zeit keine Männermannschaft mehr hat, wollen sie ihre B-Jugend komplett nach oben führen. „Wenn 20 Mann an einem Strang ziehen – das ist doch toll“, findet Andy Wießler. Sie seien hier beim Sport „positiv eingestellt“ und vor allem auch „von der Straße weg“. Und er könne als alter Hase mit seinem Junior, dem „Taktikfuchs“, Wissen weitergeben. Als Fußballer hat der 56-Jährige einiges erlebt. Schon als junger Mann kickte er nicht nur, sondern trainierte bereits Jugendmannschaften – zehn Jahre lang, dann ging Torwart Wießler zum FC Lorsbach, später nach Schneidhain. Bis 39 spielte er zuletzt für den SV, mit 45 Jahren wurde er für eine Partie noch mal reaktiviert. Gerne erinnert er sich an schöne Momente zurück, als zum Beispiel bei einer Weihnachtsfeier seiner E-Jugend Eintracht-Legende Jürgen Grabowski auftauchte. So sagte der Versandleiter der Firma Rothenberger auch nicht „Nein“, als er vor zwei Jahren wieder als Trainer einsteigen sollte.

Und wie ist das so in einer Sportfamilie, ist da nur der SV ein Thema? „Die Jungs sprechen über Fußball, wir über Turnen“, flachst Nicole Dietrich-Wießler. Man versuche aber, sich auch gegenseitig zu unterstützen. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn alle zusammen etwas machen“, findet Andy Wießler und betont: „Es ist wichtig, dass Sport gemacht wird.“

(wein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare