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Hofheim stellt die Erker-Frage

Die hübsch-hässliche Front der Stadthalle sorgt für Diskussionen

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Bekommt die Stadthalle bei der Sanierung eine neue Fassade? Und der Chinonplatz eine neue Optik?

Die Fassade der Hofheimer Stadthalle zum Chinonplatz hin ist mit ihren sechs Erkern und dunklen Metallverblendungen unverkennbar ein Produkt der achtziger Jahre. Ein Erker bedeutet immer eine relativ große Außenwandfläche eines Gebäudes, und das bedeutet einen großen Aufwand zur Dämmung der Außenwand oder relativ hohe Heizkosten. Trotzdem ist noch längst nicht klar, dass die Erker durch eine begradigte Fassade ersetzt werden.

Als der Magistrat vor einigen Wochen die Pläne zur Sanierung der Stadthalle präsentierte, hatten die Stadtverordneten dies noch kommentarlos zur Kenntnis genommen. Im Mittelpunkt standen die zum Teil völlig veraltete Haustechnik und die Statik des Dachs. Da ist allerlei zu tun, und das ist auch unstrittig. Anders dagegen der Umbau der Fassade.

„Vielleicht sollten wir die Erker lassen, sie sind doch charakteristisch für den Platz“, eröffnete Bernd Hausmann (Linke) die Diskussion. Aus seiner Sicht ist das der gelungenste Teil der Architektur an den Gebäuden dort. Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (CDU) sieht durchaus einen Widerspruch zwischen dem Plan, das neue Büchereigebäude mit Erkern zu bauen, und der Idee, die Erker an der Stadthalle verschwinden zu lassen. Matthias Hees (FWG) würde gerne alternative Ideen sehen, etwa im Rahmen eines Ideenwettbewerbs.

Kritische Stimmen 

Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) erklärte zwar, er habe bislang weitgehend kritische Stimmen zu der heutigen Fassade gehört. Aber die Parlamentarier wollen weiter darüber nachdenken und beschlossen zu dem Thema nichts. Man kann gespannt sein, was die Beratungen in den Fraktionen ergeben. Einig war man sich immerhin darüber, dass der Bauausschuss des Parlaments sich um das Thema kümmern soll, auch wenn das Gebäude der städtischen Hallen- und Parkhaus GmbH gehört und daher eigentlich deren Aufsichtsrat über solche Dinge zu entscheiden hat. Unstrittig ist auch, dass der Zugang zur Stadthalle besser erkennbar sein soll, Architekt Joachim Kulla will dies durch ein Vordach erreichen. Auch der Zugang zu der Gaststätte solle eindeutiger gekennzeichnet sein, mahnte CDU-Mann Michael Henninger an. Tatsächlich ist für den Ortsfremden derzeit nicht ohne weiteres zu sehen, dass man durch die rechte Tür im Eingangsbereich in das Lokal gelangt.

Aufgerufen ist damit schon ein wenig die Frage nach der Gestaltung des Chinonplatzes. „Der Platz war immer nur ein Kompromiss, und zwar ein schlechter“, stellte der SPD-Vorsitzende Bernhard Köppler fest. Möglicherweise sollte man die Autos von dem Platz verschwinden lassen, hatte Armin Thaler (CDU) gleich einen Vorschlag zu machen. Es gebe rundum Parkplätze genug, so Thaler.

Parkplätze dominieren

 Tatsache ist, dass die Parkplätze einschließlich der zugehörigen Beschilderung den Platz optisch dominieren. Erster Stadtrat Exner bezweifelt, dass sie so einfach wegfallen können; es handele sich eventuell um für die angrenzenden Gebäude zwingend nachzuweisenden Stellplätze. Andererseits kann der Magistrat Ausnahmen von der Stellplatzsatzung genehmigen, hier könnte es durchaus eine plausible städtebauliche Begründung geben.

Exner wies außerdem darauf hin, dass der Platz für verschiedene Veranstaltungen gebraucht werde, dies setze beispielsweise einer Begrünung durch Bäume enge Grenzen. Zurzeit gibt es dort Bäume, die aber in Kübeln gepflanzt sind und bei Bedarf weggebracht werden können.

Ein wenig Zeit für Überlegungen zum Platz wie zur Fassade scheint es noch zu geben, denn die Planer wollen im Innern des Hauses mit den Arbeiten beginnen. Im Mittelpunkt steht die Dämmung des Gebäudes – es sei ein Unding, dass es zwischen Ober- und Untergeschoss ein 1,50 Meter hohes Installationsgebäude gibt, das nach außen praktisch offen ist und das im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze ungehindert in das Gebäude lässt. Damit wäre zu erklären, dass in den Sälen im Obergeschoss fast nie ein angenehmes Raumklima geschaffen werden kann.

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