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Der Hochchor links kam viel später hinzu; auch der Turm rechts gehörte nicht zum ursprünglichen Bauherren-Plan: Die Justinuskirche hat sich in mehr als 1160 Jahren ziemlich verändert. Foto: Hamerski

Modell der Justinuskirche

Fenster in die Geschichte

Eine Sandstein-Stele soll vom Frühjahr an vor St. Justinus auf das ursprüngliche Erscheinungsbild von Frankfurts ältestem Kirchenbau hinweisen.

Martin Stein ist Steinmetzmeister, Restaurator und Bildhauer. Mehrfach hat er schon in der Justinuskirche gearbeitet. Die Restaurierung und der Umzug der historischen Grabdenkmäler, die Restaurierung der Portalheiligen Paulus und Antonius Abbas, des Taufbeckens mit seinen Löwen und diverser Schlusssteine sind seine Arbeit. Die Aufgabe, die ihm die Stiftergemeinschaft Justinuskirche im Herbst gestellt hat, macht ihm aber ganz besondere Freude: Die Arbeit an einem Sandsteinmodell der Justinuskirche, wie sie zwischen 830 und 850 gebaut wurde.

Ein großer Teil der karolingischen Bausubstanz ist noch immer im Innern der Justinuskirche sichtbar, etwa die einmaligen Säulenarkaden mit den wunderschönen Blattkapitellen und Kämpfern. Von außen ist es eher schwer zu erkennen: Gerade auf dem Justinuskirchplatz, über den die Besucher kommen, sind die karolingischen Teile hinter den um 1430 /40 angebauten Kapellen und unter dem dann erforderlichen neuen Dach verschwunden. Für diese Besucher soll die karolingische Justinuskirche in einem Sandsteinmodell auf einem Sockel wiedererstehen – auf dem Platz vor der Kirche.

Das Modell, in rotem Sandstein ausgeführt, soll zeigen, wie die Justinuskirche ursprünglich einmal ausgesehen hat: Sie war eine dreischiffige karolingische Säulenbasilika mit drei rechteckigen Sanktuarien und drei Apsiden. Besonders auffällig: Die Kirche hatte zur Bauzeit noch keinen Turm. Er kam erst um das Jahr 1090 dazu – da waren aber die Seitenapsiden bereits abgebrochen. Der Eingang der karolingischen Kirche lag auf der Westseite im heutigen „Kirchgärtchen“, dort, wo das barocke Ochsenaugen-Fenster zu sehen ist. Sichtbar soll am Modell auf der Süd- und Ostseite auch die Lage oberhalb des Steilabhangs über dem Main sein – denn die Stadtmauer mit ihren Aufschüttungen kam erst nach 1365, dem Jahr, in dem die ersten Kapitel der Goldenen Bulle von Kaiser Karl IV. auf dem Reichstag zu Nürnberg verkündet wurden und das dem Städtchen Höchst benachbarte Frankfurt zum Ort der Königswahl bestimmt wurde.

Der Sockel des Modells, ebenfalls aus rotem Sandstein, wird durch Symbole geschichtliche Verbindungen aufzeigen: Das Mainzer Rad verweist auf die Gründer und die jahrhundertelange Zugehörigkeit der Kirche zum Bistum Mainz, das Tau-Kreuz auf die Antoniter in Höchst, die Jakobsmuschel darauf, dass die Kirche Station am Jakobsweg war. Auf einer Seite der Stele wird ein Fisch und ein Text auf den Spender der Stele verweisen, auf die „Fischer-Zunft zu Höchst am Main von 1347“, die sich schon mehrfach für die Justinuskirche engagiert hat.

Wegen der Aufstellung der Stele auf dem Justinusplatz waren umfangreiche Abstimmungen notwendig. Nicht nur das Einverständnis des Grundstückseigentümers, der Pfarrgemeinde St. Josef, war erforderlich, sondern auch der Diözesandenkmalschützer, der Landesdenkmalschutz und die Frankfurter Denkmalschutzbehörde waren anzuhören. Und natürlich war auch zu beachten, dass parkende Autos die neue Stele nicht gleich umfahren können oder die Buden beim Weihnachtsmarkt behindert werden. Der Vorsitzende der Stiftergemeinschaft, Ernst-Josef Robiné, ist zuversichtlich: „Die Stiftergemeinschaft und die Fischerzunft freuen sich darauf, dass die Stele bis Ostern vor der Kirche stehen wird – als ein neuer Geschichtszeuge für das uralte Höchst und die Justinuskirche.“

(hk)

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