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Hans-Georg Dechange und sein Kammerchor bei der Probe. Foto: Knapp

Jubiläumskonzert im Showspielhaus

Fest entschlossen weiterzumachen

Der Kammerchor Hofheim wird 25 Jahre alt. Lutz Riehl sprach mit dem Gründer und Chorleiter Hans-Georg Dechange.

Was war denn eigentlich der Impuls für die Gründung des Chores?

HANS-GEORG DECHANGE: Der Impuls war, ein Ensemble zu gründen, das sich zunächst einerseits mit selten aufgeführter A-cappella-Musik beschäftigt und das auf der anderen Seite eine Alternative entwickelt zu dem, was hier vor Ort und auch in den Zentren der Region angeboten wird. Auch eine Alternative zu Kirchenchören, weil es ja ein überkonfessioneller Chor sein sollte, was er auch bis heute geblieben ist.

Mit welchen Werken hat der Chor angefangen? Gab es zunächst eine Festlegung auf ein bestimmtes Repertoire?

DECHANGE: Wir haben von vorneherein nichts ausgeschlossen, natürlich muss man erst einmal mit den vorhandenen Gegebenheiten klarkommen. Es gab ja keinen festen Chor, der musste erst noch aufgebaut werden. Es begann mit einer Gruppe von Freunden, die gemeinsam etwas auf die Beine gestellt hat. Wir haben angefangen mit der Missa Choralis von Liszt, also gleich mit einem Stück, was man nicht so häufig hört. Da wir damals noch in der Bonifatius-Gemeinde geprobt haben, passte das eigentlich ganz gut. Unser erstes Konzert haben wir mit etwa 20 Leuten gesungen.

Was waren die ersten Großprojekte mit Orchester?

DECHANGE: Der Chor ist relativ schnell gewachsen, so dass wir dann 1991 schon die Schöpfung gemacht haben, das war das erste groß besetzte Stück. Wir haben 1994 unsere erste Auslandstour nach Savoyen gemacht, mit Bachs H-moll Messe.

Was hat denn rückblickend zu den spektakulärsten Augenblicken gehört?

DECHANGE: Da fällt es mir jetzt schwer, ein Ereignis herauszuheben, weil es einfach sehr viele berührende Momente gegeben hat – alles auf seine Weise. Wir haben ja relativ schnell auch an lokalen Chorwettbewerben teilgenommen und auch auf Anhieb gewonnen, das hat uns natürlich nach vorne gebracht. Da gibt es auch ganz viele Konzertereignisse: die Marienvesper das Brahms-Requiem oder der Elias, auch Rundfunkaufnahmen, die Wiederaufführung der Reghini-Messe. Es gab wirklich viele tolle Sachen, ganz frisch in Erinnerung ist natürlich noch das Programm mit Werken von Mendelssohn und Franz Messer.

Was wird am kommenden Sonntag zu hören sein?

DECHANGE: Wir haben ja ein „Jubiläumsjahr“ ausgerufen, in dem wir versuchen, unsere Bandbreite gesammelt darzubringen. Wir haben im letzten September angefangen mit Beethovens Messe in C-Dur, sozusagen einem oratorischen Konzert, dieses Jahr endet es im Oktober mit dem Schwerpunkt Bach und Motettenkultur. Am Sonntag kommt ein Programm, das uns stilistisch vom 16. Jahrhundert zu Rock und Pop bringt, es wird ein moderiertes, unterhaltsames Konzert sein, bei dem auch eine Band mitspielt. Aber mehr wollen wir noch nicht verraten. Es spiegelt das wider, was wir über die Jahre gemacht haben. Das Motto „Um die Welt, durch die Zeit“ steht nicht nur dafür, dass wir jetzt 25 Jahre singen, sondern auch viele Epochen der Musikgeschichte abbilden und versuchen, die Musik, die uns die Welt bietet, auch aufzuführen.

Nach dem Rückblick folgt er Ausblick.

DECHANGE: Jetzt sind wir bei einem Thema, das allen, die in dieser Branche tätig sind, nicht ganz leicht fällt, weil wir ja immer auch auf Sponsoring angewiesen waren, gerade bei den Orchesterkonzerten. So hat uns die Aventis Foundation über Jahrzehnte großzügig bedacht, auch die Taunus-Sparkasse. Natürlich freuen wir uns auch über Nachwuchs, besonders bei den Bässen. Aber so geht es anderen auch, und wir müssen mit dem klarkommen, was wir haben. Was die Bandbreite betrifft, so sind wir fest entschlossen weiterzumachen. „Um die Welt, durch die Zeit“ ist eigentlich auch ein Motto für die Zukunft.

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