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Engstelle: Das Löschfahrzeug passt nur dank der Spezialreifen durch das Tor der Halle.

Neuer Standort kommt

Feuerwehrhaus Eppenhain: Zu eng, zu flach, zu muffig

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Die Feuerwehr im kleinsten Stadtteil muss eine neue Unterkunft bekommen. Warum? Das haben wir uns mal angeschaut.

Eppenhain - Für das Kreisblatt gibt Harald Prokasky eine kleine Vorstellung. Gleich hinter dem Löschfahrzeug zieht er sich die Einsatzklamotten an, samt der schweren Stiefel. Zum Wagen bleibt höchstens ein Meter. Kaum vorstellbar, das bei einem Einsatz in Windeseile zu tun – womöglich noch dazu, wenn das Fahrzeug bei laufendem Motor startbereit ist. „Das darf nicht sein. Gesundheitsfördernd ist das nicht“, weiß der Wehrführer der Eppenhainer Feuerwehr längst. Noch gibt es keine Alternative. Bei ihren 25 Einsätzen 2018, in den Jahren zuvor waren es teilweise mehr als 40, mussten sich die Brandschützer genau auf diese komplizierte Art und Weise umziehen.

Das Feuerwehrhaus in Kelkheims kleinstem Stadtteil – es ist ein Sanierungsfall. Mehr noch: Es gleicht fast einer Bruchbude, ohne den Helfern im Ort nahe treten zu wollen. Davon hat sich das Kreisblatt bei einem Rundgang mit Prokasky ein Bild gemacht. Die kleine Tour durchs kleine Haus startet dort, wo die Welt noch in Ordnung scheint: im Mannschaftsraum im Obergeschoss, der 1988 auf das 1970 errichtete Gebäude aufgesetzt wurde. Okay, die Bestuhlung hat einen etwas älteren Charme, aber sonst schaut das alles in Ordnung aus. Laut Prokasky entspricht der Raum aber nicht der Norm, „er müsste größer sein“. Zudem fehle ein eigener Bereich für die Jugendfeuerwehr mit ihren derzeit neun Mitgliedern, und die „Minilöscher“, bei denen immerhin 13 Kinder mitmachen. In der Einsatzabteilung sind 26 Helfer aktiv. Der Feuerwehrverein, dessen Chef Prokasky auch ist, hat rund 200 Mitglieder.

Nur mit Spezialreifen

Der Gang in den Keller offenbart noch viel größere Defizite. Überall werden Ecken als Lagerflächen gebraucht. Das Büro wiederum darf laut TÜV gar nicht mehr genutzt werden. Dort riecht es tatsächlich ziemlich muffig, Feuchtigkeit hat sich gebildet. Und der Notausgang durch das Fenster endet im Vorgarten auf einem hohen Absatz.

Das große Sorgenkind ist allerdings das eigentliche Herzstück jeder Feuerwehr: die Fahrzeughalle. Sie sei vor allem nicht hoch genug, betont Prokasky. Schon als 2002 das neue Löschfahrzeug kam, musste es mit sogenannten Niederquerschnittsreifen ausgestattet werden, damit es noch durch das Tor passt. 2026 soll ein neuer Wagen kommen, der noch höher ist. Bis dahin will Prokasky mit seinem Team aber längst umgezogen sein. Die Politik hat einen Neubau am Ortseingang jetzt auf den Weg gebracht (siehe Text rechts). Der Wehrführer hofft, vielleicht schon vor Weihnachten 2020 umgezogen zu sein. Mit der künftigen Fläche gegenüber der Alten Schule könne die Mannschaft gut leben. Auch wenn der Weg für die Kinder aus der Ortsmitte dann etwas weiter sei.

Im neuen Haus gibt es dann auch überall warmes Wasser. „Ich möchte mir nach dem Einsatz endlich mal warm die Hände waschen können“, nennt Prokasky ein weiteres Dilemma. Duschen fehlen komplett, ebenso wie die Umkleiden. Das passiert in der Fahrzeughalle, in der auch die alte Feuerwehrspritze von 1832 steht. Die funktioniert sogar noch. „Wir schauen, dass wir ein schönes Plätzchen für das Schmuckstück bekommen“, hofft Prokasky.

Risse, Blasen, Platznot

Von zum Teil bröckelnden Fliesen mit dem Charme der 70er-Jahre in der Toilette einmal abgesehen, gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Mängel, die natürlich bei den Überprüfungen alle fünf Jahre schon aufgefallen sind. Die Risse und die Blasen unter der Dachpappe vielleicht weniger. Aber offensichtlich ist das Parkplatz-Problem. Nur vier Autos können auf dem rund 600 Quadratmeter großen Grundstück stehen. Die anderen Helfer müssen an den Straßen drumherum parken. Bei einem Einsatz am 30. Dezember hätten alle „kreuz und quer“ gestanden, erinnert sich der Wehrführer, dessen Wahl demnächst wieder ansteht. Kurzum: Auf dem Areal „An der Winkelheck“ ist es viel zu klein, eine Erweiterung in den Fels hinein zu aufwendig. Und so hoffen Prokasky und seine Kameraden, dass es nun zügig voran geht mit einem Neubau. Denn Bedarf sei schon vor zehn Jahren angemeldet worden.

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