Im Finale „nicht nervös werden“

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Schuldezernent Wolfgang Kollmeier redet zum Pleiten- und Pannen-Bau Klartext. Eine undichte Fuge hat zuletzt noch einige Mehrarbeit verursacht.

Der Bauausschuss des Kreises hat die überplanmäßigen Ausgaben für den Bau der Rossert-Schule bei nur einer Enthaltung genehmigt. Wie berichtet, muss der Kreis noch mal 450 000 Euro zuschießen, weil verschiedene Gewerke (Außenanlagen, Rohbau und Innen-/Außenputz) teurer werden sowie noch Planungs- und Gutachterkosten einkalkuliert werden müssen. Der Kreistag muss diese Summe am 9. März noch beschließen. Damit würden die Kosten auf rund 9,5 Millionen Euro klettern. In einer ersten Schätzung vor vier Jahren lag der Betrag bei 7,45 Millionen.

Deshalb aber den Bau mit dem Berliner Flughafen zu vergleichen, das findet Wolfgang Kollmeier, Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent, doch etwas weit hergeholt. Die Kostensteigerung liege bei unter 30 Prozent, im Fall des Airports sei es ein dreistelliger Prozentbereich, redet er im Gespräch mit dem Kreisblatt Klartext. Zumal Kollmeier fest damit rechnet, nach den vielen Fehlern am Bau über den Rechtsweg noch einen erheblichen Betrag zurückzubekommen. „2 Millionen minus X“ ist seine Rechnung – wobei das X schon im sechsstelligen Bereich liegen sollte, wie er durchblicken lässt. „Wir werden sicher nicht bei Null landen, so blauäugig bin ich nicht.“

Worte, die im Fall der Rossert-Schule typisch sind für Kollmeier. Selbst Grünen-Chef Albrecht Kündiger, der den Vergleich mit Berlin gerne wählt, bescheinigt dem Kreisbeigeordneten viel Transparenz in der Sache. Auch beim Besuch des Kreisblatts redet der CDU-Mann nicht um den heißen Brei herum. Er werde sein Versprechen halten, und den Eltern vor Fertigstellung der Schule eine „umfangreiche Raumluftuntersuchung“ vorlegen: „Wir haben alles gemacht, um den Schimmel zu beseitigen. Ich bin guten Mutes, dass die Kinder dort unbedenklich unterrichtet werden können.“ Wie berichtet, hatte die Schulgemeinde ein neues Gutachten von Kollmeier gefordert. Es ergebe nur keinen Sinn, es aktuell zu machen, wenn im Haus noch gearbeitet und bestimmte Bereiche trocknen müssten. Daher werde es die Untersuchung kurz vor Einzug geben.

Nach der deutlichen Kritik von Schulleiterin Dorothee Mohr, die im Kreisblatt unter anderem fehlende Kommunikation bemängelt hatte, mahnt Kollmeier, „im Endspurt nicht zu nervös zu werden und in der Zielphase gelassen zu sein“. Auch der Kreis werde „nach wie vor die Ruhe bewahren“, stehe ständig in Kontakt mit der Schule und biete Möglichkeiten, sich zu informieren. So sei die Leitung stets zu den Sitzungen der Ausschüsse eingeladen gewesen. Auch sei gefragt worden, welche Farbe die Wand haben oder welcher Art der Fußboden sein soll – im Kostenrahmen, betont Kollmeier. „Wir meinen es jetzt wirklich ernst“, betont er – bittet aber um Verständnis, dass noch kein endgültiger Eröffnungstermin genannt werden kann. Die Endreinigung ist jetzt geplant, es folgen die TÜV-Abnahmen. Nach den Osterferien, also Ende April, soll es soweit sein.

Noch in den vergangenen Wochen hatte das Bauamt an der neuen Schule mit neuen Problemen zu kämpfen. In dem in den Hang gebauten Haus sei im Vorjahr eine Bauwerksfuge undicht gewesen, durch die das Wasser zumindest stellenweise eindringen konnte, sagt Kollmeier. Mit Hilfe einer Verpressung sollte die Fuge dicht gemacht – doch dabei stellten die Bauexperten fest, dass sogar Teile der Wand löchrig waren. Mit solchen Unwägbarkeiten, die rund 55 000 Euro mehr kosten, könne keiner rechnen, sagt Kollmeier. „Wir werden das rechtlich prüfen und auch durchsetzen wollen.“ Nach diesem aktuellen Vorfall vor einigen Monaten gebe es aber „keine Bauschimmel-Problematik mehr“.

Der Berlin-Vergleich hinkt für Kollmeier auch beim Zeitplan. Etwa zwei Jahre sei der Kreis im Verzug, beim Flughafen wird mit sechs Jahren gerechnet. Zudem habe dort die Baustelle lange geruht, in Ruppertshain hingegen „haben wir sie nie eine lange Zeit verwaisen lassen“. Doch habe sich nach der Kündigung von Architekt und Bauleitung aus München das neue Team erst einarbeiten müssen. Nicht nur hier sei das Krisenmanagement im Kreishaus – mit Bauamt, Rechtsamt und Gesundheitsamt – gefragt gewesen. Das Team für die Schule wurde verstärkt, aber der Kreis könne den Handwerkern nicht von 8 bis 17 Uhr über die Schulter schauen. Kollmeiers Fazit vorm Finale: „Wir gehen ein Stück weit in die Geschichte ein, aber am Ende bleibt hoffentlich die neue Schule im Gedächtnis und nicht der Weg dorthin. Wir haben Lehrgeld bezahlt, können aber daraus lernen.“

Gespräch erwünscht

Elternbeirat und Schulkonferenz haben sich unterdessen getroffen und über das weitere Vorgehen gesprochen. Sie erhoffen sich nun ein Gespräch mit Kollmeier und Landrat Michael Cyriax, in dem offenen Fragen thematisiert werden können, sagt Schulleiterin Dorothee Mohr. Ein Schimmelgutachten ist ihnen wie vor sehr wichtig.

(wein)

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