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Bernd Blisch, Flörsheimer Bürgermeister.

Flörsheim

Flörsheim ist endlich aus den roten Zahlen

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Ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat Bürgermeister Bernd Blisch (CDU) seinen ersten Haushalt vorgelegt. Der ist mit 600 000 Euro im Plus. Für Flörsheim ist das alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Lange Jahre ist Flörsheim nicht zur Ruhe gekommen. Als Kommune mit der größten Fluglärmbelastung machte die Stadt deutschlandweit Schlagzeilen. Nach dem Bau der Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens verkauften Hausbesitzer reihenweise ihre Immobilien, weil sie um hohe Wertverluste fürchteten. Auf vielfältige Weise haben Stadt und Bürgerinitiativen versucht, juristisch gegen den Krach der im Minutentakt über die Wohngebiete donnernden Jets vorzugehen. Erfolg hatten sie keinen.

Gewaltig gebrodelt hat es auch in der Flörsheimer Kommunalpolitik. SPD-Bürgermeister Michael Antenbrink stand seit den Kommunalwahlen 2016 einem Bündnis aus CDU, Grüner Alternativer Liste Flörsheim (Galf), FDP und Freien Bürgern gegenüber. Die vier Fraktionen setzten alles daran, den sozialdemokratischen Verwaltungschef, der ihnen zu dominant erschien, loszuwerden. Parlamentssitzungen gerieten regelmäßig zu Schlammschlachten. Wichtige Entscheidungen blieben auf der Strecke. Weil der Rathauschef und sein Kämmerer Sven Heß (Galf) nicht unbedingt an einem Strang zogen, waren die Haushalte chronisch defizitär. Der Etat für 2019 wurde so spät eingebracht, dass erst im Spätsommer dieses Jahres die Haushaltssperre aufgehoben werden konnte.

Nun sind offenbar neue Zeiten in Flörsheim angebrochen. Michael Antenbrink hat bei der Bürgermeisterwahl 2018 eine herbe Niederlage erlitten. Neuer Rathauschef wurde Bernd Blisch (CDU). Im Wahlkampf hatten ihn CDU, Grüne, FDP und Freie Bürger unterstützt. Blisch ist seit exakt einem Jahr im Amt und hat gestern Abend seinen ersten Haushalt im Parlament vorgelegt. Bei einem Gesamtvolumen von rund 50 Millionen Euro ist der Flörsheimer Etat für 2020 mit mehr als 600 000 Euro erstmals wieder im Plus. Eingeplant sind Investitionen in Höhe von 6,5 Millionen Euro. Das Geld soll unter anderem in die Kinderbetreuung fließen, in die Sanierung des Alten Rathauses und für Arbeiten an der Mainuferpromenade verwendet werden. Er habe alles daran gesetzt, das Zahlenwerk so zeitgerecht vorzulegen, dass der Haushalt für 2020 noch in diesem Jahr verabschiedet werden könne und die Stadtverordnetenversammlung kein „Streichkonzert“ veranstalten müsse, sagte Blisch gestern im Parlament.

Wo die Finanzmittel herkommen, die offenbar in der Vergangenheit fehlten? Blisch nannte als Beispiel das Regionallastenausgleichsgesetz, das für Flörsheim seit 2017 pro Jahr 370 000 Euro bereithalte. Anders als in der Vergangenheit würden die Gelder nun abgerufen. Auch andere Möglichkeiten, Fördermittel zu bekommen, habe man geprüft. Das sei allemal besser, als den Bürgern in die Tasche zu greifen und die Grundsteuer zu erhöhen, um ein Defizit auszugleichen.

Die vier Fraktionen, die den Christdemokraten im Wahlkampf unterstützt haben, stärken ihm auch weiterhin politisch den Rücken. Einzig die FDP ist aus dem Bündnis ausgestiegen. Das Klima in der Flörsheimer Kommunalpolitik sei deutlich entspannter, bilanziert Blisch. Mit Renate Mohr (Galf), die im Sommer auf Sven Heß als Erste Stadträtin folgte, arbeite er gut zusammen. Mit der SPD hingegen, die als stimmenstärkste Fraktion auf der Oppositionsbank sitzt, gäbe es auch mal Konfliktlinien. „Das lässt sich nicht vermeiden. Ich bin nicht nur harmoniesüchtig.“

Im Bürgermeisterwahlkampf hat sich Bernd Blisch, der in Flörsheim aufgewachsen ist und lange Jahre Kulturamtsleiter im Rathaus war, ehe er kommissarischer Direktor des Wiesbadener Stadtmuseums wurde, stets als „Kommunikator“ inszeniert. Diesem Bild versucht er auch im Alltag als Verwaltungschef gerecht zu werden. Seien es Bürger, die um die Finanzierung der Flörsheimer Kerb fürchten, Altstadtbewohner, denen die LED-Straßenbeleuchtung zu hell ist, oder Hausbesitzer, die das Halteverbot in ihrer Straße abschaffen wollen – er empfängt sie alle. In den ersten Monaten sei ihm die Terminflut an manchen Tagen fast zu viel geworden, räumt der 56-Jährige ein. „Ich habe in der Tat überschätzt, dass man sich als Bürgermeister im Stundentakt mit immer neuen Themen beschäftigen muss.“

Der Fluglärm steht heute in Flörsheim nicht mehr im Mittelpunkt. Grundsatzdebatten werden vor allem über die Zukunft des ehemaligen Marienkrankenhauses geführt und über den Wohnungsbau. Flächen für Neubaugebiete gibt es in den Stadtteilen. Die Flörsheimer Kernstadt liegt größtenteils in der Siedlungsbeschränkungszone des Flughafens. Ein Stadtentwicklungskonzept, dessen Erstellung das Parlament gestern beschlossen hat, soll den weiteren Weg vorgeben.

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