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Mazieullah (17), Max (17) und Denis (17) (von links) treffen sich an diesem Donnstagabend am Bahnhof in Flörsheim auf der Treppe zwischen Höllweg und Wickererstraße.

Politik muss handeln

In Flörsheim wird Konflikt zwischen Anwohnern und Jugendlichen zu einem großen Problem

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Anwohner beschweren sich über zu laute Jugendliche. Die jungen Leute beschweren sich, ständig vertrieben zu werden – wie zuletzt aus dem Christian-Georg-Schütz-Park. Die Stadt sucht nach einem Weg aus dem Dilemma.

Flörsheim - Die Jugend ist genervt von der Polizei. „Dauernd werden wir von Polizisten kontrolliert, manchmal zwei Mal in einer Stunde“, sagt Max. Er ist 17 und „chillt“ an einem Donnerstag gegen 22 Uhr mit Freunden in der Nähe des Bahnhofs. Früher seien die Kumpels öfter im „Schneckenpark“ gewesen, so nennen Jugendliche den Christian-Georg-Schütz-Park. Die Polizei hätte ihnen das aber vermiest. Nicht nur Max und seine Freunden klagen über die vielen Kontrollen. Auch der 15-jährige Ben und der 14-jährige Sotirios erzählen davon: „Einmal waren wir in der Gruppe unterwegs. Da hat es eine halbe Stunde gedauert, bis die Polizei von allen die Personalien kontrolliert hatte. So was nervt.“ Auch er war mit seinen Freunden früher oft im „Schneckenpark“, doch nicht nur wegen der Polizei gingen sie da nicht mehr hin. „Da trinken die anderen auch zu viel Alkohol oder rauchen Gras. Damit wollen wir nichts zu tun haben.“

Wie oft die Beamten Jugendliche kontrollieren, und ob die Kontrollen zugenommen haben, kann die Polizei nicht sagen. „Wenn keine Besonderheiten festgestellt wurden, werden die Kontrollen nicht dokumentiert“, sagt Polizeisprecher Johannes Neumann. Deshalb gebe es keine Zahlengrundlage.

Schlägerei im Schneckenpark im Februar

Dass aber der „Schneckenpark“ stärker in den Fokus gerückt ist, bestätigt Neumann wiederum. Anlass ist ein Vorfall im Februar: Damals war die Polizei wegen einer Schlägerei in den Park gerufen wurden. Als die Beamten einen Platzverweis aussprachen, griff ein Jugendlicher die Beamten verbal und physisch an. Kurz darauf wurde zudem die Heckscheibe eines Streifenwagens eingeschlagen. „Das Gros der Kontrollen erfolgt aber wegen Anwohnerbeschwerden“, sagt der Polizeisprecher. Auch habe man früher schon am Konrad-Adenauer-Ufer oder auf dem „Alten Friedhof“ verstärkt kontrolliert.

Laut Markus Singer von der Mobilen Beratung, die sich um die Jugendarbeit in Flörsheim kümmert, führe das dazu, dass Jugendliche von einem Ort zum nächsten getrieben werden. Dabei betont er, dass sich die Anwohner am Christian-Georg-Schütz-Park zu Recht beschweren, wenn die Jugendlichen nachts so laut sind. Zwar sei das Angebot für junge Erwachsene in Flörsheim nicht schlecht. In jedem Stadtteil gibt es etwa einen Jugendtreff. „Doch Jugendliche wünschen und suchen sich erwachsenenfreie Räume“, sagt Singer.

Bahnhof Flörsheim: Es braucht einen Ort für Jugendliche

Auch Max vom Bahnhof meint, die Stadt brauche eine Hütte, die die Jugendlichen selbst verwalten und „wo man nicht ständig mit den Nachbarn Ärger bekommt“. Manchmal wolle man etwas lauter sein. Wie Singer sagt, sollte dafür ein passender Ort gefunden werden. Der sollte zentral gelegen sein. Jugendlichen gehe es ja auch ums Gesehenwerden. Gleichzeitig müsste der Ort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein. Dass sich junge Leute häufig im Christian-Georg-Schütz-Park getroffen haben, habe eben daran gelegen, dass er in der Nähe des Bahnhofs liegt, also gut angebunden ist – egal aus welcher Richtung die Jugendlichen kommen. Nur sei der Platz eben schwierig, weil direkt an dem Park viele Wohnungen liegen. Ähnlich sei es an den Kolonnaden, sagt Singer. Auch dort gebe es Konflikte mit den Gewerbetreibenden und am Mainufer mit denen, die ihre Hunde ausführen.

Die Mobile Beratung geht daher auf die Jugendlichen zu, versucht ihnen klar zu machen, dass sie auf andere Rücksicht nehmen müssen, wenn sie ihre Räume erhalten wollen. „Andererseits gehört es zur Sozialisierung, auch mal über die Strenge zu schlagen“, sagt Singer.

Konflikt in Flörsheim: Politik sucht Lösung

Im Rathaus ist man sich des Problems bewusst. Im Haushalt seien bereits Mittel bereit gestellt für sogenannte „Lümmelbänke“, sagt Bürgermeister Bernd Blisch (CDU). Einen passenden Ort suche Singer gerade. Auch sollen mit Hilfe des Schülerbeirats Gespräche zwischen Jugendlichen und der Polizei geführt werden. „Eine Stimmung à la Jugendliche gegen Polizei soll gar nicht erst aufkommen“, sagt Blisch.

Schon unmittelbar nach der Auseinandersetzung im Schneckenpark suchte der Bürgermeister das Gespräch mit drei Jugendlichen, um ihre Sicht und Wünsche kennenzulernen. Einer der jungen Männer war Max. Er hat den Bürgermeister aber nie zurückgerufen.

von Friedrich Reinhardt

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