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Auf diesem bislang provisorischen Parkplatz an der Erzbergerstraße sollen Wohnungen gebaut werden. Das Areal gehört der Stadt.

Kritik an der Stadt

Bauträger fühlt sich vom Rathauschef übergangen

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Weil er sich von Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) ausgebootet sieht, kritisiert ein Architekt und Investor die Vorgehensweise der Stadt bei einem Grundstücksgeschäft. Zudem behauptet er, mehr Geld als die Konkurrenz für das Areal geboten zu haben.

Es gehört zu den juristischen Merkwürdigkeiten in der Bundesrepublik, dass manche Grundstücksgeschäfte von den Kommunen ohne Ausschreibung oder ähnliche Verfahren durchgeführt werden können. Das hat auch seinen Sinn, denn schließlich muss nicht jedes Areal deutschland- oder gar europaweit ausgeschrieben werden, um einen Käufer zu finden. Da wäre wohl manches Mal das Prozedere aufwendig und teuer, aber nicht praktikabel. Dass bei diesen Geschäften alles mit rechten Dingen zugeht, setzen Verwaltungsjuristen wohl voraus. Denn schließlich ist meist noch der Magistrat oder gar dazu noch die Stadtverordnetenversammlung sozusagen als Kontrollorgan mit den Verkäufen befasst. Dass eine Ausschreibung oder eine Vergabe nach dem Bieterverfahren unter dem Motto „Wer am meisten zahlt, bekommt den Zuschlag“ sinnvoll sein kann, ist unbestritten. Denn damit würde nicht immer der Investor oder Bauträger mit der besten Idee den Zuschlag erhalten. So wäre es also vermessen zu sagen, der Verkauf von städtischen Grundstücken sei eine einfache Angelegenheit.

So denkt wohl auch Sezaj Cifci. Der Architekt und Firmeninhaber ist sauer darüber, dass er für das städtische Grundstück Erzberger Straße 5 und 7 mit 430 Euro pro Quadratmeter ein Kaufangebot abgegeben hat, aber nicht zum Zuge kommen soll. Denn obwohl ein Konkurrent nur 380 Euro pro Quadratmeter zahle und er zudem – so erklärt Sezaj Cifci im Gespräch mit dem Kreisblatt – für die Bebauungsart in der Erzbergerstraße das bessere Konzept vorweisen könne. Rund 80 000 Euro würde er jedenfalls mehr in die Stadtkasse zahlen als der von Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) ausgewählte Investor, das Unternehmen Weiß aus Hofheim.

Der Flörsheimer Bauträger, der nach eigenen Angaben seit über 20 Jahren im Rhein-Main-Gebiet Wohnhäuser vermarktet, nennt zwei weitere Kritikpunkte, die nichts mit der Kaufsumme zu tun haben: „Die Häuser an der Erzbergerstraße stehen direkt am Bürgersteig und bilden eine geschlossene Front. Das habe ich bei den Planungen für die zwei Häuser berücksichtigt.“ Der Entwurf, der vom Bürgermeister für die Neubebauung vorgestellt wurde, sieht dagegen eine Bebauung vor, die sich von der Straße etliche Meter zurückzieht und wie ein Querriegel gegenüber der Kultur-Scheune, beziehungsweise dem neuen Schützenhof, aufgestellt ist. Diese Art der Bebauung passe nicht zum Charakter der Erzbergerstraße, meint Sezaj Cifci. Der Architekt ist davon überzeugt, dass sein Entwurf besser in die Innenstadt passt. Seine Planungen sehen den Bau von zwei Häusern vor, von denen sich eines an den Nachbarhäusern orientiert und wie bisher die Fassadenfront in der Erzbergerstraße schließt. In dem Gebäude mit zwei Vollgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss könnten vier Wohnungen in den Stockwerken sowie im Erdgeschoss eine Gewerbeeinheit untergebracht werden. Das zweite Gebäude erstreckt sich in Richtung neuer Schützenhof und würde mit drei Vollgeschossen plus ausgebautem Dachgeschoss errichtet. 14 Wohnungen, jeweils zwischen 60 und 90 Quadratmeter groß, könnten dort entstehen. „Wir würden zusichern, vier oder fünf Sozialwohnungen dort anzubieten. Das gibt es bei dem jetzt vom Bürgermeiser vorgestellten Entwurf ja nicht“, erläuterte Sezaj Cifc. Dabei würden doch dringend Sozialwohnungen benötigt, dies sei doch zurzeit überall ein Thema. Zudem sei im Bebauungsplan für das Areal zwischen Bahnhof-, Wickerer- sowie Erzbergerstraße eine Grünfläche vorgesehen. Mit der nun vorgestellten Präsentation der geplanten Freifläche hätten diese Planungen aber nichts mehr gemein. Vorgesehen seien Platten, die auf der Freifläche verlegt werden sollten.

Bürgermeister Antenbrink wollte auf Anfrage des Kreisblatts zu der Kritik von Sezaj Cifc keine Erklärung abgeben. Der Rathauschef erklärte nur, dass für das Grundstück Erzberger Straße 5 und 7 keine Ausschreibung erfolgen müsse. Das Unternehmen Weiß, das er favorisiere, sei ein absolut seriöses Unternehmen, das schon lange auf dem Markt sei.

(meh)

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