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Der Töpferpreis 2018 ging an Ursula Dohrmann.

Töpfermeile

Beim Töpfermarkt konnten die Besucher ihr blaues Wunder erleben

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Am Wochenende verwandelte der Verein Keramik Hessen die Altstadt in eine abwechslungsreiche Töpfermeile.

„Darf man auch reservieren?“, erkundigte sich eine Frau am Stand der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) vor dem Galluszentrum. Die Marktbesucherin hatte eine ganz bestimmte Tonschale ins Visier genommen, die sie später mitnehmen wollte. Kein Problem bei der KAB: Vereinschef Engelbert Kohl gab der Dame einen gelben Zettel, mit dem sie das zurückgelegte Gefäß abholen konnte.

Reservierungen waren allerdings nicht die eigentliche Besonderheit an der Theke der Katholiken. Die KAB verköstigte Kunden für einen guten Zweck. Seit Jahren schenkt die Arbeitnehmerbewegung selbst gekochte Kartoffelsuppe in Schalen aus, die von den Teilnehmern des Töpfermarktes gespendet werden. Käufer erwerben die Gefäße samt Inhalt und unterstützen damit ein Straßenkinderprojekt in Kolumbien. Und natürlich soll’s auch schmecken: „Ich komme jedes Jahr extra wegen der Suppe“, erklärte die Kundin mit dem reservierten Schälchen.

Das Projekt trägt den Namen „Empty Bowls“ – zu deutsch: Leere Schalen. Und die sollen in Flörsheim nicht nur für die Besucher des Töpfermarktes gefüllt werden, sondern anschließend auch für die Empfänger der Spendengelder in Südamerika. KAB-Chef Engelbert Kohl berichtete, dass manche Töpfer fünf oder mehr Schalen beitragen. Im Jahr 2017 habe die KAB 173 Suppenschalen verkauft und rund 3200 Euro für das Hilfsprojekt eingenommen. Kohl hofft, dass die Abrechnung in diesem Jahr ähnlich gut aussieht.

In 13 Jahren habe der katholische Verein schon 35 000 Euro auf dem Töpfermarkt eingenommen. Das Suppenrezept verdanken die Spendensammler übrigens Mitstreiterin Gisela Schleidt. Die Flörsheimerin hat die Zubereitung im Lauf der Jahre an Kundenwünsche angepasst. So wird die Suppe mittlerweile vegan gekocht.

Wer früh am KAB-Stand vorbeischaute, hatte noch die volle Auswahl zwischen bunt gemischten Schalen verschiedener Töpfer. Suppenschälchen waren aber bei weitem nicht die einzige interessante Keramik, die sich in der Flörsheimer Altstadt entdecken ließ. An insgesamt 47 Ständen präsentierten die Kunsthandwerker beispielsweise tönerne Katzen, Raben oder Hexen. Wer an Namensschildern, Spardosen und Saftpressen vorbei lief, konnte den Eindruck gewinnen, dass es wenig gibt, was sich nicht aus Ton fertigen lässt.

Und dann war da noch die jährliche Ausstellung in der Alten Kirchschule: Besucher konnten in diesem Jahr ihr „blaues Wunder“ erleben. So lautete der Titel des Beitrags von Elisabeth Reuter. Die Keramikerin hatte Wassertiere wie Fische und Pinguine in eine Säule eingearbeitet, bei deren Gestaltung blaue Formen überwogen. Die Farbe stand im Mittelpunkt der Ausstellung „Blaue Stunde“.

Der Keramikerpreis, den eine Jury unter allen Ausstellungsteilnehmern vergibt, ging an Ursula Dohrmann – eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung. Die Kunsthandwerkerin aus Müs bei Fulda gab ihrem Beitrag den Namen „minütlich blauer“. Das Werk bestand aus sechzig kleinen Bechern, die mit einer wachsenden Anzahl blauer Striche verziert waren. Die Gefäße sollten die Minuten einer Stunde symbolisieren.

„Für mich ist die blaue Stunde nach Feierabend, wenn die Gedanken durch den Äther ziehen“, erläuterte Ursula Dohrmann, die von Beginn an mit ihrem Stand auf Flörsheimer Töpfermarkt vertreten ist. Die Wahl des Ausstellungsthemas erklärte sie mit der besonderen Bedeutung der Farbe blau im Töpferhandwerk. Nicht alle Farben seien für die hohen Temperaturen beim Brennen des Tons geeignet. Kupfergrün und Kobaltblau seien beliebte Farben, weil diese sich im Ofen nicht verändern.

(sas)

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