Kontrollaktion

Chaos im Transporter kann teuer werden

Auf Sprinter und Kleintransporter haben die Behörden ihr besonderes Interesse gerichtet bei den Kontrollen. Dabei wird auch genau geschaut, ob die Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten.

„Wenn die Pakete kreuz und quer auf der Ladefläche liegen, muss man sich nicht wundern, wenn da was kaputt ankommt“, meint Marco Dienst. Doch in erster Linie geht es dem stellvertretenden Leiter des Straßenverkehrsamts im Main-Taunus-Kreis um einen anderen Aspekt: „Wir achten auf die Ladungssicherung von Fahrzeugen. Gerade die Innenräume von Kleintransportern sehen häufig so aus, wie wir es nicht gerne haben.“ Ein Alarmsignal für ihn ist immer, wenn Gefahrgut, zum Beispiel brennbare oder ätzende Flüssigkeiten, ungesichert transportiert wird. Daher führt das Amt etwa viermal jährlich entsprechende Kontrollen bei Kleinlastern durch; für die letzte in diesem Jahr wurde die Mainbrücke der B519 zwischen Rüsselsheim und Flörsheim ausgesucht.

Unterstützt wird das Straßenverkehrsamt dabei durch Mitarbeiter der Ordnungsbehörde der Stadt Eschborn, die Experten im Bereich Gefahrgut und Ladungssicherung sind. „Außerdem begleiten zwei Kollegen der Autobahnpolizei Wiesbaden diese Maßnahme, denn wir müssen ja in den fließenden Verkehr eingreifen und gezielt

Fahrzeuge rauswinken

“, erläutert Dienst. Auf der Mainbrücke sollen es in erster Linie Sprinter, Kleintransporter und mittelgroße Lkw sein. „Dabei wird auch der technische Zustand des Fahrzeugs kontrolliert, beispielsweise ob die Reifen abgefahren sind und auf die Fahrtüchtigkeit des Fahrers geachtet. Außerdem geht es natürlich um die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten.“

Generell entscheiden allerdings die Polizisten darüber, welche Fahrzeuge nach welchen Kriterien überprüft werden. Und das zu Recht, denn das geschulte Auge von Polizeioberkommissar Christian Wetter erkennt selbst gegen die gleißend-helle Sonne von weitem schon das markante Gelb des DHL-Wagens, der auf sein Handzeichen hin in die Haltebucht einfährt. Nach der Kontrolle der Papiere wird die Ladefläche inspiziert, doch die ist noch leer, eine Sperrstange sichert ordnungsgemäß die Trolleys. Bei dem nächsten Kleintransporter muss der Fahrer jedoch die Steine, die er auf der offenen Ladefläche transportiert, direkt vor Ort besser sichern. Die entsprechenden Spanngurte hat er sogar dabei, daher allgemeines Kopfschütteln bei den Experten. Immerhin kostet ihn dieser Verstoß 60 Euro und einen Punkt.

Während der Fahrer sich also abmüht, hat Wetter bereits die Lenk- und Ruhezeiten aus dem digitalen Kontrollgerät und der Fahrerkarte ausgelesen: „Daran sehen wir, ob er seine Pausen einhält und genügend Ruhezeiten zwischen den Fahrten macht. Aber diesbezüglich ist alles okay.“ Richtig ran muss auch ein weiterer Paketdienstfahrer, denn in seinem Laderaum sind etliche Kisten und auch zwei neue Autoreifen wie Kraut und Rüben verteilt. Nun spielt er also ein wenig Tetris, rückt und stapelt die Pakete, natürlich begleitet von schlauen Kommentaren der Umstehenden, doch ruckzuck ist alles ordentlich geschichtet und mit einem Netz gesichert. Große Augen gibt es auch beim nächsten Sprinter, der kontrolliert wird: Er hat frische Schaumküsse geladen, und der Duft dringt sogar durch die Pakete. Alle hätten nichts dagegen, wenn ein Karton hier bleiben würde, aber der Fahrer darf natürlich mit kompletter Ladung weiterfahren.

Rrrummms macht es plötzlich direkt nebenan, gefolgt von einem hässlich schleifenden Geräusch. Eine ältere Autofahrerin hat einen der rot-weiß-gestreiften Lübecker Hüte, mit denen die Fahrbahn verengt wurde, mit ordentlichem Tempo einfach überfahren. Immerhin bemerkt sie ihr Missgeschick sofort und hält an, mit vereinten Kräften kann der Hut, der sich unter ihrem Fahrzeug verklemmt hat, einigermaßen unversehrt hervorgeholt werden.

„Ich bin jetzt seit 40 Jahren dabei und könnte ein Buch schreiben“, lacht Polizeioberkommissar Gregor Gombel. Mit Lkw und Bussen kennt er sich gut aus und weiß um die Gefahren von zu geringem Abstand und zu hoher Geschwindigkeit: „Dies sind die beiden Hauptursachen für Unfälle, die oftmals schlimm enden.“ Heute läuft zum Glück alles glimpflich ab, und es gibt keine gravierenden Verstöße, so dass Marco Dienst eine zufriedenstellende Bilanz ziehen kann: Insgesamt wurden 20 Fahrzeuge kontrolliert, davon hatten zwei – mit geringfügigen Beanstandungen – Gefahrgut geladen. Vier Fahrzeughalter hatten ihre Ladung unzureichend gesichert, zwei hatten gegen die Lenk- und Ruhezeiten verstoßen. Zudem sprach die Polizei einige mündliche Verwarnungen aus.

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