Ruhestand

Ehepaar verabschiedet sich nach 37 Jahren vom Wochenmarkt

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Das Ehepaar aus Bauschheim gehörte vor 37 Jahren mit zu den Landwirten, die einen dritten Anlauf für einen Wochenmarkt in der Altstadt wagten. Nun geben sie aus Altersgründen ihren Stand auf.

Kartoffeln, Salate und Karotten wechseln freitags vor der Galluskirche die Besitzer. Für die Käufer frischer regionaler Ware ist der Wochenmarkt in der Altstadt eine Institution. In der Anfangszeit fiel es allerdings gar nicht leicht, ein attraktives Angebot aufzubauen. Die Landwirte Eleonore und Dieter Hahn haben den Beginn des Flörsheimer Marktes erlebt. Der Startschuss im Jahr 1981 sei bereits der dritte Anlauf in der Mainstadt gewesen, erinnern sich die Marktbeschicker. Von da an konnte sich der Markttag auf dem Kirchplatz halten. Händler wie das Ehepaar Hahn trugen ihren Teil dazu bei. Die Mitbegründer hielten dem Wochenmarkt 37 Jahre lang die Treue. Nun verabschiedeten sie sich aus Altersgründen in den Ruhestand.

Künftig werden die Hahns ihr Gemüse nur noch für den privaten Gebrauch anbauen. Das Paar betreibt seine Landwirtschaft in Rüsselsheim-Bauschheim. Bevor sie vor 37 Jahren zusammen mit der Flörsheimer Verwaltung unter Bürgermeister Dieter Wolf (CDU) und zwei weiteren Landwirten den Grundstein für den Flörsheimer Wochenmarkt legten, verkauften sie ihre Waren bereits in Rüsselsheim und Raunheim. In Rüsselsheim zogen sie schon wesentlich früher den Schlussstrich: Dieter Hahn berichtet, dass er und seine Frau den Rüsselsheimer Marktstand im Jahr 2002 aufgaben. Damals habe die Nachfrage nachgelassen. Hahn kann sich vorstellen, dass Kurzarbeit bei Opel und Wegzüge eine Rolle spielten. Die Landwirte fanden in Sulzbach einen neuen Standplatz.

Bohnen, Spargel, Gurken und Kartoffeln gehörten zum Anbau der langjährigen Marktbeschicker. Obst hätten sie von außen dazu gekauft, erklären Eleonore und Dieter Hahn. Mit ihrem Sortiment standen sie 37 Jahre lang so gut wie jeden Freitag auf dem Kirchplatz in der Flörsheimer Altstadt – egal ob im Sommer oder im Winter. Nur bei besonders kalter Witterung seien sie zu Hause geblieben, erzählt Dieter Hahn. Dann sei es schwer gewesen, die Waren frostfrei zu halten.

Am Ende des vergangenen Monats zog sich das Ehepaar aus Flörsheim und Raunheim zurück. Den Markt in Sulzbach gaben sie schon vor anderthalb Jahren auf. Eleonore Hahn ist 62 Jahre alt, ihr Mann 66. Der Ruhestand kommt gepaart mit etwas Wehmut. Eleonore Hahn räumt ein, dass sie den Kontakt zur Kundschaft vermissen wird. „Zu 90 Prozent hatten wir es mit Stammkunden zu tun“, erklärt Dieter Hahn. Erster Stadtrat Sven Heß (Galf) und die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Kirsten Thürmer, überreichten den Bauschheimern als Dank einen Krug der Flörsheimer Fayence Fabrik.

Die Stadt weist darauf hin, dass sich das Marktangebot nach dem Weggang der Hahns nicht verkleinern wird. Der Bedarf werde zunächst durch zwei langjährige Standbetreiber abgedeckt.

Die Verwaltung will außerdem mit den Marktbeschickern abstimmen, ob ein Nachfolger zugelassen wird. Aus Sicht von Dieter Hahn ist die Zukunft kleiner Wochenmärkte kein leichtes Thema. Es gebe immer weniger junge Leute, die als Händler in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollen. Für ihren Stand in Raunheim sei kein Nachfolger gefunden worden. Große Märkte in Wiesbaden oder Mainz werde es noch lange geben, glaubt Dieter Hahn. Bei den kleineren sei er jedoch skeptisch.

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