Fluglärm in Flörsheim

Entschädigungen gibt es ab sofort auch für Fluglärm unter 65 Dezibel

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Wenn Flugzeuge bei Ostwetterlage über Flörsheim landen, kann die Grillfeier im Garten oder das Frühstück auf dem Balkon schnell zur stressigen Angelegenheit werden.

Wenn Flugzeuge bei Ostwetterlage über Flörsheim landen, kann die Grillfeier im Garten oder das Frühstück auf dem Balkon schnell zur stressigen Angelegenheit werden. Der Lärm schwillt dann im Minutentakt immer jeweils so stark an, dass normale Gespräche im Freien kaum möglich sind. Dafür steht den Betroffenen zumindest eine Entschädigung zu, die seit dieser Woche ausgezahlt wird. Fünf Jahre nachdem die Fluglärmschutzverordnung am 13. Oktober 2011 in Kraft getreten ist, werden die Entschädigungsansprüche für Beeinträchtigungen im sogenannten Außenwohnbereich erfüllt.

Lediglich für Eigentümer von Wohneinheiten, die mit mehr als 65 Dezibel Lärm belastet sind, bestand der Anspruch auf Entschädigung im Außenbereich bereits ab dem 21. Oktober 2011. Ab sofort können nun auch Immobilienbesitzer, deren Grundstücke mit weniger als 65 Dezibel überflogen werden, die Entschädigungszahlungen beanspruchen. Dies betrifft den Großteil von Flörsheim. Betroffene können den Antrag auf Entschädigung für den Außenbereich noch fünf Jahre lang beim Regierungspräsidium Darmstadt einreichen. Als Voraussetzung gilt, dass die Wohneinheiten in der Tagschutzzone 1 liegen und die Wohnräume – Häuser sowie Eigentumswohnungen – vor dem 13. Oktober 2011 erbaut wurden.

Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) berichtet, dass insgesamt bereits mehr als 1000 Anträge zur Außenbereichsentschädigung aus der Region vorliegen. Dies sei ihm von einem Fraport-Sprecher mitgeteilt worden. Der Verwaltungschef appelliert an die betroffenen Bürger, Anträge zu stellen. Antenbrink betont, dass es sich nicht um eine Kostenerstattung für bestimmte Maßnahmen handele, wie dies beim passiven Schallschutz der Fall ist. Für den Außenbereich gelte die Entschädigung ohne langwierige Prüfung im Vorfeld.

„Das Geld steht den Leuten zu“, bekräftigt Hans-Jakob Gall, Vorsitzender des Vereins „Für Flörsheim“, der sich gegen den Fluglärm engagiert. Gall betont, dass man die Entschädigung beantragen und „im Urlaub verprassen“ könne. Die Auszahlung müsse weder im Grundbuch eingetragen, noch versteuert werden. Es sei auch nicht notwendig, einen großen Garten als Außenbereich vorzuweisen. Die Entschädigungsleistung beginne ab einer Balkongröße von einem Quadratmeter, so Gall.

Bei der Umsetzung gelten Pauschalen: Eigentümer eines Einfamilienhauses erhalten 3700 Euro, Besitzer eines Zweifamilienhauses können mit 4400 Euro rechnen. Eine Eigentumswohnung soll mit einer Entschädigung in Höhe von 2220 Euro bedacht werden. Bei der Festsetzung wurden bestimmte Verkehrswerte zugrunde gelegt. Wer glaubt, dass seine Immobilie mehr wert ist, kann dies durch ein Gutachten prüfen lassen.

Mit Ablauf von fünf Jahren seit dem Inkrafttreten der Fluglärmschutzverordnung besteht seit dieser Woche auch ein gesetzlicher Anspruch auf passiven Schallschutz in der Tagschutzone 1 und in der Nachtschutzzone. Für Flörsheim sei diese Vorgabe jedoch bedeutungslos, erklärte Bürgermeister Antenbrink gestern auf Nachfrage. Schließlich habe sich Flughafenbetreiber Fraport freiwillig bereit erklärt, die Ansprüche in der Region schon vor dem Beginn der gesetzlichen Verpflichtung zu erfüllen.

Zahlen zu den bisherigen Anträgen und Erstattungen in Flörsheim liegen bei der Stadt nicht vor. Der Frankfurter Verein „Stop Fluglärm“ berichtet von der Statistik für Frankfurt: Laut dem hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung seien rund 10 000 Anträge für Schallschutz auf Grundlage der Fluglärmschutzverordnung eingegangen. Davon seien bis Ende August 8400 Anträge mit einer Kostenzusicherung von insgesamt 34 Millionen Euro positiv beschieden worden.

(sas)

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