Wirbelschleppen

Erneut fallen in Flörsheim Ziegel vom Dach

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Seit Jahren engagiert sich Carola Gottas in der Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim gegen den Fluglärm. Die Flörsheimerin kritisierte einst den Planfeststellungsbeschluss für die Nordwest-Landebahn und stellte die Wirksamkeit von Dachklammerungen gegen Wirbelschleppen in Frage. Jetzt ist ihr Hausdach betroffen.

Wirbelschleppen sind Carola Gottas nicht fremd. Die Mitstreiterin der Bürgerinitiative (BI) Flörsheim-Hochheim kämpft schon lange gegen die negativen Folgen des Flughafenausbaus. So unmittelbar wie in dieser Woche, erlebte sie die Bedrohung jedoch nie. Es war am Montagnachmittag, als Carola Gottas mit ihren Kindern in der Wohnung in der Hans-Böckler-Straße war. Zwischen 15.30 und 16 Uhr wurde die Familie von einem bedrohlichen Geräusch aufgeschreckt. Es sei kein Schlag gewesen – eher ein drei Sekunden anhaltendes Grollen. „Wir haben gedacht, gleich stürzt das ganze Haus ein“, berichtet die Mutter, die direkt unter dem Dach wohnt.

Zunächst habe sie vermutet, ein Baum sei auf das Dach gefallen, erzählt die Flörsheimerin. Sie sei auf die Straße geeilt, um sich einen Überblick zu verschaffen, konnte jedoch nur erkennen, dass sich einige Ziegel verschoben hatten. Schlimmer sah es auf der anderen Seite des Hauses aus. Dort entdeckte ihr Bruder Jan Gottas ein Loch in der Dachabdeckung. Das Bild passte zu den in Flörsheim bereits bekannten Schäden durch Luftwirbel, die von im Landeanflug auf die Nordwest-Bahn befindlichen Flugzeuge verursacht werden. Mehrere Ziegel hatten sich gelöst und lagen auf einer angrenzenden Dachgaube. Ohne den knapp zwei Meter breiten Dachvorsprung wären sie wohl im Garten gelandet.

Obwohl sie sich schon länger mit Wirbelschleppen befasst, reagierte Carola Gottas innerlich aufgewühlt auf den Schaden am Wohngebäude: Sie sei ganz aufgelöst gewesen, berichtet die BI-Aktivistin. „Meine Kinder waren so angsterfüllt“, erzählt die Mutter.

Nachdem Carola und Jan Gottas die Polizei verständigten, gaben sich Feuerwehr, Dachdecker, Gutachter und Fraport-Vertreter die Klinke in die Hand. Der Schaden wurde noch am selben Tag behoben. Carola Gottas zeigt sich allerdings verwundert über Aussagen des unabhängigen Gutachters. Dieser habe aber nicht hundertprozentig bestätigen können, dass es sich um die Auswirkungen einer Wirbelschleppe handelte. Der Schaden könne auch die Folge eines afrikanischen Mini-Tornados sein, zitiert Gottas die merkwürdige Aussage des Experten.

Ein Vertreter des Flughafenbetreibers Fraport habe jedoch bestätigt, dass eine Wirbelschleppe als Auslöser nahe liegend sei. Fraport erklärte sich zudem schnell bereit, die Kosten für die Reparaturarbeiten zu übernehmen. Damit wurden seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn im Jahr 2011 in Flörsheim bereits mehr als 30 Wirbelschleppenvorfälle dokumentiert.

Das Dach der Familie Gottas war nicht gesichert. Im vergangenen Jahr habe sie die Dachklammerung beantragt, sagt Carola Gottas. Weil noch Unterlagen fehlten, sei die Maßnahme bisher aber nicht umgesetzt worden. Fraport habe nun angekündigt, sich wegen weiterer Schritte bei ihr zu melden. „Jetzt bin ich ja genötigt, das machen zu lassen“, erklärt die Flörsheimerin, die sich in der Vergangenheit skeptisch zur Dachklammerung als wirksamer Lösung der Wirbelschleppengefahr geäußert hatte.

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