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Die abendliche Skyline von Frankfurt fotografierte Bernd Zürn auf seiner Fahrt, die ihn von Würzburg aus am Main entlang nach Flörsheim-Weilbach führte.

Freizeit

Flörsheim: 259 Kilometer und 14 Stunden Fahrtzeit

Bernd Zürn fährt mit dem Rad von Würzburg nach Weilbach - an einem Tag.

Weilbach -Er wandert an den Grenzen des Main-Taunus-Kreises entlang und ist zudem ein passionierter Radfahrer: der Weilbacher Bernd Zürn. Über seine Ein-Tages-Rad-Tour - ohne Navi oder GPS - hat der pensionierte Lehrer einen Bericht verfasst, dessen zweiter Teil seine Fahrt über Wertheim und Offenbach bis zurück nach Weilbach schildert:

"Im nächsten Ort mache ich Pause". Mit diesem - mir selbst vorgenommenen - ,Leckerli' vor meinem geistigen Auge radele ich dann noch 57 Kilometer weiter durch Wertheim (hier mündet die Tauber in den Main) und Miltenberg. Erst dann rutsche ich vor einem Supermarkt vom Rad und gehe mit staksigen Beinen in den Laden. Vollkornbrot, eine Tafel Schokolade, zwei Bananen und ein Liter Frischmilch: Delikatessen für einen alten Mann, der immer noch 105 Kilometer vor sich hat. 35 Minuten lang sitze ich auf einer Bank neben dem Radweg, beobachte die vorbeiradelnden Kollegen, erfreue mich am Anblick der Burgruine auf der anderen Mainseite und genieße jeden Bissen und jeden Schluck Milch. Über die anschließende Weiterfahrt ist meine Sitzfläche wenig erfreut. Das zeigt sie mir deutlich. Mit anderen Worten: Es tut ganz schön weh. Daran sollte sich bis zum Ende der Fahrt auch nichts ändern. Tröstlich: Der Gegenwind hat nachgelassen.

Weiter, immer auf der linken Mainseite, geht es vorbei an der Rotweinstadt Klingenberg mit seiner beeindruckenden Burgruine, Wörth und Obernburg nach Aschaffenburg. Eine Augenweide auch diesmal wieder: das Schloss Johannisburg. Die Suche nach dem Radweg im Bereich des Aschaffenburger Hafens dagegen ist genauso ärgerlich wie sie es vor vielen Jahren auch schon war. Die Beschilderung ist gleich Null und deckt sich mit der Ortskenntnis der von mir befragten Passanten. Ganz allmählich setzt die Dämmerung ein. Zum Glück lässt der Gegenwind weiter nach, so dass ich wieder auf meine angepeilte Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h komme. Ab Seligenstadt kenne ich die Strecke recht gut. Ich bin sie schon mehrfach gefahren. Das beflügelt mich. Außerdem sind es ja nur noch schlappe 60 Kilometer bis Weilbach.

Um 20.05 Uhr - es wird allmählich dunkel - fahre ich wenige hundert Meter am Bahnhof Stein- heim vorbei. Die Verlockung ist groß. Links geht's zur S-Bahn, die mich bequem und schnell nach Hause bringt, geradeaus warten noch 45 Kilometer Nachtfahrt auf mich. Eine schwierige Entscheidung, wenn der Hintern schmerzt und der Durst quält. Ich entscheide mich für: Weiter geradeaus! Nach wenigen Kilometern sehe ich endlich die Lichter des Frankfurter Fernsehturmes in der Ferne. Das mobilisiert neue Kräfte!

In Offenbach ist es inzwischen Nacht geworden. Ich bewundere die vielen Neubauten im alten Hafengelände. Die erleuchteten Hochhäuser von Frankfurt, meinem nächsten Ziel, sind greifbar nahe. Nur noch 32 Kilometer bis Weilbach!

Ab der Gerbermühle herrscht auf dem Sachsenhäuser Uferweg um 21.25 Uhr ein Riesenbetrieb. Fußgänger, einzeln und in Gruppen, flanieren hier oder sitzen auf Parkbänken und in den Wiesen am Fluss. Kurzum, sie genießen diesen schönen lauen Sommerabend. Für mich, den abgekämpften Fernradler, ist das Vorankommen in diesem Gewühl recht zeitraubend. Aber es sind ja nur noch etwas mehr als 20 Kilometer bis zum Ziel.

Über Niederrad und vorbei an Schwanheim erreiche ich - über die Leunabrücke fahrend - in Höchst endlich wieder das rechte Mainufer. Nur noch durch Sindlingen und Hattersheim, dann steige ich nach 259 Kilometern und 14 Stunden Fahrtzeit in Weilbach in der Schillerstraße 1 vom Rad. Die Uhr zeigt 22.40 Uhr an. Ein etwas untypischer Rentner-Tag geht zu Ende." hk

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