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Flörsheim: Abschied von einem liebgewonnenen Ort

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Im Rahmen der Profanisieriung wurde am Sonntag die Albertus Magnus Reliquie aus dem Altar der Marienkapelle entfernt. Die auffälligen Glasfenster sind noch bislang erhalten. FOTO: Kröner
Im Rahmen der Profanisieriung wurde am Sonntag die Albertus Magnus Reliquie aus dem Altar der Marienkapelle entfernt. Die auffälligen Glasfenster sind noch bislang erhalten. © Hans Nietner

Katholische Gemeinde feierte die letzte Eucharistiefeier in der Kapelle des Marienkrankenhauses.

Flörsheim -Aller Abschied fällt schwer - egal ob man dabei Menschen, Orte oder lieb gewonnene Gewohnheiten hinter sich lässt. So war es auch am Sonntag: "Das hat weh getan", stellte eine Besucherin des Gottesdienstes in der Kapelle des ehemaligen Marienkrankenhauses fest. Im Anschluss an die Zeremonie wurden tiefgehende Blicke ausgetauscht. Teilnehmer klopften sich tröstend auf die Schulter.

Die Mitglieder der katholischen Gemeinde verabschiedeten sich gestern von einem jahrzehntelang genutzten sakralen Raum. Es war der letzte Gottesdienst in der Kapelle des Krankenhausgebäudes, das derzeit zum Gesundheitscampus umgebaut wird. Rund 45 Gläubige begleiteten die finale Eucharistiefeier. Um allen Interessierten Platz zu bieten, hatte die Gemeinde extra zusätzliche Stühle aufgestellt.

Zum Ende der Feier führten die Pfarrer Friedhelm Meudt und Christian Preis die sogenannte Profanisierung durch. Damit endete die kirchliche Nutzung des Raumes im sechsten Stock des Krankenhauses, die mit der Weihe im Jahr 1967 begonnen hatte. Pfarrer Meudt sprach von einem schönen Ort. "Vor allem deswegen", betonte der Geistliche und wies auf das riesige Buntglasfenster, das die gesamte Wand hinter dem Altar ausmacht "Ich hoffe, dass es eine Möglichkeit gibt, dieses wunderbare Fenster zu erhalten", so Meudt.

Der Abschied von einem liebgewonnen Ort sei ein "wehmütiger Anlass", räumte der Seelsorger ein. Besonders schwer falle dieser Abschied den Ordensschwestern. Meudt meinte die Dominkanerinnen, die das Gebäude in der Hospitalstraße lange Zeit begleiteten. Der Orden hatte das Krankenhaus in der Anfangszeit geleitet, bevor im Jahr 2004 die Marienhaus GmbH übernahm.

"Steinernes Zeugnis unseres Glaubens"

Einige der langjährigen Wegbegleiterinnen waren anwesend - so etwa Schwester Lucina, die dem Marienkrankenhaus bis zuletzt die Treue gehalten hat. Sie sei dankbar, dass die Gottesdienste noch vier Jahre nach dem Ende der Krankenhausnutzung gefeiert werden durften, erklärte die Dominikanerin dem Kreisblatt. Dies sei vor allem für ältere Leute schön gewesen, die keine weiten Wege zu anderen Kirchenstandorten zurücklegen können. Die letzte Zeremonie empfand Lucina am Sonntag als "schönen und würdigen Abschied". Unter den Besuchern war auch Hans-Jürgen Wagner, Vorsitzender des Fördervereins des Marienkrankenhauses. 1977 habe er in der Kapelle seine erste Predigt gehalten, erinnerte sich der Diplom-Theologe. Seither sei ihm die Kapelle durch den Förderverein weiter ans Herz gewachsen.

"Dieses Bauwerk war ein steinernes Zeugnis unseres Glaubens", betonte Friedhelm Meudt. Dieser Glaube sei jedoch nicht auf einen bestimmten Ort festgelegt, gab Bundespolizeipfarrer Christian Preis zu bedenken, der das ewige Licht in der Marienkapelle löschte. Beide Geistliche führten die Profanisierung durch, mit der die vor Jahrzehnten erteilte bischöfliche Weihe gestern zurückgenommen wurde. Dazu verlasen sie nicht nur ein Profanisierungsdekret von Bischof Georg Bätzing, sondern entfernten auch eine Reliquie des Heiligen Albertus Magnus aus dem Altar. Magnus sei selbst Dominikaner gewesen, erläuterte Christian Preis.

Der Flörsheimer Altarstein gehe nun zurück in den Fundus des Bistums Limburg. Neben dem Stein entfernten die Seelsorger auch die Osterkerze aus der Kapelle. Sie soll am kommenden Sonntag in die Flörsheimer Pfarrkirche St. Gallus getragen werden. Der Raum der ehemaligen Kapelle werde nun zurückgegeben - für andere Dinge, so Friedhelm Meudt. Welche Dinge dies sind, entscheiden künftig die Projektentwickler des Gesundheitscampus.

Das Ende der Kapelle kam nicht ohne Kritik. Die SPD hatte moniert, dass der sakrale Raum ursprünglich in die Sanierung einbezogen und erhalten werden sollte. Investoren und Stadt hätten Zusagen gebrochen, beklagte die Partei.

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