Pfarrer Friedhelm Meudt (li.) und Rathauschef Dr. Bernd Blisch präsentieren vor dem Eingang zur Gallus-Kirche eines der eigens für den 354. Verlobten Tag angefertigte Abstandsbänder.
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Pfarrer Friedhelm Meudt (li.) und Rathauschef Dr. Bernd Blisch präsentieren vor dem Eingang zur Gallus-Kirche eines der eigens für den 354. Verlobten Tag angefertigte Abstandsbänder.

Stadtfeiertag

Flörsheim: Mit Abstand den Verlobten Tag feiern

Die Ausrichtung des Gedenktages an die Pestzeit steht ganz im Zeichen der Corona-Krise. So wird der Gottesdienst im Freien abgehalten, mit einer begrenzten Besucherzahl.

Flörsheim -Das Motto des diesjährigen 354. Verlobten Tages lautet "Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung". Dass der Glaube in Zeiten der Corona-Krise tatsächlich den Menschen helfen kann, davon ist der katholische Pfarrer Friedhelm Meudt überzeugt. Enttäuscht ist der Seelsorger jedoch davon, dass weder aus Rom noch aus Limburg bisher entsprechende Worte an die Gläubigen gerichtet wurden. Tatsächlich gab es bisher von den großen Würdenträgern keine offiziellen Erklärungen. Dabei müsste die Krisenzeit - jenseits aller wissenschaftlichen Erkenntnisse - doch die Domäne der Glaubensgemeinschaften sein. Es scheint, dass die katholische Kirche mit ihren eigenen Problemen genug zu tun hat. Nämlich dem Priestermangel, der Aufarbeitung der über Jahrzehnte vertuschten Missbrauchsfälle, den bei den Gläubigen meist nicht beliebten Großpfarreien und den üblichen innerkirchlichen Intrigen und zunehmenden Finanzproblemen.

Natürlich, so erklärte Pfarrer Friedhelm Meudt gestern bei einem Pressegespräch, sei es schwierig, in Zeiten, in denen sich alle paar Wochen die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Pandemie änderten, Stellungnahmen abzugeben. Hätten doch Politiker wie Kirchenführer das gleiche Problem, dass ihre Ansprachen von der aktuellen Lage schon wieder schnell überholt sein könnten. Außerdem habe es vor allem die Kirchengemeinden getroffen, die ja wochenlang keine Gottesdiensten mehr abhalten durften.

Dennoch vermisst der Leiter der Großpfarrei Flörsheim-Hochheim deutliche Worte von den Kirchenoberen. Genau diese möchte der Theologe im Gottesdienst bei seiner Predigt auf dem Gallus-Platz am Montag sprechen. Denn es gibt gedanklich einen Brückenschlag zwischen dem Gelöbnis der Gläubigen zu Pestzeiten im Jahr 1666 und der Corona-Pandemie. Seine Predigt wird sich unter anderem damit beschäftigen, wie und welche Kraft durch den Glauben freigesetzt werden kann, um die Krise zu meistern. Friedhelm Meudt wird den Festgottesdienst (Beginn ist um 9 Uhr) aus Sicherheitsgründen alleine zelebrieren. Lediglich bei der Prozession ab 10.30 Uhr - die dieses Mal nicht so lange wie üblich dauern wird - begleiten ihn die Priesterkollegen, ebenso wie die Ministranten und die Vertreter der Stadt. Auf dem Platz vor der Gallus-Kirche wird auf einem LED-Bildschirm die Prozession gezeigt, die per Videoaufnahme übertragen wird. Wer zu Hause bleiben möchte und einen Internetzugang hat, kann dies alles verfolgen. Im Internet ist mittels Live-Stream der Ablauf zu sehen.

Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU) wies noch einmal auf die schwierigen Vorbereitungen für den Verlobten Tag hin. "Es gab Zeiten im März und April, da hatten wir gedacht, das geht nicht." Schließlich habe es mit den Lockerungen der Beschränkungen dann ein Konzept zur Ausrichtung des Verlobten Tages gegeben, das mit Einschränkungen versehen ist. So sind zum Festgottesdienst auf dem Platz vor der Gallus-Kirche nur 250 Sitzplätze zugelassen. 30 davon sind bereits für Ehrengäste reserviert.

Ordner werden eingesetzt

Alle Teilnehmer müssen Formulare mit ihren Daten ausgefüllt mitbringen oder an Ort und Stelle ausfüllen und dann abgeben, beziehungsweise in die bereitstehenden Boxen einwerfen. Ordner weisen nicht nur die Plätze zu, sondern passen auch auf, dass alle Gottesdienst-Besucher sich an die Vorgaben halten. Zudem werden Desinfektionsspender vor dem Eingang zum Gallus-Platz aufgebaut. Pfarrer Meudt wies darauf hin, dass die Vorschriften penibel umgesetzt werden. Schließlich gehe es um die Sicherheit der Menschen und um die Eindämmung einer Pandemie. Da müsse sich peinlich genau an die Auflagen und Vorschriften gehalten werden, um eine Ansteckung zu vermeiden. Zudem stehe der Verlobte Tag im Blickpunkt der Öffentlichkeit. "Es geht natürlich nicht, dass dann zum Beispiel am Rand an der Hauptstraße dicht gedrängt 500 Leute stehen", machte Bürgermeister Bernd Blisch klar. Dies würde den Bestimmungen zuwiderlaufen und könne nicht geduldet werden. So seien Ordnungskräfte im Einsatz. Wer wolle, könne ja den Prozessionsweg, der von der Hauptstraße über die Untermainstraße zur Stele am Mainufer und dann zurück zum Gallus-Platz führe, zu anderen Zeiten als am Montagmorgen begehen. Der Rathauschef bittet die Anwohner der Altstadt, am Vorabend des Verlobten Tages die von der Bürgerstiftung gespendeten Kerzen in die Fenster zu stellen. Dies soll für eine feierliche Illumination sorgen. Beleuchtet werden zusätzlich abends die Gallus-Kirche, das Pestkreuz und die Stele am Mainufer.

"Mit Abstand der beste Verlobte Tag" steht unter anderem auf einem gelb-weißen, knapp 1,50 Meter langen Band, das am Montag verteilt wird und die Einhaltung der Abstandsregelungen erleichtern soll. Niklaus Mehrfeld

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