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Flörsheim: Abwasserverband stellt sich auf Versorgungsengpässe ein

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Erweitert wird derzeit die Kläranlage im Ortsteil Keramag-Falkenberg. Kostenpunkt: 39 Millionen Euro. FOTO: kröner
Erweitert wird derzeit die Kläranlage im Ortsteil Keramag-Falkenberg. Kostenpunkt: 39 Millionen Euro. © Kröner, Sascha

Warum für die Kläranlagen-Betreiber unter anderem Aluminiumchlorid, Kalk und Einsendreichlorid knapper und teurer werden.

Keramag-Falkenberg -Die Lieferung von sogenannten Fällmitteln für den Abwasserverband Flörsheim, die für die Reinigung von Abwasser in Kläranlagen verwendet werden, ist eigentlich ein Routinevorgang. Die chemischen Verbindungen kommen in der Kläranlage im Ortsteil Keramag-Falkenberg zum Einsatz, um Phosphate im Abwasser zu binden. Ihre ausreichende Verfügbarkeit steht jedoch in Frage. Auslöser ist die Energie-Krise infolge des Ukraine-Krieges, die nicht nur steigende Heizkosten verursacht. Erhöhte Gas- und Strompreise führen dazu, dass benötigte Stoffe zur Abwasserklärung in geringerer Menge produziert werden. Kläranlagen müssen sich deshalb auf eine abnehmende Produktion und Nachschubprobleme bei den Fällmitteln einstellen. Der Abwasserverband betreibt die Flörsheimer Kläranlage, die derzeit erweitert wird. Bisher läuft die Reinigung in den Klärbecken am Wickerbach ohne Einschränkungen. „Bei uns ist noch alles im grünen Bereich“, sagt Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Dr. Bernd Blisch (CDU). Noch seien alle Stoffe vorhanden.

Jörg Hoffmann, Geschäftsführer des Abwasserverbands, erläutert die Problematik, die sich mit dem Bedarf an Fällstoffen ergeben. Zu den Verbindungen, die von der Knappheit betroffen seien, gehören Aluminiumchlorid, Kalk und Einsendreichlorid. Die Betreiber der Kläranlage hätten bisher noch Zugriff auf alle benötigten Stoffe. „Wir müssen allerdings früher bestellen“, erklärt Jörg Hoffmann. Spürbar werde die derzeitige Krise auch bei den Preisen. „Natürlich wird gerade alles teurer“, berichtet der Geschäftsführer des Abwasserverbands. Erhöhte Benzin- und Materialpreise würden dazu führen, dass sich Firmen nicht mehr an zuvor vereinbarte Preise halten können. Der Abwasserverband stehe mit den Unternehmen aus der Chemischen Industrie in engem Kontakt, um keine Entwicklung zu verpassen. Für den Oktober sehe die Versorgung noch gut aus, erklärt Jörg Hoffmann. Doch Geschäftsführer sagt auch: „Das kann sich jederzeit ändern.“

Mehr Fällmittel einzulagern, um einer Verschärfung der Krise zuvorzukommen, sei kaum möglich. „Die Behälter auf dem Gelände werden schon voll gemacht“, sagt der Verbandschef. Mehr gehe nicht. Doch was passiert, wenn es in den nächsten Wochen tatsächlich zu Lieferschwierigkeiten kommen sollte? „Dann müssten wir uns mit dem Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde in Verbindung setzen“, sagt Jörg Hoffmann. Für die Flörsheimer Kläranlage kämen in diesem Fall zwei Optionen in Frage. Entweder die Grenzwerte für die Einleitung von Phosphat in Flüsse müssten heraufgesetzt werden oder die Kläranlage verwende andere - weniger optimale - Fällmittel. Im zweiten Fall sei ein Kostenanstieg zu erwarten, weil diese Stoffe in größerer Menge eingesetzt werden müssten. „Das steht jetzt alles aber noch nicht an“, gibt Hoffmann vorerst Entwarnung.

Was ansteht, ist die Erweiterung der Kläranlage, die bis 2026 abgeschlossen sein soll. An diesem Zeitplan habe sich nichts geändert, sagt der Geschäftsführer. Momentan laufen die Arbeiten des ersten Bauabschnitts, in dessen Verlauf auch zwei neue Belebungsbecken, Gebäude für die Vorkläranlage und zwei Blockheizkraftwerke errichtet werden sollen. Für den Rohbau benötigte Materialien wie Stahl und Beton seien lieferbar. Das erste Blockheizkraftwerk sei bereits eingebaut und solle bald in den Probebetrieb gehen, sagt der Geschäftsführer. Die zweite Anlage sei angeliefert. Im nächsten Bauabschnitt soll 2024 und 2025 die alte Belebungsanlage an die beiden neuen Becken angebunden werden. Der komplette Einlauf der Kläranlage, bestehend aus Zulaufhebewerk, Rechenhalle und Sandfang, wird in diesem Abschnitt erneuert. Das Investitionsvolumen für die Maßnahme lag bei 39 Millionen Euro. Bisher hätten die ausführenden Firmen ihre Preise nicht erhöht, erklärt Jörg Hoffmann.

Der Chef des Abwasserverbands erwartet jedoch, dass ausstehende Arbeiten teurer werden, als ursprünglich veranschlagt. Darauf werde es in der gegenwärtigen Lage mit Sicherheit hinauslaufen. sas

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