Den Schafen von Schäferin Jeanette Klein schmeckt es sichtlich. Sie sorgen für natürliche Rasenpflege. FOTO: kröner
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Den Schafen von Schäferin Jeanette Klein schmeckt es sichtlich. Sie sorgen für natürliche Rasenpflege.

Grünpflege

Flörsheim: Auch Distelnstehen auf ihremSpeiseplan

Warum eine Schafherde nachts bis zum Pförtnerhaus am Shell-Hafen wanderte.

Flörsheim -Fressen ist ihr Job: Die Schafe von Jeannette Klein arbeiten sich seit Wochen durch Flörsheimer Grünflächen und tragen damit auf natürliche Weise zur Landschaftspflege bei. Die Stadt hat bewusst auf den Appetit der Tiere gesetzt und die Schäferin um die Beweidung gebeten. Erste Stadträtin Renate Mohr (GALF) beurteilt den bisherigen Verlauf der Aktion positiv. "Wir sind sehr zufrieden", sagt Renate Mohr. Sie habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Allerdings hielten sich die Vierbeiner nicht immer an die vereinbarten Flächen.

Vor einigen Wochen machte sich eine von Jeannette Kleins Herden selbstständig. Die 15 Muttertiere, 15 Lämmer und zwei Ziegen, die eigentlich das Flörsheimer Mainufer beweiden sollten, gingen auf Erkundungstour. Randalierer hätten einen der Zäune umgetreten, erklärt Jeannette Klein. Daraufhin konnte die Tiere ihren abgegrenzten Bereich in der Nacht verlassen - was sie auch sehr gerne taten. Der Ausflug der wandernde Wollknäuel endete schließlich am Pförtnerhäuschen des Shell-Tanklagers. "Ich habe keine Ahnung, wie sie da hinkamen", sagt Klein, die mittlerweile über den Vorfall lachen kann. Der Pförtner habe das Tor geschlossen und die Tiere mit Flatterband eingepfercht. Für den Rückweg zum Main habe die Polizei sogar Straßen gesperrt, erzählt die Schäferin.

Die Tiere sollen wieder sichtbarer im Stadtgebiet werden - wenn auch nicht unbedingt im Tanklager, sondern eher auf den Wiesen. Dass mit den Schafen wieder etwas ursprüngliches ins Stadtbild zurückkehre, finde sie schön, erklärt die Stadträtin. Früher habe es ähnliche Projekte auch schon vereinzelt gegeben. So habe die Stadt etwa mit einem Schäfer zusammengearbeitet, der von weiter weg anreiste. Nachdem der Kontakt zu Hobby-Schäferin Jeannette Klein zustande kam, verfolge man die tierische Grünpflege nun "im großen Stil".

Jeanette Klein lebt in Rüsselsheim, hatte ihre Coburger Fuchsschafe aber beim Flörsheimer Aussiedlerhof Ruppert untergestellt. Mit der Stadt einigte sie sich vertraglich auf die Beweidung mehrerer öffentlicher Flächen. Dabei hat die Verwaltung auch einen praktischen Nutzen im Sinn: "Das ist auch eine Erleichterung für den Baubetriebshof", sagt Renate Mohr. Klein bekomme die Bereitstellung ihrer Tiere bezahlt. Dies sei aber immer noch günstiger als der Einsatz der städtischen Grünpflegeteams. Dafür hinterlassen die Tiere nach getaner Arbeit allerdings Kot auf den abgefressenen Wiesen. Die Hinterlassenschaften würden sich jedoch mit der Zeit natürlich zersetzen, beruhigt die Erste Stadträtin. Außerdem werde die Schafherde nicht im Bereich von Liegewiesen eingesetzt.

Die größere von Jeannette Kleins Herden hat sich von der Hafenstraße bis zur Opel-Brücke "durchgefressen". Dabei machten sie auch vor einem stacheligen Distelgestrüpp nicht Halt. "Die haben jetzt das ganze Fell voller Kletten", beschreibt die Schäferin, die den eingezäunten Bereich immer wieder verlegt, um die Tiere auf neue Grünflächen zu bewegen. Nach den Mainwiesen habe sie die 15 Muttertiere samt Lämmchen nun ins Gebiet rund um die Natronquelle verlegt. Eine zweite Herde mit neun Muttertieren sowie neun Lämmern deckt derweil verschiedene Bereiche der Wiese hinter dem Weilbacher Schloss ab. Laut Klein soll die Tour der Schafe in der kalten Jahreszeit weitergehen. Für Herbst und Winter habe sie sich eine städtische Fläche östlich der Wickerer Deponie vorgenommen. Außerdem rechne sie für Dezember mit tierischem Nachwuchs. "Dann könnten wir bald noch etwas flotter werden", hofft die versierte Hobby-Schäferin. sas

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