Die auffällige Kalksteinfassade war der Grund für die Besichtigung des Gebäudes in der Eisenbahnstraße Hausnummer 26. FOTO: kröner
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Die auffällige Kalksteinfassade war der Grund für die Besichtigung des Gebäudes in der Eisenbahnstraße Hausnummer 26.

Kultur

Flörsheim: Auf den Spuren des Kalksteins

Bei einer Tour mit Rosi Reinelt wird die Historie eines besonderen Gebäudes in der Eisenbahnstraße erklärt.

Flörsheim -Solange in Flörsheim stehet Stein auf Stein", heißt es im Gelöbnis zum Verlobten Tag. Welche Steine früher in der Mainstadt verbaut wurden, erfuhren Teilnehmer eines Rundgangs mit Rosi Reinelt. "In Zukunft wisst ihr, woran ihr beim Gelöbnis denken müsst", erklärte die Flörsheimerin den Männern und Frauen, die ihr durch die Altstadt folgten. Dabei drehte sich alles um den Kalkstein. Was es mit der Besichtigung auf sich hatte, erfuhren die Begleiter jedoch erst im Verlauf der Tour.

Ein geheimer Zielort mit einem unbekannten Thema - das war das Konzept der neuen Reihe "Mit Rosi um die Häuser ziehen", die vom Heimatverein ausgerichtet wurde. Altstadtbewohnerin Rosi Reinelt lud alle Interessierten ein, ihr zu einem besonderen Haus zu folgen, das sie sich im Vorfeld ausgesucht hatte. Ein ganz gewöhnliches Hoftor solle die Gruppe öffnen - "kein Haus, in dem Goethe einmal residiert hat", so Reinelt. "Ihr könnt gespannt sein, wo wir klingeln", meinte die frühere Leiterin der Weilbacher Kita Maria Himmelfahrt. Damit schaffte sie es, die Neugier ihres Publikums zu wecken. "Das ist ja wie im Fernsehen", raunte eine Teilnehmerin ihrer Freundin zu.

Der Weg der Gruppe führte in die Eisenbahnstraße, wo Rosi Reinelt bereits die ersten Anekdoten parat hatte. Die Straße habe ihren Namen von der angrenzenden Eisenbahnlinie, die 1838 als eine der ersten Strecken nach Erfindung der Bahn erbaut worden sei. Die Zuhörer erfuhren auch, dass das Kurhaus in Bad Weilbach ein Grund für die frühe Bahnanbindung Flörsheims gewesen sei.

Vor der Hausnummer 26 blieb Reinelt stehen und drückte auf die Klingel. Warum sie sich gerade dieses Gebäude ausgesucht hatte, wurde schon beim Anblick der Fassade deutlich. Das Haus der Familie Roth hebt sich durch seine frei liegende Sandsteinmauer deutlich von allen umliegenden Häusern ab.

Eigentümer Jürgen Roth erwartete die Gruppe bereits mit mehreren alten Baudokumenten, die er auf einem Tisch im Hof ausgebreitet hatte. Als die Hausnummer 26 im Jahr 1884 errichtet wurde, gab es in der Gegend noch nicht viel außer der Bahnlinie. Ein alter Plan markiert die gegenüberliegende Straßenseite als Ackerland. Roth berichtete den Besuchern auch, wie es sich in dem Sandsteinbau lebt. Das Gebäude habe "eine Isolation wie ein offenes Fenster". Die Folge: hohe Heizkosten.

Innen seien die Wände mit einem Spezialputz bedeckt, es komme jedoch immer wieder vor, dass sich aufgrund von aufsteigender Feuchtigkeit Flecken bilden, erzählte der Bewohner. Als Vorteil nannte er das angenehme Klima im Sommer und den schönen Anblick. Er selbst habe graue Eternitplatten entfernt, die die Fassade verdeckten. Dabei seien auch schwarze Flecken an der Ostwand zum Vorschein gekommen. "Hier muss im Krieg eine Brandbombe eingeschlagen sein", vermutet Jürgen Roth.

Rosi Reinelt beleuchtete die Historie des Flörsheimer Kalksteins. Vor 28 Millionen Jahren sei das heutige Gebiet Flörsheims von einem Meer bedeckt gewesen, das Ablagerungen von Muscheln, Schnecken und Kalkalgen mit sich brachte. Daraus habe sich eine dichte Kalkschicht ergeben. Hundert verschiedene Schneckenarten seien im Flörsheimer Kalkstein nachgewiesen worden, der ab dem 16. Jahrhundert im großen Stil im Wickerbach abgebaut worden sei. Weitere Zeitzeugen seien der Dyckerhoff-See als ehemaliger Steinbruch und die Flörsheimer Kalkbrennöfen an der Landstraße Richtung Hochheim.

Seinen Abschluss fand der Rundgang passenderweise im Hof des Heimatmuseums, das ebenfalls mit Kalkstein erbaut wurde. Eine Wiederholung des Konzepts mit neuen Anlaufstellen kann sich Rosi Reinelt vorstellen. "Ich habe noch Ideen für andere Häuser", erklärte die Altstadtführerin. sas

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