Christa Hofmann gründete den Hospizverein und leitet das Hospiz an der Dalbergstraße.
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Christa Hofmann gründete den Hospizverein und leitet das Hospiz an der Dalbergstraße.

Sterbebegleitung

Den Hospizgedanken aufrechterhalten: „Die Leute wollen nicht an Corona sterben“

Über die derzeitige Arbeit sowie Einschränkungen im Hospiz „Lebensbrücke“ berichtet Christa Hofmann, Leiterin einer Einrichtungin Flörsheim bei Frankfurt.

Flörsheim – Nicht jeder Mensch hat die Zeit, die Corona-Pandemie abzuwarten, bevor sich seine persönlichen Kontakte wieder normalisieren. Im Hospiz "Lebensbrücke" verbringen schwerkranke Bewohner ihre letzten Wochen und Tage. Sie wollen Abschied nehmen und Angehörige sowie Freunde sehen. Für die Leitung des Hospizes stellt es eine Herausforderung dar, den Menschen auf dem letzten Weg gerecht zu werden und sie gleichzeitig vor Covid-19 zu schützen.

Für Leiterin Christa Hofmann steht fest, dass die Menschen im Hospiz nicht abgeschottet werden sollen. "Wir haben immer den Hospizgedanken weitergelebt", erklärt die Flörsheimerin. Trotz der Gefahr durch das Coronavirus seien weiterhin Besuche erlaubt - allerdings nach genau vorgegebenen Regeln: Jeder der zwölf Bewohner darf einen engen Kreis aus drei Personen bestimmen, die für tägliche Besuche zugelassen sind. Die Gäste dürfen allerdings nicht gleichzeitig erscheinen. Im Sommer sei der Kreis der Besucher kurzzeitig auf jeweils vier erweitert worden. Alle Besucher und Mitarbeiter tragen Masken mit FFP2-Schutz. Neue Bewohner müssen vor ihrem Einzug ins Hospiz einen negativen Corona-Test nachweisen. "Damit sind wir bisher sehr gut gefahren", sagt Christa Hofmann.

Corona in Flörsheim bei Frankfurt: Wie die Pandemie die Zeit im Hospiz verändert

Bei den Menschen, die im Hospiz umsorgt werden, herrsche Verständnis für die Regeln. "Die Leute, die bei uns sterben, wollen nicht an Corona sterben", erläutert Hofmann. In einigen Fällen gehen die Sicherheitsvorkehrungen deshalb sogar noch über einfache Schutzmasken hinaus. Es sei schon vorgekommen, dass Gäste aus Risikogebieten im Ausland das Hospiz besuchten, um die letzten Momente mit ihren Angehörigen zu verbringen. Für solche Fälle sei eine extra Schleuse an einem Nebeneingang errichtet worden, durch die der Besuch das Gebäude betreten durfte. Die Gäste mussten einen Ganzkörperschutz tragen.

Beschränkte Besucherzahlen und Kontakte durch Schutzausrüstung, könnten den Eindruck erwecken, dass momentan wichtige zwischenmenschliche Aspekte in der Hospizpflege auf der Strecke bleiben. Christa Hofmann hat diese Erfahrung nicht gemacht. "Es gibt andere Formen der Nähe", sagt die Chefin der Einrichtung. Außerdem sei auch außerhalb der Pandemie nicht von jedem Bewohner ein großer Besucherkreis gewünscht. Als Angehöriger müsse man sich immer fragen, wem der Kontakt im Hospiz wirklich hilft, erklärt Hofmann. "Dient er dem Bewohner oder dient er mir, um mein Gewissen zu beruhigen?"

Bei Anzeichen einer Corona-Infektion: Klare Absprachen in Hospiz in Flörsheim bei Frankfurt

Eine weitere Möglichkeit, die Einschränkungen der Pandemie zu umgehen, besteht im digitalen Austausch. Das Hospiz habe mehrere Tablet-Computer vom Bund zur Verfügung gestellt bekommen, berichtet Christa Hofmann. Der "Video-Chat" erleichtere es, bei Bedarf den Kontakt zu entfernteren Bekannten oder Freunden aufrecht zu halten.

Auswirkungen hat die Pandemie auch auf die Personalausstattung des Hospizes. Denn mit allen 32 Mitarbeitern gebe es eine klare Absprache, beim geringsten Krankheitszeichen nicht ins Hospiz zu kommen. Um die Zahl der Menschen, die in das Gebäude ein und aus gehen, möglichst gering zu halten, verzichte die Hospiz-Leitung derzeit auf den Einsatz der 65 ehrenamtlichen Hospizhelfer. "Wir stehen aber weiterhin in Kontakt", erklärt Christa Hofmann. (sas)

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