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Flörsheim: "Bei uns gibt es aber keine Engpässe"

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Die Agrarhandels-Firma Remsperger betreibt in Weilbach ihr Geschäft mit dem Verkauf von Getreide, Saatgut und Düngemittel.
Die Agrarhandels-Firma Remsperger betreibt in Weilbach ihr Geschäft mit dem Verkauf von Getreide, Saatgut und Düngemittel. © Kröner, Sascha

Agrarhandels-Geschäftsführer erklärt, warum zum Beispiel Dünger nun auch aus Nordafrika geliefert wird.

Weilbach -Die silber glänzenden Silos am Weilbacher Ortsrand sind weiterhin gefüllt. Sie gehören zum Agrarhandel Remsperger, der sein Geschäft mit Getreide, Saatgut und Düngemittel macht - einem Feld, das derzeit starken Veränderungen unterworfen ist. Trotz Lieferproblemen und Preissteigerungen läuft der Betrieb in der Industriestraße weiter. "Die Lieferschwierigkeiten betreffen den Welthandel", sagt Geschäftsführer Gerold Winkler. "Bei uns gibt es aber keine Engpässe."

Was das Weilbacher Unternehmen zu spüren bekomme, seien die Preissteigerungen, erläutert Winkler. Stickstoffdünger sei um das drei- bis vierfache teurer als im vergangenen Jahr. "Das ist schon krass", findet der Geschäftsführer. Der Agrarhandel beliefert Bauern mit Betriebsmitteln wie Dünger und Pflanzenschutz. Außerdem erwirbt Remsperger Getreide von Landwirten, das der Betrieb schließlich nach der Trocknung an Mühlen weiterverkauft. Durch die gegenwärtige Entwicklung müsse das Unternehmen langfristiger planen und sich nach neuen Märkten umschauen, sagt Gerold Winkler. Für die Landwirte bedeute die Situation, dass sie hohe Summen bis zur nächsten Ernte vorfinanzieren müssen. Außerdem werde an Düngemittel gespart, wodurch die Ernte geringer ausfalle und der Boden an Nährstoffen verliere. Getreidemühlen werden, seiner Ansicht nach, reagieren, indem sie dem Mehl mehr künstliche Quellstoffe hinzufügen. "Dann essen wir mehr Chemie", so der Geschäftsführer. Ein Hintergrund der Entwicklung sei die Tatsache, dass vieles im Ausland produziert werde. Regionale Düngemittelhersteller wie die frühere Hoechst AG oder BASF hätten ihre Produktion eingestellt, erläutert Winkler. Dies spüre man nun angesichts der explodierenden Gaspreise und der Frachtkrise. "Das hat schon vor dem Krieg in der Ukraine angefangen", sagt der Remsperger-Chef. Da Erdgas für die Herstellung von Stickstoffdünger benötigt werde, treiben die steigenden Energiepreise den Dünger-Preis in die Höhe. Auch der weltweite Transport sei seit Corona teuerer geworden. Dazu komme nun noch der beschränkte Zugriff auf den osteuropäischen Markt. Dünger werde mittlerweile auf anderen Routen geliefert - unter anderem aus Nordafrika. Umgekehrt gebe es Länder in Afrika, die sich die Einfuhr von Getreide nicht mehr leisten können.

Aus Sicht des Weilbacher Geschäftsführers wäre es eine sinnvolle Reaktion, in Deutschland die regionale Produktion von Agrarprodukten zu steigern. "Es funktioniert nicht, wenn man immer mehr Flächen zubaut oder überall nur noch Blümchenwiese macht", betont Gerold Winkler. Der Experte geht davon aus, dass die derzeit hohen Preise bleiben werden. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Lebensmittel-Grundversorgung in Deutschland immer noch viel günstiger sei, als in anderen Ländern. "Dann muss man halt künftig an anderen Luxusgütern sparen", so der Chef des Agrarhandels. sas

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