Nach einer Verfügung der Behörden muss Geflügel entlang des Mains in Ställen gehalten werden.
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Nach einer Verfügung der Behörden muss Geflügel entlang des Mains in Ställen gehalten werden.

Vogelgrippe

Flörsheim: Beschränkungen an der Mainschiene

Für das liebe Federvieh ist zum Schutz eine Stallpflicht angeordnet.

Flörsheim/Hattersheim/Hoch-heim -Kleintierzüchter halten den Atem an. Ursula Prinz, Vorsitzende des Flörsheimer Kleintierzuchtvereins, hat ihre Mitglieder schon in den vergangenen Wochen in Alarmbereitschaft versetzt. Denn mitten in der Corona-Pandemie bedroht ein weiterer Krankheitserreger - diesmal jedoch nicht Menschen, sondern das Federvieh. Die Vogelgrippe ist in der Rhein-Main-Region angekommen. Nachdem vor einigen Tagen Fälle im Kreis Groß-Gerau bekannt wurden, hat gestern der Main-Taunus-Kreis eine Allgemeinverfügung veröffentlicht. Geflügel muss demnach entlang des Mains in Ställen gehalten werden.

In flussnahen Gebieten der Mainstädte Hattersheim, Flörsheim und Hochheim sollen Vögel ab sofort keinen Auslauf mehr bekommen. Die Verfügung gilt für Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasanen, Laufvögel, Wachteln, Enten, Gänse und Tauben. Ausgenommen sind Tiere, die üblicherweise im Haus gehalten werden wie Wellensittiche oder Papageien. Da sich das Virus vor allem über die Wanderroute von Wildvögeln entlang des Flusses verbreitet, hat der Kreis die Beschränkungen zunächst für einen Streifen entlang des Mains eingeführt. Der Flörsheimer Kleintierzuchtverein ist nicht von den Vorgaben betroffen. Weil sich das Gelände der Züchter im Wickerer Steinmühlenweg befindet, fallen ihre Vogelgehege momentan nicht in den Schutzstreifen.

Ursula Prinz hat die sieben Züchter des Vereins allerdings bereits informiert und um Vorkehrungen für den Ernstfall gebeten - beispielsweise indem die Mitglieder ihre rundum eingezäunten Außenbereiche mit Plastikplanen abdecken, damit kein Kot von Wildvögeln eindringen kann. Die Vorsitzende weiß, dass sich die Lage ganz schnell ändern kann. Vor drei oder vier Jahren sei für das Areal der Flörsheimer Kleintierzüchter eine Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe angeordnet worden, berichtet Prinz. Für die Züchter, die den Außenbereich fest für den Auslauf ihrer Tiere einplanen, sei solche eine Situation schwierig. Alle Tiere auf der beschränkten Stallfläche zu halten, sei dann kaum noch möglich.

"Die Stallpflicht ist schon eine Katastrophe für die Tiere", sagt Ursula Prinz, die selbst zehn Hühner in ihrer Parzelle beherbergt. Wenn man die Vögel ohne Auslauf auf engstem Raum halte, würden diese einen regelrechten "Stallkoller" entwickeln. Es könne zum sogenannten Federpicken kommen, bei dem sich die Tiere gegenseitig das Gefieder ausreißen. Oft bleibe den Züchter kein anderer Ausweg als Vögel zu töten. Auch bei der letzten Stallpflicht in Wicker sei dies vorgekommen. "Das ist schlimm", betont Ursula Prinz.

Die Bedrohung durch die Vogelgrippe treffe die Züchter in einer besonders schwierigen Phase, erläutert die Vorsitzende. Normalerweise plane man im März das Schlüpfen von Jungvögeln, die bis zu den Tierschauen im Herbst aufgezogen werden sollen. Die Vorsitzende erzählt, dass sie momentan zwei Hennen in ihrer Zucht habe, die brüten wollen. Weil sie dafür den Stall teilen müsse, halte sie die Tiere jedoch von den Eiern fern. Die Vereinschefin will derzeit nicht riskieren, weiteren Platz zu verlieren.

Ursula Prinz weist darauf hin, dass die Stall-Regelung nicht nur für Vereine, sondern auch für alle Geflügelhalter in privaten Gärten gilt. Es sei wichtig, dass sich alle daran halten, damit das Virus nicht von einem auf das andere Gehege in fremden Grundstücken überspringe. sas

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