Blaues Licht so weit das Auge reicht: Dutzende von Rettungsfahrzeugen standen während der Großübung aufgereiht zwischen Weilbach und Hattersheim. FOTOs (2): kröner
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Blaues Licht so weit das Auge reicht: Dutzende von Rettungsfahrzeugen standen während der Großübung aufgereiht zwischen Weilbach und Hattersheim. FOTOs (2): kröner

Katastrophenschutz

Flörsheim: Blaulicht-Kolonne an der Spange

Einsatzkräfte übten in einem für Großeinsätze vorgesehenen, sogenannten Bereitstellungsraum.

Weilbach/Hattersheim -Normalerweise ist die Verbindungsstraße am nördlichen Weilbacher Ortsrand in den Abendstunden stark befahren. Die sogenannte Querspange schließt die Landstraße L 3265 an die Bundesstraße B 519 und die Autobahnauffahrt an. Abends rollt hier der Berufsverkehr. Nicht jedoch am Mittwoch: Der komplette Streckenabschnitt war für mehr als eine Stunde in flackerndes blaues Licht gehüllt. So weit das Auge reichte, standen Einsatzfahrzeuge entlang der gesperrten Straße.

Was von oben wie eine riesige blaue Lichterkette ausgesehen haben muss, erstreckte sich von der B 519 bis zum Sportplatz der Germania Weilbach. Dort knickte der blaue Streifen in nördlicher Richtung auf die ebenfalls gesperrte Landstraße zwischen Weilbach und Hattersheim ab. Insgesamt rund 60 Einsatzfahrzeuge von Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz reihten sich nach und nach in die leuchtende Fahrzeugschlange ein. Sie waren Teil einer großangelegten Übung des Main-Taunus-Kreises.

Weder Feuer noch Löschwasser gehörten zu der ungewöhnlichen Großübung. Im Mittelpunkt standen nämlich nicht die Maßnahmen, die üblicherweise am Einsatzort greifen. Stattdessen bildeten Anmeldung, Aufstellung und Abfahrt der Einsatzkräfte den Kern des Projektes. Geübt werden sollte die Einrichtung eines Bereitstellungsraumes, in dem die Fahrzeuge in geordneter Form warten, bis sie von der Einsatzleitung angefordert werden. Dieser Bereitstellungsraum für Großeinsätze im Main-Taunus-Kreis befindet sich auf der Landstraße nördlich von Weilbach. Da der Landkreis klein ist, reiche eine solche Fläche aus, erklärte Andreas Koppe, Leiter des Amtes für Brandschutz- und Rettungswesen. Die Lage zwischen Weilbach und Hattersheim sei aufgrund der Nähe zur Autobahn optimal. Am Mittwoch wurde mit Einheiten aus dem Main-Taunus-Kreis geübt. Im Ernstfall würden sich auf der Landstraße aber eher Einheiten mit Hilfskräften aus benachbarten Landkreisen aufreihen, erläuterte Koppe. Ab Schadensereignissen, bei denen mit 50 Verletzten gerechnet wird, bitte der Kreis um die Unterstützung von seinen Nachbarn. Die lokalen Einheiten seien dann normalerweise bereits am Einsatzort, während die Unterstützer im Bereitstellungsraum warten. Ein Einsatz, bei dem eine solche Fläche tatsächlich genutzt werden musste, sei der Brand eines Kelkheimer Seniorenwohnheims am 25. Dezember 2013 gewesen, berichtete der Amtsleiter über ein Beispiel.

Die Einrichtung des gesperrten Streckenabschnitts liegt in den Händen der Feuerwehren aus Flörsheim und Hattersheim. Beide Städte wurden auch während der Übung zuerst alarmiert. Sein Team habe die Landstraße und alle Zufahrten auf der Weilbacher Seite dichtgemacht, erläuterte der Flörsheimer Stadtbrandinspektor Peer Neugebauer. Die Flörsheimer stellten auch das Einsatzleitfahrzeug, in dem alle Informationen über die aufgestellten Einsatzkräfte zusammenliefen. Die Hattersheimer Feuerwehr sperrte die Landstraße derweil aus ihrer Richtung und kontrollierte die Anmeldung der Rettungskräfte. Der Bereitstellungsraum war für die Zeit der Übung nur noch aus Richtung Hattersheim befahrbar.

"Jetzt müsste der Zufluss von Privatfahrzeugen langsam abebben", meinte Andreas Koppe um 17.30 Uhr - eine halbe Stunde nach Start der Übung. Die letzten Autos, die den Bereitstellungsraum noch durchfahren durften, gehörten Menschen, die das Impfzentrum zwischen Hattersheim und Weilbach verließen. Gegen 18 Uhr trafen dann die ersten Blaulichter auf der Weilbacher Querspange ein. Die Einheiten seien zeitlich so alarmiert worden, dass die Ankunft aus anderen Landkreisen simuliert werde, erklärte Amtsleiter Koppe. Ziel der Übung sei es, zu prüfen, ob das System, das bisher nur mit Rettungsfahrzeugen erprobt wurde, auch mit größeren Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk funktioniert. Gegen 19.30 Uhr war die Übung vorbei. "Wir müssen viel mehr Platz zwischen den Fahrzeugen frei halten", stellte Übungsleiterin Katharina Zengeler eine Erkenntnis fest. Weitere Details wolle man in den kommenden Tagen auswerten. sas

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