Vor seinem ersten Verlobten Tag im Vorjahr warb Friedhelm Meudt (li.) gemeinsam mit Rathauschef Dr. Blisch wegen der Pandemie für die Abstandsregel. FOTO: Mehrfeld
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Vor seinem ersten Verlobten Tag im Vorjahr warb Friedhelm Meudt (li.) gemeinsam mit Rathauschef Dr. Blisch wegen der Pandemie für die Abstandsregel.

Porträt

Flörsheim: Corona-Krise hat neue Wege frei gemacht

Pfarrer Friedhelm Meudt ist seit 25 Jahren Priester und erzählt, was ihn bewegt.

Flörsheim -Am 29. Juni 1996 empfing Friedhelm Meudt die Priesterweihe von Bischof Kamphaus im Limburger Dom. Sein damaliger Weihespruch erscheint dem Flörsheimer und Hochheimer Pfarrer zum 25. Dienstjubiläum aktueller denn je. "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben". Diese Worte aus dem Johannes-Evangelium seien ihm gerade in den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie häufig durch den Kopf gegangen. "Was ist Fülle?" stellt Meudt die Frage, die ihn angesichts von erzwungenen gesellschaftlichen Veränderungen beschäftigt.

"Wir hatten ein sehr eingeschränktes Leben", beschreibt der Seelsorger die vergangenen anderthalb Jahre. Gleichzeitig habe er den unvorhergesehenen Einschnitt auch als bereichernd erlebt. Er habe mehr Zeit zum Lesen gehabt und sich weniger stark getrieben gefühlt. Der 52-Jährige fragt sich, ob erfüllendes Leben tatsächlich darin besteht, "Termine abzugrasen", oder ob es nicht viel mehr darum geht, aus einer inneren Quelle zu schöpfen. Auch im Verlust von Kontakten bestehe die Chance, Dinge anders wertzuschätzen und neu zu definieren, meint der Jubilar.

Die unvorhersehbare Herausforderung erwischte den Geistlichen am Anfang des jüngsten Kapitels seiner 25-jährigen Priesterzeit - zu einem Zeitpunkt, als er sich gerade auf ganz andere Herausforderungen einstellte. Ende 2019 wechselte Friedhelm Meudt aus dem Limburger Raum an den Main und übernahm die vakante Pfarrstelle für Flörsheim und Hochheim. Aufgaben, die er auf dem Schirm hatte, seien die Zusammenführung der Gemeinden zu einer Pfarrei neuen Typs sowie die Erneuerung des Gallus-Zentrums gewesen. Außerdem habe er sein erstes Jahr nutzen wollen, um Leute kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. "Dann endete alles abrupt", erinnert sich der Priester. Die Gemeindearbeit habe sich in der Corona-Zeit aber neue Wege gebahnt. So seien beispielsweise digitale Streaming-Formate entwickelt worden und die Gremien hätten sich online getroffen. "Das ist uns früher fremd gewesen", stellt der 52-Jährige fest. Vor Corona sei er immer in herkömmlichen Strukturen unterwegs gewesen. Doch Meudt weiß, dass das Leben nie stehen bleibt. "Das ist eine Illusion", betont der Geistliche. Man könne nicht mit Rezepten von vor über 20 Jahren an neue Herausforderungen herangehen. Meudts Offenheit für neue Ansätze bedeutet nicht, dass er erprobte Wege vergisst oder gewachsene Verbindungen kappt. Kontakte zu seiner Heimatgemeinde und zu früheren Weggefährten hält er bis heute.

Der heutige Pfarrer wuchs in Hundsangen im Westerwald als eines von fünf Geschwistern auf, machte sein Abitur in Limburg und studierte Theologie und Philosophie in Frankfurt und Wien. Die gute Erfahrung in der eigenen Heimatgemeinde habe ihm die Motivation für einen geistlichen Weg gegeben, erzählt der 52-Jährige. Er habe gute Pfarrer und Religionslehrer als Vorbilder gehabt. Mit den Teilnehmern seines Weihekurses stehe er bis heute in Kontakt, erzählt Meudt. Dazu gehört Helmut Gros, Pfarrer in Flörsheims Nachbarstadt Hofheim. Bevor es ihn in Gros' Nähe verschlug, arbeitete Friedhelm Meudt als Kaplan in Nentershausen und als Schulpfarrer in Limburg. Die längste Zeit verbrachte er als Pfarrer der Gemeinden Dehrn, Dietkirchen, Eschhofen und Lindenholzhausen, in denen er 15 Jahre lang aktiv war.

Mit den Lockerungen der Coronamaßnahmen sieht der Geistliche nun auch eine Perspektive für seine großen Aufgaben in Flörsheim und Hochheim. Grundsatzentscheidungen für die Großpfarrei neuen Typs würden derzeit auf den Weg gebracht und sollen noch vor den Sommerferien bekannt gegeben werden, berichtet Meudt.

Für die Erneuerung des maroden Gallus-Zentrums seien mittlerweile erste Gespräche mit dem Bistum und der Stadt geführt worden. Neben der Wiederaufnahme dieser Projekte wünscht sich Friedhelm Meudt schließlich noch die Rückkehr der Fassenacht. Der begeisterte Narr, der seit vielen Jahren in der Bütt steht, konnte seine Premieren in Flörsheim und Hochheim kurz vor Ausbruch der Pandemie feiern. "Jetzt hoffe ich, dass wir nächstes Jahr wieder mehr machen können", so der Priester. sas

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