Seit Montag darf Armin Burghold wieder Kunden an die Fitnessgeräte im Studio an der Kapellenstraße lassen.
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Seit Montag darf Armin Burghold wieder Kunden an die Fitnessgeräte im Studio an der Kapellenstraße lassen.

Wirtschaft

„Branche am Boden“ – Viele Fitnessstudios nach Corona-Lockdown in Existenznöten

Ein Fitness-Studio-Experte sieht "die Branche am Boden" und setzt auf den Bedarf an Bewegung nach der Corona-Zeit.

Flörsheim – Es war der Tag, dem Armin Burghold seit langem entgegengefiebert hatte. Als der Studio-Leiter des "Körperforums" gestern Vormittag seine Türen aufschloss, warteten bereits mehrere Kunden in Trainingsanzügen vor dem Eingang. Trotz medizinischer Masken erkannte Burghold die Mitglieder schnell wieder - mit den meisten ist er per du. Der Chef des Fitness-Angebotes in der Kapellenstraße hat viele Kunden lange nicht mehr gesehen. Seit dem Lockdown-Beginn Anfang November blieb das Geschäft geschlossen.

Gestern kehrte wieder Leben zwischen den Trainingsgeräten ein. Während sich Armin Burghold mit dem Kreisblatt-Reporter unterhielt, stand das Telefon am Empfangstresen kaum still. Alle paar Minuten musste der Leiter des "Körperforums" zum Hörer greifen und Fragen beantworten. "Die Nachfrage ist da", erklärt der Experte für Fitness-Studios. Dies sei auch schon während der vergangenen Wochen der Fall gewesen. Viele Kunden hätten zwischenzeitlich nachgefragt, wann die Trainingsgeräte wieder genutzt werden dürfen. Dass es nun so schnell ging, habe allerdings auch ihn selbst überrascht, gibt Armin Burghold offen zu. Aus den Öffnungsschritten, die Bund- und Länder am Mittwoch beschlossen, konnte der Inhaber zunächst nicht erkennen, dass er wieder Sportler empfangen darf. Erst am Donnerstagabend habe er durch einen Kunden erfahren, dass Fitness-Studios in Hessen unter Einschränkungen öffnen dürfen. "Wir waren alle überrascht", erzählt Burghold.

Fitnessstudios nach Corona-Lockdown – Sportler müssen Termin vereinbaren

Für das "Körperforum" gelte nun die sogenannte "Click & Meet"-Öffnung. Das bedeute, dass Mitglieder einen festen Termin für ihre Trainingseinheit vereinbaren müssen. Der Fitnessbetrieb laufe stundenweise, erläutert Armin Burghold. Nach 60 Minuten Training müssen die Freizeitsportler die Einrichtung wieder verlassen. Bevor die nächste Gruppe vor der Tür steht, werde das gesamte Studio desinfiziert, erläutert der Studio-Chef. Während der einstündigen Trainingsblöcke sei der Betrieb auf einen Kunden pro 40 Quadratmeter beschränkt. Bei einer Trainingsfläche von rund 510 Quadratmetern bedeute dies, dass momentan bis zu zwölf Personen im "Körperforum" trainieren dürfen.

Armin Burghold leitet das Studio in der Kapellenstraße seit 2012. Er schätzt, dass er etwa 20 Prozent der Mitglieder durch die Corona-Einschränkungen eingebüßt hat. "Aus vier Wochen wurden über zwei Monate", erinnert er an die Verlängerung der Beschänkungen. Glücklicherweise hätten 98 Prozent der verbliebenen Mitglieder ihre Beiträge weitergezahlt. Dass Fitness-Angebote flächendeckend geschlossen wurden, findet er immer noch schwer zu begreifen. Neben der Gastronomie hätten Sportstudios nämlich die besten Hygienekonzepte gehabt.

Viele Kollegen seien durch den Lockdown in Existenznot gekommen. "Die Branche ist am Boden", so Armin Burghold. Trotz des derzeitigen Öffnungsschritts befürchte er immer noch, dass viele Fitness-Studios es nicht schaffen. "Man weiß nicht, was noch kommt", sagt Armin Burghold, der sich stetigen Mitgliederzuwachs wünscht. "Ich hoffe, dass die Nachfrage nach Fitness und Gesundheit jetzt höher ist als vor dem Lockdown." (sas)

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