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Flörsheim: Corona und Inflationsängste sind Bremsklötze

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So war es in früheren Jahren, so soll es wieder werden: Ein gut gelauntes Publikum applaudiert bei einer der KAB-Fastnachtssitzung im Galluszentrum.
So war es in früheren Jahren, so soll es wieder werden: Ein gut gelauntes Publikum applaudiert bei einer der KAB-Fastnachtssitzung im Galluszentrum. Archiv © Hans Nietner

In diesem Jahr wird es nur zwei KAB-Fastnachtssitzungen in der Ausweich-Narrhalla geben.

Wicker/Flörsheim -Wenn die Sprache auf die urwüchsige Fleschemer Fassenacht kommt, dann ist in den vergangenen Jahren oft zu hören: „Des hät es frieher nit gegebbe“ oder „Frieher war ischendwie alles besser“ oder aber „Des hät frieher koner gemacht“. Tatsächlich hat sich die Saalfasnacht auch in der Mainstadt geändert und es gibt Ausprägungen, die noch vor Jahren undenkbar gewesen wären. Beispiel gefällig? Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Flörsheim ist im Laufe der Jahre immer mehr zum profilierten Fastnachtsverein im besten Sinne geworden. Speziell werden bei ihren Sitzungen Flörsheimer Themen aufs Korn genommen. Vor allem sind es allesamt Rednerinnen und Redner sowie Gruppen aus der Mainstadt, die sich der fröhlichen Jahreszeit annehmen. Darauf ist die KAB besonderes stolz. Denn sie setzt auf Eigengewächse und nicht auf Einkäufe in Mainz oder in den Wiesbadener Vororten Mainz-Kastel oder Mainz-Kostheim.

Doch woher kommt dieser Aufschwung noch? Für Freunde der Fassenacht ist das eigentlich klar. Die Urwüchsigkeit der Fassenacht ist trotz aller Hindernisse nicht klein zu kriegen, sie kommt aus der Mitte der KAB. Dabei hätten die KAB’ler selbst den größten Grund die Köpfe hängen zu lassen. Denn ihre Heimstatt, das Gemeindezentrum Sankt Gallus, ist seit etlichen Jahren nicht mehr nutzbar. Das Gebäude an der Hauptstraße wurde vernachlässigt, der bauliche Zustand verschlechterte sich. Nachdem das Bistum und manch ein Pfarrer sich lange Zeit nicht um das Problem kümmern wollten, kam es zur Sperrung des Auftrittsortes, weil die Brandschutzauflagen nicht erfüllt werden konnten. Die Konsequenz: Für öffentliche Veranstaltungen mit viel Publikum müssen sich die katholischen Vereine und Verbände einen anderen Austragungsort suchen. So auch für die KAB-Fastnachtssitzungen. Lustig ist das nicht. Da hilft auch nicht die witzig gemeine Äußerung eines Katholiken, dass das Bistum anscheinend die Kirche Sankt Gallus zu Narrhalla umfunktionieren möchte. Denn dort würde ja schon der Fastnachts-Gottesdienst abgehalten. Zurück zur KAB: War es erst einmal das Graf-Stauffenberg-Gymnasium, das beim Suchen eines Ausweichquartiers geholfen hatte, so ist es nun die Goldbornhalle in Wicker. In früheren Jahrzehnten wäre diese Örtlichkeit fast undenkbar und hätte für Proteste gesorgt. Schließlich waren die Leute noch nicht so mobil wie heutzutage. Nun ist es zur Normalität geworden, wenn es um Veranstaltungsorte geht, die im näheren Umkreis von Flörsheim verfügbar sind. So rettet sich die KAB mit viel Flexibilität und Erfindungsreichtum über die heimatlose Zeit hinweg, die noch einige Jahre andauern wird.

In diesem Kontext ist eine Mitteilung des KAB-Sitzungspräsidenten Daniel Schleidt zu sehen: „Seit vielen Jahren feiert die KAB Flörsheim Saalfastnacht mit Aktiven aus der Stadt - bis 2018 im Galluszentrum, seit 2020 in der Aula der Stauffenberg-Schule. Nach zwei Jahren Corona-Pause, die wir mit aufwendigen Online-Sitzungen überbrückt haben, sind wir nun wieder zurück mit zwei Sitzungen am 4. und 11. Februar.“ Weiter heißt es in der Mitteilung des KAB-Fastnachters: „Wir sind sehr froh und auch ein wenig stolz, dass wir trotz der schwierigen Jahre mit dem kurzfristigen Ausfall der Kampagne 2019, wegen der Schließung des Galluszentrum, des Umzugs 2020 und der coronabedingten Absagen 2021 und 2022, nun wieder ein volles Programm haben werden mit bekannten Akteuren, neuen Gruppen und Comebacks.“ Die beiden Sitzungen seien mit jeweils 260 Plätzen ausverkauft.“

Auch die KAB habe mit einem Rückgang der Nachfrage zu kämpfen, so Daniel Schleidt. Die Bremsklötze sind laut Schleidt die Sorge wegen Corona, aber auch die Unsicherheiten, die unter anderem mit Blick auf die Inflation existieren. „Deshalb gibt es in diesem Jahr nur zwei Sitzungen. Wir sind aber gewillt und guter Dinge, im kommenden Jahr wieder drei Abende anbieten zu können und zudem eines Tages wieder ins Galluszentrum zurückkehren können“, meint der Flörsheimer. Bis dahin fühlten sich die KAB-Aktiven in der Goldbornschule aber sehr wohl. meh

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