Sie prüften im Labyrinth die Steine auf ihre Festigkeit und Lage (v. li.): Josefine Klee, Initiatorin Berthilde Enders, Robin Ranisch sowie Elena Bach.
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Sie prüften im Labyrinth die Steine auf ihre Festigkeit und Lage (v. li.): Josefine Klee, Initiatorin Berthilde Enders, Robin Ranisch sowie Elena Bach.

Jubiläum

Flörsheim: Das Labyrinth führt zum Zentrum

Der gewundene Pfad wurde vor zehn Jahre geschaffen. Welche Idee dahinter steckt, erklärt die Initiatorin Berthilde Enders.

Flörsheim -Nicht immer ist es der direkte Pfad, der ans Ziel führt. Das gilt für Entscheidungen auf dem Lebensweg, aber auch für die gewundenen Pfade des Labyrinths in den Weinbergen. Wer den symbolischen von Steinen begrenzten Windungen folgt, steht irgendwann in der Mitte und hat das Ende des Weges erreicht. Deshalb ist das Labyrinth für die Wickerin Berthilde Enders auch ein Symbol für das Universum und den persönlichen Lebensweg. Die frühere Ortsvorsteherin hatte die Idee für den verschlungenen Pfad, den Mitglieder der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) vor zehn Jahren als Installation zwischen der Kriegergedächtniskapelle und der Flörsheimer Warte anlegten.

Ein Jahrzehnt ist vergangenen, und das Labyrinth lädt Besucher noch immer zum Erkunden und Nachdenken ein. Erst kürzlich hat Berthilde Enders wieder mit drei Helfern aus der jungen Gemeinde nach dem Rechten gesehen. Josefine Klee, Elena Bach und Robin Ranisch halfen bei der jährlichen Kontrolle der Steine. "Wir sind alle froh, dass das Labyrinth immer noch funktionstüchtig und fast unversehrt dort vorzufinden ist", sagt die Ideengeberin, die Unkraut zwischen den Wegen gerupft hat. Ab und zu werde mal ein Stein verschoben, erzählt sie. Doch im Lauf der Jahre hätten sich die meisten der dicken Brocken so festgesetzt, als seien sie angewachsen.

Die Faszination für das Labyrinth kam der Wickerin im Rahmen ihrer christlichen Gemeindearbeit. Berthilde Enders berichtet, dass das Thema bei Treffen des Ökumenischen Frauenkreises diskutiert wurde. Ein Labyrinth sei kein Irrgarten, sondern münde über Umwege irgendwann zwangsläufig im Ziel, erläutert sie die Symbolik. "Im Zentrum darf man ankommen, sich ausruhen und muss dann umkehren." Diese Erfahrung wollte die ehemalige Ortsvorsteherin den Menschen bieten. Enders machte sich auf die Suche nach Grundstücken, um ein kleines Labyrinth anzulegen, wurde jedoch zunächst nicht fündig. Die Idee, die Installation als Teil des Regionalpark-Weges umzusetzen, habe nicht funktioniert. Gerd Mehler, damaliger Geschäftsführer der Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft (RMD), habe ihr mehrere Gelände angeboten. Die Wahl fiel auf die Fläche an der Gedächtniskapelle.

Griechische Urform zur Orientierung

Vor zehn Jahren nahm die Idee von Berthilde Enders Form an: Jugendliche aus der Gemeinde befassten sich zunächst theoretisch mit der Frage: Was ist ein Labyrinth? Schließlich realisierten sie ihren eigenen gewundenen Pfad im Rahmen der 72-Stunden-Aktion. Die jungen Leute brachten 40 Tonnen Sandsteine auf dem RMD-Grundstück in Position und erschufen damit einen Weg, der sich als kleines Labyrinth über den Boden schlängelt. Als Orientierung habe die griechische Urform gedient, bei der der Weg die Mitte sieben Mal umkreist, erläutert Berthilde Enders. Die Gemeindemitglieder bauten das Labyrinth bewusst an einem Ort, den viele Menschen auf ihrem Weg durch die Weinberge passieren. Oft werde die Anlage von Kindern genutzt, deren Eltern an der Warte sitzen. Die Installation soll allerdings nicht bloß als Spielplatz dienen, sondern eine Möglichkeit zum Nachdenken und zur inneren Einkehr bieten. Die Entwickler haben einen Kasten aufgestellt, in dem Interessierte schriftliche Hinweise und Gedankenanregungen zum Thema Labyrinth finden. Außerdem liegt eine Art Gästebuch aus, in dem Besucher ihre Erfahrungen und Anregungen notieren können. Nach zehn Jahren hat Berthilde Enders mehrere dieser Bücher zu Hause archiviert. "Die Reaktionen sind fast alle positiv", berichtet sie. Als Kritik sei mal geäußert worden, dass die Steine höher gestapelt werden sollten, um ein wirkliches Labyrinth zu bilden. Dies sei nicht machbar, sagt Enders. Nach dem Ende der Corona-Einschränkungen will die Initiatorin ein Fest zum zehnjährigen Bestehen ausrichten. sas

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