In Flörsheims Nachbarstadt Hattersheim sind diese E-Roller bereits im Einsatz. FOTO: Kröner
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In Flörsheims Nachbarstadt Hattersheim sind diese E-Roller bereits im Einsatz.

Politik

Flörsheim: Debatte überE-Roller und E-Räder

Fraktionen sind sich vorerst nur beim Thema Car-Sharing einig.

Flörsheim -Jede Autofahrt, die eingespart werden kann, ist ein Gewinn für die Umwelt. So scheint es. Doch sind die angeboten Alternativen tatsächlich so nachhaltig und umweltfreundlich wie vermutet? Die Stadtverordneten stimmten in ihrer jüngsten Sitzung über klimaschonende Fortbewegungskonzepte ab und waren sich dabei nicht in allen Punkten einig.

Elektroroller, die über das Smartphone gemietet werden können, haben ihren Weg von den Großstädten in kleinere Gemeinden gefunden. In der Nachbarstadt Hattersheim stehen die mit Akkus betriebenen Scooter bereits seit einigen Wochen am Straßenrand. Ähnliches kann sich die FDP für Flörsheim vorstellen. Viola Gebek stellte einen Antrag der Liberalen zum Kurzzeitverleih von E-Rollern und E-Fahrrädern vor. Beim innerstädtischen öffentlichen Nahverkehr gebe es noch ein großes Verbesserungspotenzial, meint die junge FDP-Frau. Ihre Fraktion strebe allerdings keine flächendeckende Verbreitung der E-Roller an. Besser wäre aus Sicht der Antragsteller die Verteilung auf zentrale Knotenpunkte wie die Stadthalle oder die Weilbachhalle. Die Verwaltung solle auf geeignete Unternehmen zugehen.

Telja Wolters (GALF) gab zu bedenken, dass die Roller oft umweltschonende Fortbewegungsarten wie den Fuß- oder Radverkehr ersetzen. Sie verwies auf eine Umfrage aus Paris, laut der 85 Prozent der Nutzer den Scooter statt einer klimaverträglicheren Alternative nutzten. Sorge bereite der GALF vor allem der umweltschädliche Akku. Außerdem würden die Roller oft von manchen Nutzern einfach in der Landschaft entsorgt. Schlecht bezahlte Hilfskräfte müssten die Fahrzeuge einsammeln. Deshalb beantragte Wolters eine umfangreiche Prüfung: Der GALF-Änderungsantrag sieht vor, eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen, den Bedarf zu ermitteln sowie Unternehmen zu finden, die sich an gesetzliche Anforderungen bei Bezahlung und Arbeitszeit halten. Außerdem soll Flörsheim Kontakt zu anderen Kommunen wie Hattersheim aufnehmen, die bereits Erfahrungen mit solchen Angeboten haben.

Luana Schnabel (CDU) wies darauf hin, dass Mobilität ein zentraler Baustein des in Planung befindlichen Stadtentwicklungskonzepts sei. Die CDU unterstütze ein Ausleihe-Angebot für Elektroräder, habe jedoch Probleme mit den Rollern. "Die sind oft kaputt, liegen überall rum oder werden aus dem Main gefischt", betonte Schnabel. Die CDU unterstützte den Änderungsantrag des Koalitionspartners GALF.

Alois Mhlanga von den Freien Bürgern (dfb) fand den Änderungsantrag überzogen. "Dann hätten wir auch gerne die Umweltbilanz für die smarten Parkbänke gesehen", spielte der dfb-Mann auf einen CDU-Vorstoß an, in Weilbach Parkbänke mit Handy-Ladestationen aufzustellen. Die SPD lehnte die Anpassung der GALF ebenfalls ab. Man dürfe nicht immer vom schlimmsten Fall ausgehen, meinte SPD-Fraktionsvorsitzende Melanie Ernst. Außerdem sei Flörsheim nicht mit Paris vergleichbar.

FDP-Fraktionschef Thorsten Press fand die Forderungen der GALF "so weit gefasst, dass wir in zwei Jahren noch kein Ergebnis haben." Die Mehrheit von CDU und GALF konnte sich aber durchsetzen und den geänderten Antrag inklusive Umweltprüfung gegen die Stimmen von SPD, dfb und FDP auf den Weg bringen.

In der gleichen Sitzung beschlossen die Stadtverordneten einen gemeinsamen Antrag von CDU und GALF zum Thema Car-Sharing. Der Magistrat soll prüfen, ob sich ein Angebot ähnlich wie in Kriftel umsetzen lässt. Dort gibt es seit 2018 ein öffentliches Fahrzeug, das online gebucht werden kann. Flörsheim solle mit möglichen Anbietern Kontakt aufnehmen. CDU-Fraktionschef Marcus Reif erläuterte, dass der Main-Taunus-Kreis mit seinen Elektrofahrzeugen als Partner im Gespräch sei. Bevor Verhandlungen geführt werden, soll die Verwaltung im Ausschuss berichten. Alle Fraktionen stimmten zu. sas

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