Sitzungspräsident Alexander Becker (li.) wurde zum Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Bernd Flach gewählt. Die Aufnahme stammt von einer Vereinsfeier der Gemütlichkeit vor der Corona-Pandemie.
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Sitzungspräsident Alexander Becker (li.) wurde zum Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Bernd Flach gewählt. Die Aufnahme stammt von einer Vereinsfeier der Gemütlichkeit vor der Corona-Pandemie.

Porträt

Flörsheim: Der Gemütlichkeits-Macher

Der langjährige Vereinschef Bernd Flach zieht Bilanz und erklärt, warum der Trend für die Festivitäten zurückgeht.

Weilbach -Fast die Hälfte seines Lebens war Bernd Flach im Vorstand der Gemütlichkeit aktiv. Noch viel länger hält der 70-Jährige dem Weilbacher Verein bereits die Treue. "Ich war von der Kindheit an in der Gemütlichkeit", erzählt Flach. Über die Stationen Garde und Fanfarenzug sei er irgendwann in den Vorstand gewechselt. Dort betätigte sich der Vereinsmensch zunächst acht Jahre lang als Zweiter Vorsitzender, bevor er den Fastnachts- und Brauchtumsverein 25 Jahre lang als Vorsitzender leitete. Nach über 30 Jahren in führender Position hat Flach die Verantwortung nun in jüngere Hände gelegt.

"Ich habe schon seit zwei bis drei Jahren gesagt, dass ich müde bin", erklärt Bernd Flach, dessen Name immer eng mit der Gemütlichkeit verbunden war und ist. Bei der nachgeholten Jahreshauptversammlung Anfang des Monats wurde schließlich sein Nachfolger gewählt: Sitzungspräsident Alexander Becker löst den 70-Jährigen als Vorsitzender ab. So könne die Gemütlichkeit nach der Corona-Zeit mit neuem Vorstand starten, betont Bernd Flach.

In mehr als drei Jahrzehnten Vorstandsarbeit hat der langjährige Vorsitzende viel erlebt. Zu den Entscheidungen, die dem Weilbacher besonders am Herzen liegen, gehört die Errichtung des Vereinsheims an der Schulstraße. Mitglieder der Gemütlichkeit fertigten den Container-Bau in Eigenarbeit und konnten ihr neues Domizil im Jahr 2010 einweihen. Auf diese Leistung sei er etwas stolz, berichtet Bernd Flach. "Das ist unser eigenes Zuhause", erklärt er den Wert des Neubaus. Bevor das Gebäude existierte, hätten die Tanzgruppen der Gemütlichkeit in Räumen des FC Germania Weilbach trainiert. Außerdem hätten die Fassenachter zum Heringsessen die Weilbachhalle angemietet. Das ist nun nicht mehr erforderlich.

Apropos Weilbachhalle: Im Jahr 2012 musste Flach als Gemütlichkeits-Chef eine weitere Herausforderung meistern. Die Weilbachhalle wurde saniert und stand nicht für die närrische Sitzung des Vereins zur Verfügung. Doch auch in dieser Situation fand sich eine Lösung. Die Fassenachter konnten die kleinere Turnhalle der TG Weilbach nutzen, um ihre Kampagne zu retten. "Immer noch besser in die Jahnturnhalle auszuweichen, als gar nichts zu machen", findet Flach.

"Fastnacht war immer großer Teil der Gemütlichkeit", erklärt der 70-Jährige. Darüber hinaus richtet der Verein seine jährliche Schlagerparty und ein Wiesenfest aus. Früher gab es noch andere Veranstaltungsformate, die Zuspruch in der Bevölkerung fanden. Bernd Flach nennt das Oktoberfest als Beispiel. Diese Veranstaltung sei aber bereits vor 20 Jahren eingestellt worden, weil der Trend zurück ging. Allgemein sei der Zuspruch zu Festen von Vereinen rückläufig. Früher seien die Leute im Ort noch froh gewesen, wenn mal wieder etwas Besonderes auf die Beine gestellt wurde. Heutzutage gebe es jedes Wochenende Programm. "Die Menschen kriegen ja heute alles angeboten", beschreibt Bernd Flach das Überangebot an Freizeitaktivitäten.

Dass er seine Verantwortung im Vorstand abgegeben hat, bedeutet nicht, dass Flach der Gemütlichkeit künftig den Rücken kehrt. "Ich kann auch Bier zapfen und Stühle stellen ohne Vorsitzender zu sein", meint der Weilbacher "Macher" , der weiterhin anpacken will. Dem verjüngten Vorstand stehe er gerne mit Rat und Tat zur Seite. Denn: "Neue Besen kehren gut, aber die alten wissen wo der Dreck liegt." sas

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