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Flörsheim: Die Ambivalenz sichtbar gemacht

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Thomas Reinelt und seine Figurengruppe "Ambivalenz", die bei der letzten Mitgliederversammlung des Vereins "Für Flörsheim" in der Stadthalle zu sehen war. FOTO: kröner
Thomas Reinelt und seine Figurengruppe "Ambivalenz", die bei der letzten Mitgliederversammlung des Vereins "Für Flörsheim" in der Stadthalle zu sehen war. © Reinelt

Trilogie von Thomas Reinelt demonstriert unterschiedliche Aspekte des Flugverkehrs.

Flörsheim -Der Größte der drei metallisch glänzenden Rabenmenschen blickt zum Himmel und hebt die Hände schützend an die Ohren. Um die drei Meter große Figur vollständig zu erfassen, müssen Betrachter den Kopf in den Nacken legen - genauso wie es viele Flörsheimer tun, die angesichts der Landeanflüge über ihrer Stadt nach oben schauen.

Der Riese aus Leichtmetall ist ein Symbol für den Fluglärm über der Mainstadt. Doch der Rabenkopf ist nicht allein: Zwei weitere Figuren runden das Trio des Künstlers Thomas Reinelt ab. Eine hält ganz verspielt einen Papierflieger in der Hand, die andere ziehte einen Reisekoffer hinter sich her. Das Gesamtwerk mit dem Titel "Ambivalenz" soll die unterschiedlichen Aspekte des Flugverkehrs beleuchten. Die Arbeit symbolisiere "den Zwiespalt der Vor- und Nachteile", sagt Reinelt, der das Werk 2019 nach drei Jahren fertigstellte. Die Skulpturen regten bereits beim Hessentag in Rüsselsheim und im Hessischen Landtag zum Nachdenken an. Heute Abend sollen sie in der Flörsheimer Stadthalle zu sehen sein. Der Verein "Für Flörsheim", der die Klagen gegen die Planfeststellung für die Flughafenerweiterung führte, hat zu einer letzten Versammlung eingeladen. Die Mitglieder, zu denen Thomas Reinelt und Ehefrau Rosi von Beginn an gehören, stimmen über die Auflösung des Vereins ab.

Nachdem der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die beiden verbliebenen Beschwerden des Vereins zurückgewiesen hatte und der Weg vor den Europäischen Gerichtshof aussichtslos erschien, hat der Vorstand das Ende der Vereinstätigkeit geplant. Diesen letzten Schritt möchte Thomas Reinelt mit der Präsentation seiner Skulpturen tröstend begleiten. "Alle Mitglieder sollen wissen, dass ihrem Anliegen damit ein Denkmal gesetzt ist", so der kreative Handwerker. "Die Botschaft wird weitergetragen", erklärt Rosi Reinelt. Für die Frau und Unterstützerin des bekannten Künstlers hat die letzte Mitgliederversammlung einen "bittersüßen Geschmack". Schließlich habe der Verein im Kampf um das Nachtflugverbot wichtige Fortschritte erzielt. Das Ende des juristischen Kampfes sei dennoch "kein Freudenfest".

Wie der Titel "Ambivalenz" nahelegt, soll das Kunstwerk die vielfältige Wirkung des Frankfurter Flughafens auf die Region festhalten. Neben dem Lärm verewigt das Trio auch die Faszination für das Fliegen und den Nutzen des Flugverkehrs für die Menschen. Es gebe Leute, die sich nicht am Fluglärm stören und die regelmäßig in den Urlaub fliegen, erklärt Reinelt. Diese Spannung abzubilden, sei sein Ziel gewesen. "Das sind die Realitäten", betont der studierte Künstler. Beim Verein "Für Flörsheim" sehe er sein Werk deshalb als "Botschafter im diplomatischen Dienst". Damit die Metallmänner heute überhaupt in die Stadthalle gelangen, hat sich ihr Schöpfer die Unterstützung eines befreundeten Unternehmers gesichert, der die drei Riesen transportieren wird. Am Donnerstag sollen sie dann in den Hof der Reinelts zurückkehren.

Thomas Reinelt hat das ambivalente Trio ohne Auftrag angefertigt und sucht seither nach einem Abnehmer. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als würden die Skulpturen am Flughafen ein neues Zuhause finden. Gespräche mit Flughafenbetreiber Fraport verliefen jedoch ohne Ergebnis. Derzeit sei ein Kaufinteressent in Aussicht, verrät Rosi Reinelt. Es könnte also sein, dass die drei symbolhaften Figuren heute zum letzten Mal in Flörsheim ausgestellt werden. sas

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