Vor einigen Wochen wurde hier fleißig gewerkelt, derzeit ist aber Pause an der Baustelle in Höhe der Wickerer Straße. FOTO: kröner
+
Vor einigen Wochen wurde hier fleißig gewerkelt, derzeit ist aber Pause an der Baustelle in Höhe der Wickerer Straße.

Stadtentwicklung

Flörsheim: Die Baustelle liegt derzeit still

Installation der Schutzwände an der Bahnlinie dauert länger als geplant. Einige Anwohner sind besorgt wegen eventueller Schäden.

Flörsheim -Auf die Frage, ob ihn der Lärm der Bahnlinie in den vergangenen Jahren gestört habe, antwortet Alois Wolf mit einer Gegenfrage: "Wo findet man heute schon noch etwas Ruhiges?", sagt der Flörsheimer und hat, zumindest was das Leben im Rhein-Main-Gebiet angeht, irgendwie wohl recht. Zwischen Schienenverkehr, Flughafen und vielbefahrenen Straßen finden sich kaum noch unberührte Rückzugsorte in der Region. Allerdings wohnen nur wenige Menschen so unmittelbar neben einer Lärmquelle wie Alois Wolf, dessen Grundstück in der Eisenbahnstraße an die Gleise grenzt. Zwischen den Schienen und seinem Garten hat die Bahn in den vergangenen Monaten Teile einer Lärmschutzwand hochgezogen.

Die Anwohner auf der nördlichen Seite der Eisenbahnstraße gehören zu den am stärksten vom Bahnlärm betroffenen Flörsheimern. Die Rückseite der gesamten Wohnbebauung verläuft dort entlang der Schienentrasse. "Da muss man sich dran gewöhnen", sagt Alois Wolf, der früher selbst für die Bahn gearbeitet hat. Den Fluglärm empfinde er aufgrund der kurzen Abstände zwischen den Überflügen als schlimmer. Dennoch würde sich der Flörsheimer natürlich über Entlastung freuen. Die soll durch die derzeitige Baumaßnahme der Deutschen Bahn in Flörsheim kommen. Im Rahmen des Programms "Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes" errichtet der Betreiber des Schienennetzes auf einer Gesamtlänge von 3300 Metern Lärmschutzwände und investiert dafür rund 6,4 Millionen Euro in der Mainstadt. Der Abschluss der Maßnahme hat sich in der Zwischenzeit jedoch verzögert.

Teils blaue, teils durchsichtige Lärmschutzwände erheben sich zwischen Stahlpfosten entlang der Gleise. Der Startschuss für die Lärmsanierung fiel im Juli. Bis Ende Oktober sollte die Maßnahme ursprünglich abgeschlossen sein. Nach derzeitigem Stand wird sich die Fertigstellung jedoch bis ins kommende Jahr ziehen. Fünf der sechs Abschnitte, an denen die Wände aufgestellt werden, seien bis zum Jahresende fertig, teilt die Deutsche Bahn auf Nachfrage mit. Bereits jetzt habe man die Wände 4 und 6 in Höhe der Liebigstraße sowie zwischen der Straße Am Wickerbach und dem Bahnübergang Böttgerstraße erfolgreich abgeschlossen. Vor Weihnachten sollen außerdem die Wand 1 von der Philipp-Schneider-Straße bis Höhe Urbanstraße und die Wand 5 von der Straße Am Wickerbach bis zum Spielplatz Segerstraße fertig werden.

Häuser vibrierten während der Arbeiten

Den letzten Schritt bildet die Fertigstellung des Abschnitts zwischen Wickerer Straße und Hochheimer Straße. In diesem Bereich verläuft die Wand 3 entlang der Eisenbahnstraße. Die Anwohner würden sich bereits darüber wundern, dass sich seit Wochen nichts mehr tut, erzählt Alois Wolf. Warum dies so ist, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn: Derzeit werde geprüft, wann die erforderlichen Arbeiten fortgesetzt werden können. Verzögerungen im Bauablauf hätten dazu geführt, dass die für die Wand 3 geplanten Arbeiten nicht während der dafür vorgesehenen Sperrung der Schienen beendet werden konnten. Die Pausen des Bahnbetriebs seien jedoch notwendig, um sicher entlang der Gleise arbeiten zu können.

Manche Menschen in der Eisbahnstraße sind froh, dass gerade nicht gearbeitet wird. Als die Pfosten für die Schutzwände gesetzt wurden, habe ihr ganzes Haus gezittert, erzählt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen wollte. "Das Haus hat so vibriert, dass ich Angst um die Rohre hatte", ergänzt eine Nachbarin.

Die Baumaßnahme hatte weitere unerwünschte Folgen: Alois Wolf erzählt, dass der Rand seines Grundstücks beschädigt wurde. Die Bahn zahle zwar für die Instandsetzung - doch auffüllen müsse er die Erde selbst. Hinter seinem Haus wurden bereits alle Lärmschutzelemente bis auf eines installiert. Dadurch sei es tatsächlich schon etwas ruhiger geworden, berichtet der Anwohner. Verschwinden werden die Störungen durch den Zugverkehr aber nie ganz, ist sich Wolf sicher: "Die Erschütterungen bleiben." sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare