Auch ohne Rennen sind die "Donnergurgler" jeden Donnerstag auf dem Main. In der ersten Reihe zu sehen (v. re.): "Kapitän" Tobi Schönau und Michaela Lang. FOTO: kröner
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Auch ohne Rennen sind die "Donnergurgler" jeden Donnerstag auf dem Main. In der ersten Reihe zu sehen (v. re.): "Kapitän" Tobi Schönau und Michaela Lang.

Freizeit

Flörsheim: Die Intergalaktischentrainieren auf dem Main

Warum die "Donnergurgler" trotz der Absage des alljährlichen Drachenboot-Spektakels paddeln.

Flörsheim -"Donnergurgler - Zieht ab!", ertönt ein Schlachtruf vom Anlegesteg vor dem Flörsheimer Bootshaus. Dort hat das Drachenboot-Team "Intergalaktische Donnergurgler" gerade die Paddel aus dem Main gezogen. Schnaufend, nass, aber mit zufriedenem Grinsen gehen die Aktiven an Land: Frauen, Männer, Kinder - sogar Hunde seien schon mit an Bord gewesen, berichtet "Kapitän" Tobi Schönau. Obwohl der Ruderverein wegen Corona auf das jährliche Drachenbootrennen verzichtet, trifft sich das Team jede Woche zum Training.

Der Verein habe den Drachenboot Cup abgesagt, um kein Risiko einzugehen, sagt der Vorsitzende Ludger Schader. Durch die Vielzahl an Mannschaften und Zuschauern sei es schwer, Abstände einzuhalten. Manche Teams wollen sich aber nicht ganz von den Paddeln trennen: Die "Donnergurgler" sind eine von drei Mannschaften, die trotz der Absage weitermachen. Ebenfalls regelmäßig im Boot sitzen die "Girlie Dragons" und das Team Physiovit. Die Anstrengung scheint eine Faszination auszuüben, die die Flörsheimer auch ohne Aussicht auf das Rennen zum Training lockt.

"Ich finde es toll, dass die ganze Familie mit im Boot sitzen kann", erklärt Michaela Lang. Sie paddelt seit fünf Jahren und nimmt mit ihrem Mann und den beiden Kindern an den Übungsstunden teil. Auch ohne Rennen sei die Motivation hoch, weil in den vergangenen Monaten die Gemeinschaft gefehlt habe. 2020 sei das Training komplett ausgefallen. Deshalb sei es in diesem Jahr umso schöner. "Wenn man im Anschluss noch mit der Mannschaft zusammensitzt, ist das wie Urlaub", findet Michaela Lang. Noch lieber wäre es ihr allerdings, wenn es ein Rennen gäbe, weil man dann zeigen könne, was man gelernt hat.

"Ein toller Teamsport"

Tobi Schönau verschickt jede Woche Nachrichten, um die mehr als 20 Team-Mitglieder zum Training zu motivieren. Er habe in diesem Jahr alle angeschrieben, die jemals dabei waren, erläutert der Flörsheimer, der 2017 zu den Gründern der "Donnergurgler" gehörte. In diesem Jahr habe er von Beginn an ein gutes Gefühl gehabt. "Nach der Pause 2020 war die Chance groß, dass die Leute etwas unternehmen wollen", meint Schönau. Auch für ihn ist es selbstverständlich, ohne Rennen ins Boot zu steigen. "Das Rennen ist nur ganz kurz, das Training geht viel länger", betont der "Kapitän". Im Drachenboot zu sitzen, sei ein toller Teamsport, der einfach Spaß mache. In diesem Jahr habe die Mannschaft schon elf Neueinsteiger gewinnen können - und das, obwohl die "Donnergurgler" in den vergangenen Jahren nicht durch große Erfolge auf sich aufmerksam machen konnten. Beim Rennen 2019 seien sie sogar auf dem letzten Platz gelandet, hätten aber immer viel Stimmung gemacht, sagt Schönau - quasi als "Paddler der Herzen".

Das Ruder im Boot übernimmt Trainer Markus Schaffarz, der sich wöchentlich neue Herausforderungen für die Teams überlegt. Mal hängt er einen Autoreifen als Bremse ans Boot, mal spielt er Musik ein, um die Paddler im Takt zu halten. Weil das Rennen als Ziel fehle, ändere sich auch das Training. "Wir gehen stärker von der Ausdauersteigerung in Richtung Fun Faktor", erklärt der Trainer.

Eine Sache fehlt den Drachenbootmannschaften jedoch: Seit neuestem dürfen sie bei ihren Übungsstunden keine Trommel mehr ertönen lassen, um den Paddel-Rhythmus im Boot vorzugeben. Das Flörsheimer Ordnungsamt habe das Trommeln aufgrund von Anwohnerbeschwerden verboten, erklärt Vereinschef Ludger Schader auf Nachfrage. Dies gelte für den Trainingsbetrieb. Er gehe davon aus, dass die Trommeln bei künftigen Rennen erlaubt sind. sas

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