Sie haben bereits mehrere Dutzend außergewöhnliche Eissorten hergestellt: Michael und Tim Brons in ihrem selbst gebauten Verkaufswagen.
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Sie haben bereits mehrere Dutzend außergewöhnliche Eissorten hergestellt: Michael und Tim Brons in ihrem selbst gebauten Verkaufswagen.

Wirtschaft

Flörsheim: Die Manufaktur kreiertsogar Meerrettich-Eis

Wie die Produzenten der süßen Speise unverhofft zu Gewinnern der Corona-Krise wurden.

Wicker -Kein Eis ist ihnen zu schwierig: Egal ob Erdbeer-Basilikum oder Schokolade-Chili - auf Wunsch entwickelt das Vater-Sohn-Gespann Michael und Tim Brons fast jede Sorte. Die Wickerer haben sich handgemachten süßen Abkühlungen verschrieben und damit einen Kundenkreis gewonnen, der über das direkte Umfeld von Verwandtschaft, Freunden und Bekannten weit hinausgeht. Dem Kreisblatt verriet der nebenberufliche Eismacher Michael Brons, wie lange es dauert, ein neues Eis zu kreieren und was zurzeit die verrückteste Geschmacksrichtung in seinem Sortiment ist.

Ein Traum hat sich erfüllt

Eigentlich arbeitet der 60 Jahre alte Wickerer als Informatiker bei einer Fluggesellschaft. Speiseeis ist aber seit jungen Jahren ein Hobby von Michael Brons. Seit er 18 Jahre alt war, habe er sein eigenes Eis hergestellt - anfangs in einer kleinen Eismaschine mit einem Fassungsvermögen von etwa einem Liter, heute in größeren Mengen. "Das war schon immer ein Traum von mir", sagt Brons. Als sein Sohn Tim vor sechs Jahren eine Ausbildung zum Konditor machte, habe der Plan einer eigenen Eisproduktion neue Formen angenommen. Michael Brons verfeinerte sein über die Jahre angesammeltes Wissen im Jahr 2018, indem er eine Ausbildung zum Gelatier abschloss. Dabei habe er nicht nur gelernt, das Eis so zuzubereiten, dass es nach dem Einfrieren cremig bleibt. Die Kurse lieferten vor allem wichtige Informationen zu geltenden Hygienebestimmungen.

Richtige Erdbeeren für das Erdbeer-Eis

Unter dem Namen "Eismanufaktur Wicker" bauten Vater und Sohn ihren eigenen Eiswagen auf, mit dem sie am Wickerer Weinfest 2019 Premiere feierten. Für den Einstieg ins Eisgeschäft brauche es keine Ausbildung oder Meisterprüfung, sagt Michael Brons. Wichtig seien die Einhaltung der Vorschriften und natürlich eine gute Qualität. "Die Kunden zeigen einem am Ende, ob man es kann", meint der 60-Jährige. Michael und Tim Brons setzen bei ihrer nebenberuflichen Produktion auf möglichst viele natürliche und frische Inhaltsstoffe. "Wir ,bauen' unser Eis aus richtigen Zutaten", betont Michael Brons. So müsse etwa ein Erdbeer-Eis zur Hälfte aus richtigen Erdbeeren bestehen. Die Lebensmittel über Palmöl oder künstliche Geschmacksstoffe zu strecken, lehnen die Wickerer ab. "Das gibt's bei uns nicht", sagt Brons, der unter anderem an das Kurhaus in Wiesbaden liefert.

"Himmelblau" gibt es nicht

Die Philosophie der Eismanufaktur kann schon mal dafür sorgen, dass Kinder enttäuscht vor der Theke stehen - etwa weil sie die beliebte Sorte "Himmelblau" vermissen. "Es gibt keine natürliche blaue Farbe", erklärt Michael Brons, warum nicht jedes Eis ohne Zusatzstoffe machbar ist. Das Duo hat sich dennoch ein beachtliches Sortiment aufgebaut: 54 Sorten stehen derzeit zur Auswahl - davon haben die Eismacher immer neun in ihrem Wagen vorrätig. Ein neues Eis werde immer im Team entwickelt, beschreibt Michael Brons. Nach etwa fünf Stunden habe er mit seinem Sohn drei Probeversionen fertig. Dabei entstanden schon ausgefallene Sorten wie etwa ein besonders dunkles, veganes Schokoladeneis. "Wir haben Pina Colada und Zimt probiert", zählt Brons weiter auf. Am Ende wähle der Kunde jedoch meistens Klassiker wie Stracciatella oder Vanille. Die "Eismanufaktur" arbeite auch auf Bestellung. Zu den verrücktesten Wünschen, die das Duo bisher erfüllte, zählt Michael Brons ein Meerrettich-Eis. "Das wurde als Vorspeise serviert."

Ursprünglich wollten die Wickerer Eismacher mit ihrem Wagen Feste und Großveranstaltungen ansteuern. Diese Idee wurde jedoch schon wenige Monate nach dem ersten Anlauf durch die Corona-Pandemie durchkreuzt. Stattdessen stellten die Eisverkäufer den Wagen am Rand ihres Grundstücks in der Gutenbergstraße 8 auf. Dort verkaufen sie in den Sommermonaten an jedem Wochenende ihr Eis. "Wir gehören mittlerweile zu den Corona-Gewinnern", sagt Michael Brons. Leute, die sonst nirgends hin können, würden sich jetzt auf dem Spaziergang in den Weinbergen ein Eis gönnen.

Ab 1. September geht Michael Brons in Altersteilzeit. Er könne sich vorstellen, das nebenberuflich betriebene Eisgeschäft dann noch weiter auszubauen, sagt der Wickerer. Trotz aller Arbeit mit der Eisproduktion sei ihm persönlich der Spaß an der süßen Leckerei bisher noch nicht vergangenen. "Die Familie ist der größte Abnehmer", meint Michael Brons schmunzelnd. Der einzige Unterschied: Mittlerweile lecke er die Eismaschine nicht mehr aus. sas

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