1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Flörsheim

Flörsheim: Die Rettung aus dem Becken funktioniert

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der letzte Einsatz des 24-stündigen Feuerwehrmarathons in Wicker war eine „Wasserrettung“. Jonas Zillat stieg in einen Pool, um den im Wasser treibenden Sascha Ullrich zu retten. FOTO: kröner
Der letzte Einsatz des 24-stündigen Feuerwehrmarathons in Wicker war eine „Wasserrettung“. Jonas Zillat stieg in einen Pool, um den im Wasser treibenden Sascha Ullrich zu retten. © Kröner, Sascha

„Bauchkribbeln“ gab es bei einer 24-Stunden-Übung der Nachwuchs-Feuerwehr.

Wicker -Wenn er nach Hause kommt, wolle er direkt schlafen, erklärte der elf Jahre alte Jonas am Samstagabend. Die gleichaltrige Leonie konnte es ebenfalls kaum abwarten, daheim abzuschalten. „Auspacken, duschen und ausruhen“, beschrieb das Mädchen seine Pläne. Dass sich die Kinder ungewöhnlich müde fühlten, war nachvollziehbar. Die beiden Wickerer gehörten nämlich zu einer neunköpfigen Jugendgruppe, die gerade 24 anstrengende Stunden hinter sich gebracht hatte. Von Freitag auf Samstag lebten sie in ständiger Alarmbereitschaft in der Wickerer Feuerwache.

Die jungen Feuerwehrmitglieder im Alter von zehn bis 16 Jahren erlebten zum ersten Mal das Gefühl, ständig auf Abruf zu sein - ein Zustand, der für die Erwachsenen in der Einsatzabteilung alltäglich ist. Während der 24-Stunden-Übung waren die Kinder und Jugendlichen auf Feldbetten im Gemeinschaftsraum der Feuerwache einquartiert. Ihr normaler Tagesablauf, der aus Sport, Spielen und Essen bestand, wurde immer wieder von überraschenden Übungen unterbrochen.

Die Jungen und Mädchen waren noch keine Stunde im Gerätehaus, als sie zum ersten Einsatz gerufen wurden. Noch vor dem Abendessen galt es am Freitag, eine Ölspur hinter der Goldbornhalle zu beseitigen. In den folgenden Stunden rückten die Jugendlichen unter anderem zu einem simulierten Wohnungsbrand, einer Personen-Suche und einem Verkehrsunfall aus. Selbst einen Fehlalarm hatten die Betreuer im Tagesablauf der Jugendgruppe eingeplant. Nicht zu wissen, was sie als nächstes erwartet, war ein ungewohntes Gefühl für die Teilnehmer. „Man hat schon so ein Bauchkribbeln“, erzählte Leonie. Selbst auf der Toilette habe sie gedacht: „Was ist, wenn jetzt ein Einsatz losgeht?“ Die Nacht habe sie nur im Halbschlaf verbracht.

Alle sechs Stunden wechselten die Aufgabenverteilung und die Rolle des Schichtführers. Als letzter Einsatz stand Samstagnachmittag eine Wasserrettung auf dem Programm. In einem privaten Garten fand die Feuerwehrjugend eine regungslose Person, die mit dem Gesicht nach unten in einem Pool trieb. Feuerwehrmann Sascha Ullrich spielte das Opfer. Als Schichtführer hatte Jonas die Aufgabe, angeseilt im Taucheranzug ins Wasser zu steigen und die Person zu retten. Ullrich ließ sich von der jungen Einsatztruppe aus dem Wasser ziehen und auf eine Trage befördern. „Ich fand es cool, weil ich so einen Anzug noch nie anhatte“, erzählt Jonas im Anschluss. Obwohl er bis zum Oberkörper im Wasser stand, habe er nur feuchte Füße bekommen. Nach 24 Stunden Alarmbereitschaft war sich der Elfjährige immer noch sicher, dass er künftig in die Einsatzabteilung wechseln möchte. „Es macht Spaß und man hilft anderen Leuten“, betonte Jonas.

Dass Aktive der Feuerwehr die Unfallopfer und Vermissten spielten, hatte einen Sinn: „So bleibt der Überraschungsmoment erhalten“, erklärte die stellvertretende Jugendwartin Claudia Hochheimer. Wenn plötzlich drei Jugendbetreuer aus dem Gerätehaus verschwinden, könnten die Teilnehmer bereits ahnen, dass etwas passiert. „Dann ist es ja langweilig“, meint die Wickerin. Schließlich wisse man normalerweise als Aktiver auch nicht, wann der Alarm ausgelöst wird. Von 95 Prozent der Einsätze werde man während der privaten Zeit überrascht.

Die 24-Stunden-Übung kehrte am Wochenende nach zwei Jahren Corona-Unterbrechung zurück. Während der Pandemie seien ein paar Mitglieder der Jugendwehr nicht mehr aktiv gewesen, erklärte Claudia Hochheimer auf Nachfrage. Vor allem diejenigen, die keine familiäre Verbindung zur Feuerwehr haben, seien nicht mehr wiedergekommen. Die Jugend werde aber ständig durch „Aufsteiger“ von den Minilöschern verstärkt. Momentan seien rund 20 Jugendliche im Stadtteil Wicker aktiv. „Wir sind ganz gut aufgestellt“, findet die Jugendwartin. sas

Auch interessant

Kommentare