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Diese Aufnahme entstand vor einigen Jahren bei der Übergabe des Gutsausschanks Adler von (v. li.) Klemens und Anita Allendorff an Michael und Heike Allendorff.

Porträt

Flörsheim: Ein Familienmensch durch und durch

Die ehemalige Adler-Wirtin Anita Allendorff ist 80 Jahre und blickt zurück.

Wicker -Zweifellos gab es sie schon immer und gibt es sie weiterhin: die Ausnahmen von den Regeln. So zum Beispiel beim Thema Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung, wenn es um die Rolle der Frauen geht. Wenn heute bei Parteien, Unternehmen, Glaubensgemeinschaften und Institutionen nach einer Quotenregelung verlangt wird oder sich Frauen die Gleichberechtigung im öffentlichen Leben erkämpfen wollen, hat dies eine Frau schon vor vielen Jahrzehnten längst realisiert. Ihr Name: Anita Allendorff. Die Ex-Wirtin ist heute 80 Jahre geworden.

Es ist kaum möglich alle ihre Aktivitäten aufzuzählen, die sie seit Kindesbeinen an nicht nur in Wicker an den Tag gelegt hat. Bekannt ist Anita Allendorf über die Ortsgrenzen hinaus mit dem Gutsausschank Adler geworden. Den gastronomischen Betrieb eröffnete sie und ihre Ehemann im Jahr 1989. Damit fehlte Anita Allendorff an dann vor allem eines: Zeit. Denn die erforderten der Betrieb und die Gäste. Vor zwei, drei Uhr nachts war in der Gutsausschank-Saison die Arbeit nicht beendet. Ein anstrengendes Gastronomen-Leben also, deren Nachwirkungen noch heute bei ihr spürbar sind. "Ich bin immer noch bis spät in die Nacht wach. Ich habe den Rhythmus immer noch in mir", erzählt die taffe 80-Jährige.

Sie führte den Gutsausschank so, wie Anita Allendorff alles anpackte: Mit Sinn und Verstand und wenn es sein musste, auch resolut. Die zahlreichen Stamm-Kunden fühlten sich wohl, das Gasthaus war immer Tip-top in Schuss, das Essen hervorragend. Das sprach sich schnell herum. Die Banker und lokale Prominenz aus Frankfurt und Wiesbaden, ja selbst aus Mainz kam und kommt gerne in den Adler. Vor über zehn Jahren übernahm der Sohn Michael und die Schwiegertochter Heike das urgemütliche Gasthaus.

Doch was ist so besonderes an der Person Anita Allendorf? Sie ist immer schon eine unternehmungslustige Frau gewesen, die aber nie die Bodenständigkeit und Solidität verloren hat. Sie hat sich viel für andere eingesetzt, sei es bei der Harmonie, bei den Landfrauen oder als ehrenamtliche Richterin beim damaligen Amtsgericht in Hochheim. Sie hat manches gewagt und vor allem viel gearbeitet. Es ist - trotz aller Täler, die sie durchschreiten musste - ein erfülltes Leben, das sie geführt hat.

Sie interessiert sich weiterhin für Politik sowie Kultur und versucht die Corona-Krise so gut wie es geht zu überstehen. "Wir wollten eigentlich feiern und alles war schon vorbereitet, doch wir mussten wegen der Corona-Pandemie absagen. Jetzt müssen wir abwarten, ob es im nächsten Jahr vielleicht mit einer Feier klappt", sagt die 80-Jährige.

Anita Allendorf wurde für ihr ehrenamtliches Engagement schon vor einigen Jahren mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Sie engagierte sich einst als Vorsitzende der Landfrauen, war beim Hattersheimer Kirchenchor als aktive Sängerin eine Stütze und hatte beim Turnverein Wicker als Jugendliche jahrelang sehr gute Ergebnisse bei Wettkämpfen erzielt - zum Beispiel als Hochspringerin. Wer jetzt denkt, dass die gebürtige Wickererin, die mit Wein "nachgetauft" worden war, nicht über den Kirchturm hinaus geschaut habe, der hat sich gewaltig getäuscht. Anita Allendorf hat Reisen nach China, nach Russland, Dubai, Ägypten, ins Baltikum und in die üblichen europäischen Urlaubsländer unternommen.

Seit einigen Jahren hat sie sich mehr zurückgezogen und möchte ihren Ruhestand genießen. Wenn Sie zurückblickt, dann kann sie nicht nur auf eitel Sonnenschein blicken. Sie hat - wie alle Menschen - private Schicksalsschläge hinnehmen müssen, die sie aber couragiert bewältigt hat. Aufgeben war für sie nie eine Option. Was Anita Allendorf als Frau geleistet hat, kann man erst verstehen wenn man die einzelnen Stationen und Jahre ihres gesamten Lebens nachvollzieht. Deswegen nur soviel an dieser Stelle: Mit dem Fahrrad ist sie einst von Wicker zur damals neuen Mittelschule nach Flörsheim gefahren. Ebenso war später der Drahtesel das Transportmittel von Wicker zum Flörsheimer Bahnhof, von dem sie dann nach Frankfurt-Höchst fuhr. Dort absolvierte sie ab 1957 eine Lehre als Bilanzbuchhalterin und Steuerfachgehilfin. Viel später kam die Meisterprüfung für Hauswirtschaft hinzu.

Zurück zu diesem und zum nächsten Jahr: Mit ihrem Ehemann Klemens Allendorff kann sie 2021 die diamantene Hochzeit feiern. Auf was ist Anita Allendorff nun im Alter besonders stolz? Auf ihren beiden Söhne Stefan und Michael sowie "auf meine gut geratenen Enkel Nina, Nadja, Philipp und Lilli". Sie ist glücklich über ihre Familie - ein Familienmensch durch und durch. Kann man noch mehr erreichen? meh

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