Mathäus Lauck hielt als Kreistagsvorsitzender die Ansprachen bei den parlamentarischen Abenden im Kreishaus.
+
Mathäus Lauck hielt als Kreistagsvorsitzender die Ansprachen bei den parlamentarischen Abenden im Kreishaus.

Porträt

Flörsheim: Ein stiller Ehrentag

Schicksalsschlag ereilte Mathäus Lauck kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Flörsheim -"Wer sich breiten Interessen öffnet, der hat auch breite Lebenschancen", sagt Mathäus Lauck. Der Ehrenbürger der Mainstadt glaubt, dass anhaltendes politisches Interesse dazu beigetragen hat, seine geistige Fitness bis ins hohe Alter zu erhalten. Wie groß der politische Einsatz des CDU-Urgesteins war, belegt die lange Liste seiner Ämter und Auszeichnungen. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes saß mehrere Jahrzehnte in der Stadtverordnetenversammlung, die er ebenso leitete wie den Kreistag des Main-Taunus-Kreises. Außerdem stand Lauck 30 Jahre lang als Vorsitzender an der Spitze der Flörsheimer CDU. Heute wird der eloquente Kommunalpolitiker 90 Jahre alt.

Der Mann, der schon viele politische Herausforderungen überstanden hat, sieht sich in dieser Woche einer besonders schweren privaten Herausforderung gegenüber. Mathäus Laucks 90. Geburtstag wird vom Tod seiner Frau Liesel überschattet, die am Dienstag im Alter von 83 Jahren verstarb. Das Paar war 63 Jahre lang verheiratet. Drei Söhne und mittlerweile sieben Enkel zählen zur Familie. Liesel Lauck wird am Montag um 14.30 Uhr auf dem Neuen Friedhof beerdigt werden.

Mathäus Laucks hohe Verbindlichkeit und Sachlichkeit sprechen aus dem Umstand, dass er trotz dieses Trauerfalls bereit war, auf sein politisches und persönliches Wirken zurückzublicken. Der studierte Maschinenbau-Ingenieur begann seine ehrenamtliche politische Laufbahn mit dem Eintritt in die CDU im Alter von 18 Jahren. Vier Jahre später - im Jahr 1953 - übernahm Lauck den Parteivorsitz in Flörsheim, 1960 trat er sein Mandat als Stadtverordneter an, dass er erst 2001 niederlegte.

In den ersten Jahrzehnten seiner politischen Tätigkeit seien viele grundlegende Veränderungen für Flörsheim entschieden worden, erinnert sich der Ehrenbürger. "Die Stadthalle war eines der größten Projekte", sagt Mathäus Lauck. Als weitere Beispiele nennt er die Entwicklung des Neubaugebietes West und den Bau der Graf-Stauffenberg-Schule. "Damals wurde um vieles gerungen, das zum Fortschritt der Kommunen beigetragen hat", erinnert Lauck an die einstigen Aufgaben. Heute seien die Entwicklungsschritte in der Kommunalpolitik "gemessener".

Als größten politischen Erfolg führt Mathäus Lauck die Gebietsreform der Jahre 1969 bis 1972 an. Damals habe sich die heutige Ordnung der Region entschieden. "Der ganze Kreis stand zur Disposition", berichtet der Christdemokrat von den schwierigen Verhandlungen. Kaum vorstellbar sei aus heutiger Sicht, dass Flörsheim an Rüsselsheim angeschlossen werden und Hochheim zu Wiesbaden gehören sollte. "Ach du lieber Gott", kommentiert Lauck die damaligen Aussichten. Er selbst habe unter anderem Gespräche mit Vertretern von Wicker und Weilbach geführt, um über gemeinsame Interessen den Zusammenschluss der eigenständigen Orte mit Flörsheim zu erreichen. Letztlich sei der Erhalt des heutigen Kreisgebietes durch das politische Wirken einiger politischer Persönlichkeiten zustande gekommen. Lauck nennt Parteifreunde wie den damaligen Kreistags- und Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Koch und den früheren Kelkheimer Bürgermeister Winfried Stephan. "Mit diesen Leuten hatten wir einen Hebel", so der Flörsheimer. Der 90-Jährige hebt aber ebenso den ehemaligen SPD-Kreistagsvorsitzenden und Hattersheimer Bürgermeister Norbert Winterstein hervor. Dieser sei für Gespräche immer offen gewesen.

Mathäus Lauck verfolgt die Flörsheimer Kommunalpolitik weiter sehr aufmerksam. Im Kreistag sei er gelegentlich zu Gast, erzählt er. Wenn es die Corona-Einschränkungen wieder zulassen, kann er sich vorstellen, auch künftig die Sitzungen der Gremien zu besuchen. sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare