Franz-Ludwig Siebel ist 85 Jahre alt geworden und malt immer noch unermüdlich. FOTO: Kröner
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Franz-Ludwig Siebel ist 85 Jahre alt geworden und malt immer noch unermüdlich.

Porträt

Flörsheim: Einst hat er Plüschtiere gemalt,nun sind es Postkarten-Ansichten

Warum der Maler Franz-Ludwig Siebel alle seine Original-Werke für sich behält.

Weilbach -Wenn Franz-Ludwig Siebel seltene Postkarten oder Fotografien in die Finger bekommt, schlägt er sofort zu. In den Händen des Weilbachers werden solche Ansichten nämlich zu dekorativen Aquarellmalereien. An seinem Arbeitsplatz im Keller hat Siebel im Lauf der Jahre schon etliche Bilder kopiert, vergrößert und damit gleichzeitig archiviert. Wer ihn besucht, der findet in jedem Raum vom Eingangsbereich bis ins Obergeschoss Spuren seines Schaffens. Vor wenigen Tagen feierte Franz-Ludwig Siebel seinen 85. Geburtstag. Mit dem Malen ist der Senior, der am 18. September 1936 geboren wurde, längst noch nicht fertig.

Ein entscheidende Rolle im Schaffensprozess nimmt Ehefrau Waltraud ein. Die gebürtige Hochheimerin und der Weilbacher sind seit 58 Jahren verheiratet. Waltraud Siebel ist dem Maler mehr als eine Muse - mit einem ungewöhnlichen Entschluss gab sie sogar den Anstoß zum heutigen Hobby des 85-Jährigen. Vor etlichen Jahren habe sie entschieden, keine Geschenke mehr von ihrem Mann anzunehmen, außer selbstgemalten Bildern, erzählt die Weilbacherin. Franz-Ludwig Siebel stellte sich der Herausforderung und begann, für jeden Anlass Teddybären zu malen. Über 20 Stück hat seine Frau mittlerweile in ihrer Sammlung. "Ich habe das gemacht, bis es mir zum Hals heraus hing", sagt der Jubilar lachend. Nach den Plüschporträts wandte er sich Urlaubsmotiven von Sylt und schließlich den Postkarten zu.

Umgang mit Farbe und bildliche Gestaltung lagen Franz-Ludwig Siebel nahe. Sein Vater war Malermeister, er selbst arbeitete als Farblithograf. "Ich musste für meinen Beruf eine ruhige Hand haben", erzählt der Weilbacher. Ein Händchen für Kreatives bewies er schon vor seinem ersten Pinselstrich: Siebel fertigte ein Mosaik aus bunten Steinplättchen über der heimischen Badewanne an. Als erstes Motiv wählte er Seepferdchen. Später folgten weitere großformatige Mosaike, die immer wieder dem Geburtsort seiner Frau gewidmet waren. Sie zeigen die Hochheimer Kirche Sankt Peter und Paul, das alte Rathaus sowie die Madonna am Plan.

Als sich Siebel in die Malerei vertiefte, besuchte er einen Kurs in der Volkshochschule. Dort habe man ihm aber nicht viel beibringen können, erzählt der 85-Jährige "Ach schön", habe die Kursleiterin beim Anblick seiner Werke gesagt. "Da bin ich dann daheim geblieben", so der Weilbacher. Die erste historische Postkarte erhielt Siebel von einem Bekannten. Sie zeigte mehrere Weilbacher Sehenswürdigkeiten - darunter das frühere Gasthaus "Zum weißen Ross". Seither hat der Maler zahlreiche Postkartenmotive aus Weilbach, Hochheim und von Urlaubsorten in der Eiffel oder in Frankreich auf Papier gebannt. 40 bis 50 Stunden sitze er an einer Karte, verrät der Hobbykünstler. Eines der jüngsten Motive, dass er verewigte und im Vorjahr an seine Frau verschenkte ist das restaurierte Hochheimer Daubhäuschen. Wenn Siebel für Freunde malt, gibt jedoch immer nur Kopien aus dem Haus. "Die Originale sind wie meine Kinder", betont der Maler.

Apropos: Siebel würde sich freuen, wenn die Malerei in seiner Familie erhalten bleibt. Es sei sein Ziel, künftig noch mit der gerade einmal ein Jahr alten Urenkelin Malia zusammen zu malen, berichtet der 85-Jährige. Auch seine drei anderen Enkelinnen hätten Talent, würden sich bisher aber noch nicht der Malerei widmen. "Vielleicht kommt das ja noch", hofft der stolze Opa.

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