Die AG "Schule mit Courage" freut sich über die Aufnahme in das bundesweite Netzwerk "Schule ohne Rassismus". Landeskoordinatorin Sabrina Becker (rechts) überreichte die Urkunde an Lehrerin Nicole Müller (2. v. r.). Schulleiter Klaus Hartwich (links) lobte das Engagement der Schüler und Lehrkräfte.
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Die AG "Schule mit Courage" freut sich über die Aufnahme in das bundesweite Netzwerk "Schule ohne Rassismus". Landeskoordinatorin Sabrina Becker (rechts) überreichte die Urkunde an Lehrerin Nicole Müller (2. v. r.). Schulleiter Klaus Hartwich (links) lobte das Engagement der Schüler und Lehrkräfte.

Schule

Flörsheim: Engagement für Vielfalt und Menschenwürde

Das Graf-Stauffenberg-Gymnasium ist jetzt Teil des Netzwerks "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Flörsheim -"Gegen Diskriminierung - für Vielfalt", steht in großen Buchstaben auf einem Banner im Eingangsbereich des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums. Die letzten beiden Worte sind in bunten Regenbogenfarben gestaltet. Der Schriftzug spannt sich über eine pinke Wand, die in den vergangenen Monaten zur Anlaufstelle der AG "Schule mit Courage" geworden ist. Etliche Bilder und Nachrichten bedecken die Mauer. Zwischen ausgeschnittenen Herzen und dem Schlagwort "miteinander" hängen Hinweise auf kommende Projekte und Fotos vergangener Aktionen. Künftig wird ein weiterer Hinweis den Bereich der pinken Wand ergänzen: Ein neues Schild markiert die Aufnahme des Flörsheimer Gymnasiums in das bundesweite Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Seit ihrer Gründung im Jahr 2018 wurde die AG mehrfach von erschreckenden aktuellen Ereignissen eingeholt, die Geschichtslehrerin Nicole Müller mit den Schülerinnen und Schülern diskutierte. Die Schüsse auf die Synagoge in Halle waren genauso Thema wie der rassistisch motivierte Anschlag von Hanau oder die an Politiker und Kulturschaffende versendeten Drohmails.

Auch die jüngste Demonstration in Berlin, bei der Reichskriegsflaggen vor dem Reichstag geschwenkt wurden, beschäftigte die Flörsheimer Schüler. "Das sind Geschehnisse, die nicht als Einzelfall abzutun sind", erklärte Sabrina Becker, Landeskoordinatorin des Netzwerkes "Schule ohne Rassismus". Es handele sich um Angriffe auf die offene Gesellschaft, gegen die man sich positionieren und ein Zeichen setzen müsse. Becker überbrachte dem Graf-Stauffenberg-Gymnasium die Aufnahme-Urkunde.

Antrieb für den Einsatz der Stauffenberg-Schüler war jedoch zunächst kein Fall, der bundesweit Schlagzeilen machten, sondern ein unangenehmes Vorkommnis vor Ort. Auf Tischen in der Schule waren Sprüche aufgetaucht, die sich über das Konzentrationslager Auschwitz lustig machten. Schulleiter Klaus Hartwich glaubt zwar nicht, dass die Häufigkeit solcher Parolen zugenommen hat. Es sei jedoch wichtig, ein Problembewusstsein bei den Schülern zu entwickeln. Deshalb habe die Schule auf eine Gegenbewegung gesetzt, die aus der Schülerschaft kommt, erklärt der Pädagoge.

Zu Beginn des Schuljahres 2018/2019 formierte sich die AG "Schule mit Courage", die in wenigen Wochen auf 25 Mitglieder wuchs. Als erste große Aktionen organisierten die Teilnehmer am 9. November 2018 einen Flashmob mit einer Kundgebung und gemeinsamem Gesang auf dem Pausenhof. Das Stück "Neue Brücken" der Gruppe Pur, das damals auf dem Schulhof gesungen wurde, spielten die Musiklehrer Bernhard Frank und Christine Galka in dieser Woche anlässlich der Überreichung der Urkunde. Als weiteres Projekt stellte die AG einen Workshop mit der Klasse 6 a zum Thema "Antisemitismus" auf die Beine. Vor allem schafften die Teilnehmer jedoch die Voraussetzung für die Aufnahme in das Netzwerk "Schule ohne Rassismus". Dafür war eine Unterstützung von 70 Prozent der Schülerschaft erforderlich. Unterstützer zogen im Februar von Klasse zu Klasse um über das Projekt zu informieren. Anderthalb Wochen später war es geschafft: 75 Prozent der Graf-Stauffenberg-Schüler hatten an einem Stand im Foyer der Schule unterzeichnet. "Wir haben viel Energie reingesteckt und waren überwältigt von der breiten Zustimmung", erklärten Luis Fritz und Siham Abatioui, die sich in der AG engagieren. Das nächste Projekt ist derweil bereits in Arbeit. Die AG unterstützt den Verein "Stolpersteine Flörsheim" bei der Verlegung von Stolpersteinen am 23. Oktober.

Werte leben und weitertragen

Im Rahmen des Netzwerks "Schule ohne Rassismus" übernimmt der hessische Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU) die Patenschaft für das Graf-Stauffenberg-Gymnasium. Rassismus sei immer da gewesen, er werde heute nur sichtbarer, weil die Hemmschwellen sinken, erklärte Wintermeyer. "Miteinander reden ist wichtiger als übereinander zu reden", betonte der Pate. Das Engagement der Flörsheimer Schüler für Vielfalt und Menschenwürde sei ein wichtiger Schritt, diese Werte zu leben und auch weiterzutragen. sas

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