Mit 90 Jahren ist Georg Koch der älteste Sänger im Stadtgebiet. Er hat Freude an vielen modernen Liedern. FOTO: kröner
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Mit 90 Jahren ist Georg Koch der älteste Sänger im Stadtgebiet. Er hat Freude an vielen modernen Liedern.

Porträt

Flörsheim: Er singt gerne den "Mambo"

Georg Koch ist seit 75 Jahren aktiver Chorsänger und versäumt fast keine Probe.

Weilbach -Viele Gesangsvereine klagen über Mitgliederschwund - vor allem Männerchöre tun sich schwer. Denn meistens sind es die männlichen Sänger, die den Vereinen zuerst wegbrechen. In Flörsheim gibt es jedoch ein Ausnahme-Exemplar: Der 90 Jahre alte Georg Koch ist das älteste aktive Chormitglied im Stadtgebiet. Der Weilbacher singt seit 1946 bei der Sängervereinigung Weilbach und denkt nicht ans Aufhören. Der Verein hat den lebhaften Senior in diesem Jahr für 75 Jahre aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet. "Der ist ein Phänomen", betont der Vorsitzende Karl-Heinz Groß.

Um zu erfahren, weshalb Georg Koch etwas Besonderes ist, muss man sich nur mit ihm an einen Tisch setzen. Dann dauert es nämlich nicht lange, bis der Senior anfängt, auswendig gelernte Lieder zu trällern. "Ich finde keinen Parkplatz, ich komm zu spät zu dir, mein Schatz", stimmt er das Lied "Mambo" von Herbert Grönemeyer an. Früher habe es bis zu 300 Lieder im Kopf gehabt, sagt der Weilbacher. Weitere Kostprobe gefällig? Wenn man ihm sage, was er singen solle, lege er sofort los, bietet Koch lachend an. Dann kommt ihm von selbst eine Eingebung: "Jeden Tag sitz ich am Wannsee, und ich hör den Wellen zu...", beginnt der 90-Jährige den Hit "Westerland" der Gruppe "Die Ärzte". Dieses Lied singe er besonders gerne, gesteht der Rekordsänger.

Was Georg Koch nicht so gerne mag, sind englischsprachige Texte. ABBA und Queen sind für den Weilbacher eine Herausforderung. Zu seiner Zeit habe man in der Schule einfach kein Englisch gelernt, erklärt der 90-Jährige. Damit er trotzdem mitsingen kann, übersetze ihm die Sängervereinigung alle englischen Lieder in Lautschrift. So weiß Koch zumindest, wie sich die Texte anhören müssen. Inhaltlich geht allerdings manches verloren. "Ich weiß oft gar nicht, was ich da singe", sagt der Senior. Deshalb seien ihm deutsche Texte immer noch lieber.

Die Sängervereinigung Weilbach feierte 2018 ihr 150-jähriges Bestehen. Georg Koch hat fast die Hälfte dieser Zeit aktiv begleitet. Dabei hat der Tenor nicht nur die Veränderung des Liedgutes miterlebt, sondern auch die Neuaufstellung des Chores. Nachdem die Zahl der Aktiven im ursprünglichen Männerchor schrumpfte, rief der Verein 2007 einen gemischten Chor ins Leben. Die Zusammenlegung mit den Frauen habe ihm anfangs nicht geschmeckt, erzählt Georg Koch. Heute räumt er jedoch ein, dass es die richtige Entscheidung war.

Die Liebe zum Chorgesang lag in Georg Kochs Familie. Schon sein Vater sei ein begeisterter Sänger gewesen - ebenso seine drei Brüder und zwei Neffen. Zeitweise hätten sieben Familienmitglieder gleichzeitig im Chor gesungen, erzählt der 90-Jährige. Ein weiteres Hobby, dem er bis ins hohe Alter treu geblieben ist, ist das Radfahren. In den Achtzigern sei er 12 000 Kilometer im Jahr gefahren, so Koch. Sieben Bodensee-Rundfahrten habe er abgeschlossen. Und wenn er im Sattel saß - den Wind im Gesicht - dann habe er gerne ein Liedchen gesungen.

Auch umgekehrt ergänzen sich die Freizeitaktivitäten: Der Ausdauersport habe seine gesangliche Kondition verbessert. "Wenn die anderen Luft geholt haben, konnte ich noch weitersingen, berichtet der Weilbacher, der bereits 14 verschiedene Chorleiter miterlebt hat. Die Singstunde am Mittwoch lasse er auch heute so gut wie nie ausfallen - nur wenn ein besonderes Fußballspiel übertragen werde, nehme er sich frei, erklärt Georg Koch. Ansonsten denkt er noch nicht ans Aufhören. "Luft habe ich noch", betont der Ausnahme-Sänger. sas

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