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Gabriele Beinlich präsentiert ihre Werke im Kunstforum Mainturm. Foto: meh

Kultur

Flörsheim: Feine Anspielungenauf verwirrende Realitäten

Die sehenswerte Ausstellung ,,Horizonte" ist noch bis November im Kunstforum Mainturm zu sehen.

Flörsheim -Es ist eigentlich paradox, wenn Künstler in diesen Zeiten ihre Eindrücke von vielen Reisen zeigt, die dazu noch indirekt aber deutlich Auskunft über die sozialen Verhältnissen geben. Noch paradoxer wird die Präsentation anscheinend, wenn die Künstlerin selbst zu einer Gattung Mensch gehört, die fast auf der ganzen Welt schon unterwegs war und noch immer ist. In ihrem Hauptberuf als Flugbegleiterin ist sie auf verschiedenen Kontinenten gewesen. Doch das wäre trotz allem zu kurz und zu platt beschrieben: Denn die Malerin Gabriele Beinlich hat jahrelang in Afrika gelebt. Die Eindrücke dieses Lebensabschnittes fließen in ihren Bildern ein und sind ausdrucksstark wiedergegeben. Überhaupt: Nichts nimmt Gabriele Beinlich einfach wie eine Voyeurin des auswärtigen Holiday-Glücks hin, um die Situation dann möglichst detailgetreu auf die Leinwand zu bannen. Nein, vielmehr sind ihre Werke immer auch feine Anspielungen auf die oft verwirrenden Realitäten. So zum Beispiel, wenn Touristen in Asien mit einer Handy-Kamera ein "Selfie" produzieren. Oder wenn ein buddhistischer Mönch mit neuester elektronischer Kamera durch eine alte Tempelanlage streift. Die Nase- und Mund-Schutzmasken wirken auf den Bildern von Gabriele Beinlich wie alltägliche Assessoirs. Tatsächlich beschäftigt sich die mehrsprachige Künstlerin, die aus Weilbach stammt und heute in Berlin und Oberursel lebt, nicht nur farblich und inhaltlich meistens auf neuen Wegen. Feine Ironie hier und da und das Eingeständnis, dass die Welt tatsächlich bunt ist, begleiten ihre Werke. In Ruhe betrachtet, sind viele Facetten zu sehen. So ist es natürlich kein Zufall, dass die Präsentation unter dem Titel "Horizonte" angekündigt wurde.

Die Corona-Pandemie hat alles lahmgelegt. Nicht aber die Ein- und Ausdrücke von reisenden Künstlern. Umso mehr ist zu empfehlen sich die Ausstellung von Gabriele Beinlich im Kunstforum Mainturm anzuschauen. Gerade jetzt, wo Reisen fast schon als gefährliches Unterfangen gilt. Manche Schattierungen in den Zeichnungen der Künstlerin könnten Hinweise auf die Pandemie sein. Die mit Acrylfarben gemalten Bilder wirken zugleich farblich dominant sowie unauffällig zeitlos. Die Künstlerin selbst ist bescheiden. Ganz unkompliziert gibt sie preis, was ihr bei den Bildern am Herzen liegt: "Ich male die Eindrücke von meinen Aufenthalten und Reisen, bei denen ich Menschen in alltäglichen Situationen beobachtet habe."

Wer sich die Werke von Gabriele Beinlich sowie dem gleichzeitig ausstellenden Fotografen Jürgen Lecher, der Schwarzweiß-Bilder von verschiedenen Ländern zeigt, anschauen möchte: Die Ausstellung ist bis Sonntag, 15. November, zu sehen. Geöffnet ist das Kunstforum donnerstags von 18 bis 22 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr. meh

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