Bernd Zürn und Hermann Vogt (v.l.n.r.) begutachten ein Rindenstück mit typischen Borkenkäfer-Fraßspuren. Im Hintergrund warten große Mengen gefällter Fichten auf ihren Abtransport.
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Bernd Zürn und Hermann Vogt (v.l.n.r.) begutachten ein Rindenstück mit typischen Borkenkäfer-Fraßspuren. Im Hintergrund warten große Mengen gefällter Fichten auf ihren Abtransport.

Wanderung

Flörsheim: Fichten sind leichte Beute für Borkenkäfer

Bernd Zürn wurde beim dritten Teil seiner Tour entlang der Main-Taunus-Kreisgrenze von Hermann Vogt begleitet.

Flörsheim -"Der Weg ist das Ziel" - diese philosophische Aussage trifft auf die Wanderetappen zu, die von Bernd Zürn im Main-taunus-Kreis (MTK) absolviert wurden. Der über die Kreisgrenzen bekannte Naturschützer und bekennende Radfahrer berichtet von seinen Touren, die ihn entlang der Kreisgrenzen führten. Sein Motto war eindeutig: "Ich wandere mal eben um den MTK".

Der dritte Teil seiner Wanderung führte den 80-Jährigen von Bad Soden-Schneidhain nach Eppstein-Niederjosbach. Davon berichtete er mit folgenden Worten:

"Montag, 3. August, 9.50 Uhr. Hier, am Bahnhof Schneidhain, beginnt heute Teil drei meiner Wanderung um den Main-Taunus-Kreis. Die beiden ersten Teile durch den Ostteil des Kreises habe ich allein zurückgelegt. Die heutige Tour werde ich mit Hermann Vogt machen. Angeregt durch die bisherigen Artikel im Höchster Kreisblatt hatte er spontan seine Begleitung angeboten.

Einerseits war ich recht froh, denn durch seine vielen Waldläufe in diesem Gebiet kennt er dort jeden Weg. Im Gegensatz zu mir. Ohne ihn hätte ich sonst oft anhalten und suchen müssen, denn nicht immer stimmt meine Karte mit der Realität überein. Andererseits hatte ich jetzt einen starken Partner (oder sollte ich eher ,Konkurrenten' sagen?): Der in Kelkheim wohnende Hermann Vogt ist nicht nur 16 Jahre jünger als ich, sondern auch ein durchtrainierter Langstreckenläufer und mehrfacher Marathon-Teilnehmer. Ob ich da mithalten kann? Meine recht ungewöhnliche Einstellung, die gesamte Strecke ohne Pause und ohne Essen und Trinken zurückzulegen, kannte und akzeptierte er.

Bei trockener Witterung und einer angenehmen leichten Brise ging es, immer leicht ansteigend, in nordwestlicher Richtung durch Schneidhain bis zur "Kleberschneise". Die führte uns schnur-gerade bergan durch dichten Laubwald. Trotz der langen Trockenheit sahen die Bäume gesund aus. In ihrem Schatten zu laufen war recht angenehm. Immerhin waren es mehr als 250 Höhenmeter von Schneidhain, das liegt rund 300 Meter über dem Meeresspiegel, bis zum 563 Meter hohen Eichkopf.

Nach der Überquerung der Landstraße (L 3369) Ruppertshain -Königstein erlebten wir ein ungewöhnliches Schauspiel: Endlos lange und mehrere Meter hohe Stapel mit gefällten Fichten warteten dort auf ihren Abtransport. Geschwächt durch die lange Trockenheit waren sie eine leichte Beute der Borkenkäfer.

Holzvollernter ersetzt mehrere Waldarbeiter

In Deutschland gibt es rund 110 Borkenkäferarten. Am häufigsten ist der Buchdrucker. An einem großen Rindenstück waren die charakteristischen Fraßspuren dieser Schädlinge deutlich zu sehen: Das Weibchen bohrt einen senkrechten Gang in die Rinde und legt darin seine Eier ab. Daraus schlüpfen die Larven. Nach ihrer Verpuppung bohren sie zunächst kleine Seitengänge und dann ein kleines Loch durch die Borke ins Freie, bereit, sich draußen zu paaren und sofort weiter zu vermehren. Da hilft nur ganz rasches Entfernen der geschädigten Bäume. Während unseres Aufenthaltes war im Hintergrund ein schweres Gerät zu hören: Ein Holzvollernter, auch Harvester genannt. Der fällt Bäume, entastet und schneidet sie auf handelsübliche Längen von zwei bis zu fünf Metern Länge. Von nur einer Person bedient, ersetzt er mehr als zehn Waldarbeiter bei ihrer gefährlichen Tätigkeit. Zurück bleibt eine Kahlfläche, die einer Mondlandschaft ähnelt. Wenn sie kleiner ist als einen halben Hektar wird sie sich in der Regel selbst überlassen. Größere Flächen werden mit standortgerechten Bäumen bepflanzt.

Um 11.25 Uhr stehen wir auf dem Eichkopf. Den Namen hatte ich vorher nie gehört. Mit stolzen 563 Metern ist er die höchste Erhebung im Kreisgebiet. Der Blick auf die Mainebene ist zwar beeindruckend, wegen der dichten Bewaldung aber ziemlich eingeschränkt. Bei klarer Sicht erkennt man den Odenwald und sogar die Hügel in Rheinhessen. Dort oben überwiegen die Fichten. Der Boden ist mit Adlerfarn und Brombeeren bedeckt.

Logisch, dass es jetzt erst mal bergab geht. Die ehemalige Lungenheilstätte (heute ,Zauberberg') oberhalb von Ruppertshain lassen wir links liegen und sind um 12.45 Uhr in der Ortsmitte von Schloßborn. Hier, an der nördlichsten Stelle des Main-Taunus-Kreises, verläuft die Kreisgrenze recht merkwürdig und in extremen Schwüngen. Das erschwert die Wegefindung. So wird zum Beispiel ein in der Karte eingezeichneter Wanderweg immer enger und endet in einem Gewirr von Brombeeren und Brennnesseln. Ein anderer Weg, der uns über den Dattenbach führen soll, existiert gar nicht.

An der Südflanke des ,Butznickel' erreichen wir, ständig bergab laufend, das Dattenbachtal. Ihm talabwärts folgend, passieren wir gegen 15.05 Uhr Ehlhalten. Danach geht es in einem leichten Bogen bergauf um den Hammersberg. Rund 120 Höhenmeter. Trotz schattenspendender Bäume eine schweißtreibende Angelegenheit. Auf den letzten drei Kilometern im Feld fehlt zwar dieser Schatten, aber eine leichte Brise sorgt für Abkühlung.

Um 16.21 Uhr steigen wir in Niederjosbach in die S 2. In rund sechseinhalb Stunden haben wir rund 24 Kilometer zurückgelegt. Das ist steigerungsfähig! red/meh

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