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Flörsheim: Furries reden nicht - auch nicht über die Hitze

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Zephi und Steve Sorex nannten sich diese beiden Besucher, die trotz Temperaturen über 36 Grad in ihre Fellkostüme schlüpften.
Zephi und Steve Sorex nannten sich diese beiden Besucher, die trotz Temperaturen über 36 Grad in ihre Fellkostüme schlüpften. © Kröner, sascha

Manga- und Japan-Messe in der Stadthalle war an zwei Tagen ausverkauft.

Flörsheim -Möglichst wenige Kleidungsstücke zu tragen, schien am Wochenende eine hervorragende Idee zu sein. Bei Temperaturen jenseits von 35 Grad zog es viele Menschen in Badeklamotten ins Freibad. Nicht jedoch die Besucher der Wie.Mai.Kai in der Stadthalle. Schon rund um den Schauplatz der großen Manga- und Japan-Messe wurde deutlich, dass die Hitzewelle Fans der fernöstlichen Unterhaltung nicht von ihrem Hobby abhält. Besucher präsentierten sich in langen Gewändern und farbenfrohen Perücken vor der Halle. In den umliegenden Straßen konnte man junge Männer und Frauen beobachten, die sich gegenseitig beim Anziehen der aufwendigen Kostüme halfen.

Nur wenige besonders Hartgesottene schlüpften am Wochenende in pelzige Ganzkörperkostüme mit großen Tierköpfen. Doch ein paar der sogenannten Furries (aus dem Englischen "fur" für Fell) gab es auch in Flörsheim zu bestaunen - oder eher zu bemitleiden. Zwei junge Männer, die sich Zephi und Steve Sorex nannten, posierten im prallen Sonnenschein vor dem Eingang. Zur Temperatur unter ihren Fellkostümen äußerten sie sich nicht. Es gehöre zur Philosophie der Furries, nicht zu sprechen, um die Illusion zu wahren, erklärte ein Freund, der die beiden begleitete. Teil des besonderen Ehrenkodex sei es auch, die Kostüme nicht vor Zuschauern abzunehmen - was bei tropischen Temperaturen zur echten Herausforderung werden kann. Im Kreis der Manga- und Anime-Anhänger gibt es aber auch dafür eine Lösung: Der Verein "Rhein Furs" hatte eine "Fursuit Lounge" vor der Stadthalle aufgebaut - eine Art Abkühlzelt für Pelzträger.

"Wir sind hier für die Wahnsinnigen, die sich unbedingt, dieses Ding anziehen wollen", erklärten die Mitglieder Steven und Philipp. In ihrem Zelt konnten sich die Verkleideten unbeobachtet ihre pelzigen Köpfe und Handschuhe ausziehen. Bisher seien nur eine handvoll Besucher in Fell-Montur bei ihnen eingekehrt, berichteten Steven und Philipp am Samstagnachmittag. Das Wetter sei momentan einfach zu heiß für diese Ausprägung des Hobbys. Furry-Zeit sei eigentlich von September bis Mai, so die Betreiber des Zeltes.

Wer Abkühlung brauchte, der konnte es auch im klimatisierten Saal der Stadthalle gut aushalten. Während in den hinteren Räumen Karaoke gesungen wurde und im Keller Künstler ihre Werke ausstellten, gehörte der große Saal den Händlern und ihren szenetypischen Produkten. Dort gab es alles, von Plüschfiguren über japanische Lebensmittel bis hin zum Plastikschwert. Kostümierte fanden außerdem einen Erste-Hilfe-Stand, der mit kostenlosem Klebstoff, Haarspray sowie Nadel und Faden warb. Für viele hat die Rückkehr aus der Corona-Pause gerade erste begonnen.

Christina Rotmann, die Kunden im rosa Dienstmädchen-Outfit mit Katzenohren bediente, berichtet, dass sie eine lange Zeit überbrücken musste. "Conventions" wie die Wie.Mai.Kai seien ihre Haupteinnahmequelle und würden weit mehr abwerfen als das Online-Geschäft, erläuterte die Manga-Begeisterte aus Chemnitz. Sie habe viel Minus machen müssen, um Produkte vorzubestellen, währende die öffentlichen Veranstaltungen ausblieben. Im Mai seien die Japan-Messen wieder gestartet, berichtete Rotmann. In Dresden und Jena habe sie bereits eine große Nachfrage erlebt. Doch für die Händlerin fernöstlicher Fanartikel ergibt sich daraus ein neues Problem: Viele Produkte, die aus Japan kommen, hätten derzeit drei Monate Lieferzeit, sagt die Standbetreiberin. Sie müsse ihr Angebot deshalb etwas anpassen, und in Europa nach geeigneten Produkten suchen.

Auch die Ausrichter vom Verein Wie.Mai.Kai verzeichneten am Wochenende viel Zuspruch. Die Veranstalter, die 2017 mit der Messe von Wiesbaden nach Flörsheim umzogen, verzeichneten nach zweijähriger Unterbrechung einen großen Ansturm. "Wir haben extrem viele Besucher", erklärte Organisatorin Sandra Richter. Mit rund 1300 Gästen sei der Samstag zum ersten Mal ausverkauft gewesen. Für den Sonntag gab es noch wenige Karten. Dass trotz Hitze so viele Fans anreisten, führte sie darauf zurück, dass ähnliche Veranstaltungen in der Region noch nicht stattfinden konnten. s sas

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