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Für seine vielen Verdienste erhielt Gerd Mehler (li.) mehrere Auszeichnungen. So überreichte ihm der damalige Ministerpräsident Roland Koch das Bundesverdienstkreuz.

Jubiläum

Flörsheim: Gerd Mehler war Geburtshelfer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes

Welche Rolle das Fernsehen bei der Gründung des Verbundes gespielt hat, erzählt der Ex-RMV-Geschäftsführer.

Flörsheim/Hofheim -Gerd Mehler hat ein Händchen für regionale Kooperationen, die politischen Grenzen überschreiten - das ist noch gelinde ausgedrückt. Viele Menschen kennen den umtriebigen und pragmatisch agierenden Sozialdemokraten vor allem als langjährigen Kopf der Rhein-Main-Deponie. In der Rolle des Geschäftsführers managte der Diplom-Volkswirt die Abfallentsorgung bei der RMD. Weniger bekannt ist jedoch, dass Mehler auch eine gewichtige Rolle bei der Entstehung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) spielte. Der geschickte Verhandlungsführer leistete Anschub bei der Organisation des RMV, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Heute wird der RMV vom Land Hessen, 15 Landkreisen und elf Städten getragen. Diese umfassende Kooperation war jedoch nicht selbstverständlich. Als der Verbund im Jahr 1995 aus der Taufe gehoben wurde, hatten die künftigen Gesellschafter bereits über drei Jahre verhandelt. Eine Gesellschaft zur Vorbereitung und Gründung des Verkehrsverbundes Rhein-Main war für die Koordination im Vorfeld verantwortlich. Dieses Organ leitete Gerd Mehler, der in der ersten Gesellschafterversammlung am 16. April 1991 zum Geschäftsführer bestimmt wurde. Als Erster Kreisbeigeordneter im Main-Taunus-Kreis war der SPD-Mann Stellvertreter des damaligen Landrates Jochen Riebel (CDU).

Mehler war gewissermaßen Geburtshelfer des RMV. Seine Aufgabe bestand jedoch nicht darin, Fahrpläne oder Tarifmodelle auszuarbeiten. Er sei kein Nahverkehrsexperte, gibt der 69-Jährige im Gespräch mit dem Kreisblatt unumwunden zu. Damals sollte er vielmehr die benötigten Akteure überzeugen und an einen Tisch holen. "Meine Aufgabe war es, das politisch auf die Reihe zu bringen", sagt Mehler. Widerstände habe es gegeben, weil sich manche Gebietskörperschaften sträubten, Kompetenzen abzugeben.

Nicht jeder interessierte Gesellschafter war schließlich bei der Gründung des RMV dabei. "Es gab welche, die wollten, aber durften es nicht", so Gerd Mehler. Als Beispiel nennt er den Kreis Alzey-Worms sowie den Donnersbergkreis. Der Stadt Aschaffenburg habe die bayerische Landesregierung die Mitwirkung im RMV untersagt, erzählt der Betriebswirt, der in den Ausschüssen der Kommunen für das Projekt warb. Manche Stadt habe zunächst um ihre Selbständigkeit gefürchtet. Mehler erinnert sich daran, dass Achim Exner (SPD), damaliger Oberbürgermeister von Wiesbaden, nicht so recht gewollt habe. Dabei sei es um die Einbindung der Wiesbadener Verkehrsbetriebe gegangen. "Am Ende wirst du mitmachen", habe er dem Parteifreund vorausgesagt, erinnert sich Gerd Mehler. Letztlich seien die Sachzwänge so groß gewesen, dass er Recht behalten habe.

Einen entscheidenden Erfolg auf dem Weg zum RMV-Zusammenschluss habe er Ende 1991 bei einer Oberbürgermeister-Versammlung im Frankfurter Römer erzielt, berichtet der SPD-Mann schmunzelnd. Als nach zwei Stunden Sitzung keine Einigung erzielt war, habe er den Anwesenden eröffnet, dass er den Hessischen Rundfunk für eine Berichterstattung bestellt habe. "Da kam aus dieser Nummer keiner mehr raus", schwelgt Mehler in Erinnerungen. Die Verhandlungspartner gaben eine gemeinsame Erklärung ab, und der Geschäftsführer hatte sein Ziel erreicht. "Keiner wollte den schwarzen Peter", erzählt der 69-Jährige lächelnd.

Dass der RMV am Ende über den Bereich des Planungsverbandes Frankfurt-Rhein-Main hinaus wuchs, sei das Ergebnis zahlreicher Verhandlungen gewesen. "Es wurde ein Selbstläufer", urteilt Gerd Mehler. Er selbst gab den Geschäftsführer-Posten Ende Februar 1992 ab, blieb dem RMV aber noch bis 2005 als Vorsitzender des RMV-Beirats erhalten. Und wie sieht er den Verkehrsverbund heute? Hat sich der RMV 25 Jahre später entsprechend der ursprünglichen Vision entwickelt? Gerd Mehler ist zufrieden, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf bei der Tarif-Frage. Es gebe immer noch harte Schnitte bei Fahrten über die Tarifgrenzen. Die Verbindung zwischen den Zonen müsse attraktiver gestaltet werden, findet Gerd Mehler. Sascha Kröner

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